"Da waren Tops und Flops dabei"

15. Januar 2020, 15:41
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Dem Thema "IT-Unternehmen erfolgreich verkaufen und zukaufen" widmete sich ein Event. Experten teilten ihre Erfahrung.

Es ist ein Thema, das offensichtlich auf Interesse stösst. "IT-Unternehmen erfolgreich verkaufen und zukaufen". Unter diesem Titel ging diese Woche eine gut besuchte Focus-on-Future-Veranstaltung in Baden über die Bühne.
Verkäufer wünschen sich von einem potenziellen Investor respektive Käufer vor allem klare Antworten, fasst der M&A-Spezialist Oliver Wegner zusammen. Ein Käufer müsse eine klare Strategie haben und zeigen können, wie das Unternehmen zur eigenen Firma passe. Die Frage zum Preis einer Firma beantwortete Wegner pragmatisch: "Ein IT-Unternehmen ist nicht gleich ein IT-Unternehmen und es ist so viel Wert, wie ein anderer bereit ist, dafür zu zahlen."
Direkten Einfluss auf den Unternehmenswert nehmen unter anderem die Kundenbasis, das Leistungsangebot sowie eigene IP und Markenrechte. Auch die Kompetenzen der Mitarbeitenden sowie die Unternehmenskultur beeinflussen den Preis, fasst Wegner zusammen.
Bereits während den Kaufverhandlungen gilt es laut Wegner, die Post-Merger-Integration (PMI) zu planen. Dies bestätigte Urs Röthlisberger, Business Area Public Software DACH bei Axians. Der Manager wurde mit der PMI von Ruf Informatik (heute Axians Ruf) in Vinci respektive Axians IT&T beauftragt.
Axians IT&T und Ruf seien lange als Konkurrenten unterwegs gewesen, und "plötzlich waren wir verheiratet", sagte Röthlisberger. Komplett unterschiedliche Kulturen können nur langsam zusammenwachsen und – wie gewöhnlich – dauere alles länger als geplant.
Insgesamt, so die Einschätzung zur PMI von Röthlisberger, scheine sich eine schnelle Integration zu bewähren. Nach der Übernahme von Ruf habe man insbesondere die Marketing-Teams rasch zusammengelegt, sodass man gemeinsam am Markt auftrete.

Profit-Perlen, "Dümpler" und Sanierungsfälle

Nach dem "Ein-Mal-eins" der Firmenübernahme von Wegner teilte Simon Boss seine Erfahrung. Der Chef und Gründer von Boss Info hat in den vergangenen 14 Jahren 14 Übernahmen getätigt. "Da waren Tops und Flops dabei", sagte er vor gut 100 Vertretern der IT-Branche.
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Die Tops und Flops der Boss-Übernahmen in den Augen des Firmengründers. Grafik: Boss Info
Als Flop bezeichnete er im Nachhinein etwa die 2007 erfolgte Übernahme von NJM in der Westschweiz. Er habe anschliessend beschlossen, sich auf die deutschsprachige Schweiz zu konzentrieren, erklärte Boss sein damaliges Fazit. Eine von ihm erstellte Grafik einer Analyse der 14 Übernahmen zeigt seine Einschätzung der jeweiligen Zukäufe. 10 von 10 möglichen Punkte auf der "Boss-Übernahmen-Skala" gibt es für ProFinance und pmc.
"Wir wollen überdurchschnittlich wachsen", erklärte der Firmenchef seine Übernahmestrategie an der Veranstaltung. Bei gewissen Zukäufen gehe es darum neue Geschäftsfelder zu erschliessen oder bestehende zu stärken. Mit anderen wiederum akquiriere er Mitarbeitende, Know-how oder neue Technologien. Den Zukauf von des ERP-Anbieters Profinance Anfang 2019 bezeichnete Boss bei der Ankündigung als eine "logische Weiterentwicklung" und mit dem Zuwachs durch den pmc-Kauf versprach er sich, künftig an grössere Projekte im Bereich Workflow- und Dokumentenmanagement heranzukommen.
Aber nicht alles sei planbar, Misserfolge gehören dazu, fügte Boss an. Wichtig sei, aus den Fehlern zu lernen. So zeige seine Grafik auch, dass wachsende M&A-Erfahrung die Resultate verbessert. Potenzielle Übernahmekandidaten teilte er humorvoll in verschiedene Kategorien ein, vom Sanierungsfall über "Dümpler" ("weder Fisch noch Vogel") hin zu den Profit-Perlen, wie er margenstarke Firmen nennt.
Grob gerechnet wolle er einen Firmenkauf in fünf Jahren amortisieren können, so eine Faustregel von Boss. Nach einer Übernahme, so betonte er, sei es wichtig, nicht nur die Kunden eng zu begleiten, sondern insbesondere auch die Mitarbeitenden. "Die zugekauften Angestellten müssen gesichert werden", betonte Boss.

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