Cyberkrieg gegen Twitter, Facebook & Co.

7. August 2009, 14:12
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Der gestrige Denial-of-Service-Angriff auf den Mikroblogging-Dienst Twitter betraf auch andere Web-2.0-Dienste. Die Angreifer dürften politisch motiviert sein.

Der gestrige Denial-of-Service-Angriff auf den Mikroblogging-Dienst Twitter betraf auch andere Web-2.0-Dienste. Die Angreifer dürften politisch motiviert sein.
Das "Web 2.0" wird auch "Mittmach-Web" genannt, weil man mit sehr geringen Mitteln Fakten, Erlebnisse und Ansichten verbreiten und potentiell ein riesiges Publikum erreichen kann. So liess sich "die Welt" über die Ereignisse nach den Präsidentschaftswahlen im Iran, als die Zensur eine unabhängige Berichterstattung praktisch verhinderte, über Twitter informieren. Die iranischen Behörden versuchten, die unerwünschten Berichte zu unterbinden, indem sie schlicht die Mobilfunknetze abschalteten und Blogger mit sehr hohen Strafen bedrohen.
Eine andere Methode, um unerwünschte Äusserungen zu unterbinden, ist der Angriff auf die Internet-Infrastrukturen, die diese verbreiten. Ein solcher Angriff scheint zum gestrigen - in der Blogosphäre aufgeregt diskutierten - Ausfall des Mikroblogging-Dienstes Twitter geführt zu haben. Twitter wurde mittels einer so genannten DDOS-Attacke (Distributed Denial of Service) während einer bis zwei Stunden lahm gelegt. Bei DDOS-Angriffen überfluten tausende von gekaperten Sklaven-PCs (Bots) einen Server mit Anfragen, bis dieser in die Knie geht und gar keine Anfragen mehr beantwortet.
Nicht nur Twitter wurde auf diese Weise angegriffen, sondern auch Facebook, eine Web-2.0-Seite namens LiveJournal und Googles Bloogler und YouTube. Ziel waren immer die Auftritte eines georgischen Bloggers, der unter dem Namen "Cyxymu" auf den erwähnten Seiten publiziert. Facebook und Google gelang es die Angriffe abzuwehren, während Cyxymus Seite auf LiveJournal nicht mehr erreicht wurde und Twitter für eine kurze Zeit bekanntlich gleich ganz den Geist aufgab.
"Es wird fast unmöglich sein, den Urheber der Angriffe zu identifizieren"
Cyxymu, der im russisch-georgischen Konflikt auf der georgischen Seite steht, schrieb gemäss Cnet News.com, es sei klar, dass die Angriffe ihm und allen Georgiern überhaupt gegolten hätten.
Gleichzeitig mit den DDOS-Angriffen wurden übrigens Spam-Mails versandt, in denen es Links zu Cyxymus Seiten gab. Diese Spam-Kampagne war aber kaum die Ursache für den Absturz von Twitter, denn die relativ wenigen Leute, die überhaupt auf Links in Spam-Mails klicken, generieren nicht dermassen viel Internet-Verkehr, wie uns der Security-Spezialist Candid Wüest von Symantec erklärte.
Wüest bezweifelt, dass der oder die Urheber der Angriffe auf den georgischen Blogger je entlarvt werden können. Grund: DDOS-Angriffe werden von Botnetzen (Netzwerke von "entführten" PCs) aus geführt. Hinter solchen Botnetzen stehen gut organisierte Kriminelle, die die Netze übrigens auch gegen Geld vermieten.
Zu "Cyberwar"-Angriffen kam es vergangenen Sommer im Krieg zwischen Russland und Georgien, aber es sind auch Angriffe auf Estland (Christoph Hugenschmidt)

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