Cyberattacke belastet Umsatz von Meier Tobler mit 10 Millionen Franken

25. Februar 2020, 14:33
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Der Ransomware-Angriff vom Juli 2019 verhagelt dem Haustechnik-Spezialisten die Jahreszahlen. Und auch für 2020 rechnet Meier Tobler mit Spätfolgen.

Das Gebäudetechnikunternehmen Meier Tobler hat 2019 einen geringeren Umsatz verbucht, unter anderem wegen einer Cyberattacke vom Juli letzten Jahres. Damals hatte sich das Unternehmen die Ransomware "Cobalt Strike" einfangen.
Das 2017 aus dem Zusammenschluss von Walter Meier und Tobler Haustechnik entstandene Unternehmen erzielte 2019 einen Nettoumsatz von 496,1 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 5,3 Prozent, wie das in Nebikon ansässige Unternehmen mitteilt.
Die Cyberattacke habe deutliche Auswirkungen auf den Umsatz und den Gewinn gehabt, schreibt Meier Tobler, und beziffert den damit verbundenen Umsatzverlust auf rund 5 Millionen Franken. Obschon die vorbereiteten Notfallprozedere gegriffen hätten, habe sich ein Unterbruch bei den Auslieferungen nicht verhindern lassen. Damit bestätigt sich die Einschätzung vom letzten Sommer.
Die tatsächlichen Umsatzeinbussen sind nun aber doppelt so hoch ausgefallen: Ein zusätzlicher Umsatzverlust in ähnlicher Grössenordnung habe nämlich später im Wärmeerzeugungs-Geschäft aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit der Informatiksysteme resultiert, heisst es von Meier Tobler. Konkret fiel die Offertstellung nach dem Cyberangriff bis in den August hinein aus, wie Mediensprecher Martin Schäppi auf Anfrage erklärt.

Auch Gewinn von Cyberangriff belastet

Auch beim Gewinn hinterliess der Cyberangriff Spuren. Die direkten Sonderkosten zur Bewältigung der Attacke haben das Jahresergebnis mit einer Million Franken belastet. So wurde der Schutz vor künftigen Angriffen verstärkt und der Neuaufbau der IT-Infrastruktur eingeleitet. Auch der provisorische Betrieb der IT hat Kosten verursacht, wie Schäppi sagt.
Das Resultat von Meier Tobler wird offenbar nachhaltig vom Cyber-Vorfall getrübt: Aufgrund von Spätfolgen der Cyberattacke sowie Investitionen in den Turnaround der Wärmeerzeugung sei auch auf Ertragsseite nicht mit einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr zu rechnen, heisst es. So sind während des Ausfalls Kunden zur Konkurrenz gewechselt.
Man könne einige Schäden auch nicht konkret beziffern, gibt Schäppi zu bedenken. Immaterielle Fakten wie Kundenärger oder Imageverlust liesse sich ebenso wenig berechnen, wie die Rückschläge wegen gestoppten Projekten.
Wie geplant, soll es auch in diesem Jahr keine Dividende für die Aktionäre geben. Das Unternehmen hatte bereits im Sommer 2018, also lange vor dem Cyber-Angriff, wissen lassen, dass wegen der schwierigen Geschäftslage für die Jahre 2018 und 2019 auf eine Ausschüttung verzichtet werde.

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