Cyber-Spionage: Jointventure-Partner von Swisscom gehackt

16. September 2013, 13:17
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Geheimdienste sollen laut Medienberichten den grössten belgischen Telco Belgacom seit 2011 ausspioniert haben. Im Visier: Die Carrier-Tochter BICS - an der Swisscom einen Minderheitsanteil hält.

Geheimdienste sollen laut Medienberichten den grössten belgischen Telco Belgacom seit 2011 ausspioniert haben. Im Visier: Die Carrier-Tochter BICS - an der Swisscom einen Minderheitsanteil hält.
Belgacom, der grösste Telekom-Provider Belgiens, ist nach eigenen Angaben Opfer einer Hackerattacke geworden. Eine unbekannte Person habe einen Virus ins interne IT-System eingeschleust, teilt das Unternehmen heute mit. Einige Dutzend Server und Workstations seien infiziert worden. Die Urheber kenne man nicht. Man habe nun entsprechend eine Klage gegen Unbekannt eingereicht.
Laut belgischen Medienberichten vermutet die Staatsanwaltschaft, die Eindringlinge wollten an "strategische Informationen" gelangen. Die Untersuchung zeige, dass der Angriff nur mit "erheblichen finanziellen und logistischen Mitteln" möglich war. Alles deute auf "eine internationale Staatsspionage-Operation" hin. Die Zeitung 'De Standaard' schreibt unter Berufung auf ungenannte Quellen, Urheber des Angriffs sei der US-Geheimdienst NSA oder einer seiner Partner wie etwa Grossbritanniens GCHQ. Laut der Zeitung haben sich die Hacker Zugang zu internationalen Telefonie-Daten verschafft, die mindestens zwei Jahre umfassen. Die Attacke sei bereits im Juni bemerkt worden. Medienberichten zufolge sollen sich die Hacker für Traffic aus Syrien und Jemen interessiert haben.
Angeblich sollen die Angreifer insbesondere die Belgacom-Tochter Belgacom International Carrier Services (BICS) ins Visier genommen haben. Pikant: 22,4 Prozent der Anteile des Telekom-Carriers gehören Swisscom. Der Schweizer Branchenprimus hatte 2005 das Geschäft mit internationalen Carriern an dieses Joint Venture mit Belgacom ausgelagert. Die Mehrheit an BICS hält Belgacom, Südafrikas MTN hält einen weiteren Minderheitsanteil. Swisscom wollte sich auf Anfrage von inside-it.ch nicht zur Angelegenheit äussern.
Derweil hat sich auch die belgische Regierung eingeschaltet. Sie nimmt die Befürchtungen der Staatsanwaltschaft offenbar ernst: "Wenn diese Hypothese bestätigt wird und es sich in der Tat um Cyber-Spionage handelt, verurteilt die Regierung dieses Eindringen und die Verletzung der Integrität eines öffentlichen Unternehmens entschieden", heisst es in einer Mitteilung. (mim)

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