Dänemark hilft USA, den Internetverkehr von Politikern zu bespitzeln

31. Mai 2021, 15:09
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Der dänische hat dem amerikanischen Geheimdienst anscheinend Zugang zu einem Internet-Knotenpunkt gegeben.

Es ist schon eine ganze Zeit lang bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA nicht nur Feinde der USA bespitzelt, sondern auch Politiker aus Ländern, die eigentlich mit den USA verbündet sind. Nun ist aber durch einen Rechercheverbund bekannt worden, dass die NSA dabei Hilfe vom dänischen Geheimdienst erhielt. Zu diesem Rechercheverbund gehören der dänische Radiosender 'DR', die deutschen Sender 'NDR' und 'WDR', die 'Süddeutsche Zeitung' sowie weitere Medien. Die Hauptquelle der Enthüllungen ist ein interner Report des dänischen Militärnachrichtendienstes FE aus dem Jahr 2015. Die Recherchen seien von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt worden.
Der dänische Geheimdienst hat den Berichten zufolge der NSA 2012 und 2014 Zugang zu einer geheimen Abhörstation in der Nähe von Kopenhagen ermöglicht. Dort soll der US-Geheimdienst die Möglichkeit gehabt haben, auf einen wichtigen Internetknotenpunkt zuzugreifen, in dem verschiedene Unterseekabel zusammenlaufen.
Die Beobachtungsziele waren Politiker und Politikerinnen in Deutschland, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich. In Deutschland befanden sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück darunter.
Der US-Geheimdienst erhielt gemäss den Berichten mit Hilfe der Dänen Zugriff auf SMS, Telefonanrufe und Internetaktivitäten der Betroffenen, darunter Recherchen, Chats und die Benutzung von Messengerdiensten.
Unklar ist, wie gut die früheren und die jetzige dänische Regierung über die Aktivitäten ihres eigenen Geheimdienstes unterrichtet waren. Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen, die seit Juni 2019 im Amt ist, wurde 'DR' zufolge im August 2020 darüber informiert. Auf Anfrage des Senders sagte sie, dass das systematische Abhören von engen Verbündeten inakzeptabel sei. Aber falls sie wirklich schon im August des vergangenen Jahres Bescheid wusste, hat sie dieses Wissen auch an die Bespitzelten weitergegeben? Sowohl Merkel als auch Steinmeier und Steinbrück erklärten übereinstimmend, dass sie erst durch die Recherchen der Medien von der Sache erfahren hätten.
Schon im November 2020 war bekannt geworden, dass der dänische Geheimdienst der NSA offenbar sogar dabei half, das Internet nach Daten von Ministerien und Firmen aus Dänemark selbst zu durchsuchen. Dafür soll das NSA-Datensammel- und Auswertungsprogramm XKeyscore zum Einsatz gekommen sein.

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