Cyberspionage: Greift China gezielt Schweizer Unternehmen an?

16. November 2006, 13:32
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Beunruhigendes aus dem aktuellen Halbjahresbericht von MELANI: "Titan Rain" nun auch in der Schweiz.

Beunruhigendes aus dem aktuellen Halbjahresbericht von MELANI: "Titan Rain" nun auch in der Schweiz.
Die "Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI)" des Bundes hat gerade ihren dritten Halbjahresbericht zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Cyberkriminalität veröffentlicht.
Eine der beunruhigendsten Aussagen daraus: MELANI liegen erstmals Informationen vor, dass im ersten Halbjahr 2006 auch Schweizer Unternehmen von gezielten Wirtschaftsspionageangriffen mit IT-Mitteln betroffen waren.
Gemäss MELANI sollen diese Angriffe Teil einer Spionageoperation sein, in deren Rahmen anscheinend schon seit 2003 versucht wurde, kritische nationale Infrastrukturen und Regierungsstellen in den USA und anderen westlichen Ländern auszuspionieren. Das FBI ermittelt unter dem Codenamen "Titan Rain" in dieser Affäre. Als Urheber der Angriffe werde die Volksrepublik China vermutet – erwiesen ist aber offensichtlich nichts. An einer anderen Stelle formuliert die Bundesstelle den auch vorsichtiger, die Angreifer würden aus dem "ostasiatischen Raum" stammen.
Bei den Spionageversuchen werden vom Inhalt her ganz spezifisch auf bestimmte Schlüsselpersonen in einem Unternehmen zugeschnittene Mails verschickt. In diesen Mail sind präparierte Files enthalten, die anscheinend vor allem Sicherheitslücken in Microsoft-Programmen wie Explorer, Word, Exel oder PowerPoint ausnützen, um über diese Lücken Spionagesoftware auf die betroffenen Systeme zu schleusen.
MELANI warnt, dass sich vor allem Regierungsstellen, Firmen, die mit Regierungsaufträgen betraut werden, sowie die Rüstungsunternehmen vorsehen sollten. Aber auch ganz grundsätzlich drohe Gefahr für Firmen, die einen Vorsprung an Know-how aufweisen oder geschäftlich im fernen Osten tätig seien.
Den Halbjahresbericht, der viele weitere Tendenzen, zum Beispiel im bereich Phishing schildert, findet man hier etwas ausführlicher geäussert – damals aber noch ohne das Wissen, das nun auch Schweizer Firmen betroffen sind.. (Hans Jörg Maron)

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