Danke EU: Microsoft veröffentlicht APIs und Protokolle

21. Februar 2008, 18:02
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Microsoft erlaubt Entwicklern und Konkurrenten, Zusätze zu ihrer Software zu schreiben. Patentschutz für nicht kommerzielle Open-Source-Applikationen. Auch Dokumentenformate werden veröffentlicht.

Microsoft erlaubt Entwicklern und Konkurrenten, Zusätze zu ihrer Software zu schreiben. Patentschutz für nicht kommerzielle Open-Source-Applikationen. Auch Dokumentenformate werden veröffentlicht.
"Dies ist eine wichtige Veränderung unserer Strategie," sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer heute Abend an einer Telefonkonferenz für die internationalen Presse. Tatsächlich könnte sich die Software-Welt nun verändern, denn Microsoft wird bis spätestens Juni APIs (Application Programming Interfaces) und Kommunikationsprotokolle für alle Massenprodukte, auch Server-Software, veröffentlichen. Mit diesen Informationen versehen können Konkurrenten, Partner und Open-Source-Entwickler Zusätze zu Microsoft-Software schreiben, zum Beispiel ein Plug-In, das es erlaubt, mit Microsoft Word auch Dokumente in ODF (Open Document Format) zu erstellen.
Software-Entwickler haben damit Zugang zu den gleichen Kommunikationsprotokollen, die auch die Programmierer von Microsoft selbst haben. Es wird also wesentlich einfacher werden, Software zu bauen, die mit derjenigen von Microsoft, zum Beispiel dem Dokumenten-Management-System SharePoint Server, kommunizieren kann.
Wie Microsoft-Chefjurist Brad Smith sagte, werden diese APIs und Protokolle für alle kostenlos veröffentlicht. Wer sie verwenden möchte, kann sie einfach herunterladen. Einige der Kommunikationsprotokolle, die Microsoft veröffentlichen wird, sind durch Patente geschützt. In diesem Fall garantiert Microsoft Open-Source-Entwicklern, die nicht kommerzielle Software bauen, dass sie die Patente kostenlos lizenzieren können. Wer kommerzielle Software unter Verwendung der Kommunikationsprotokolle baut, soll die Patente zu "vernünftigen und nicht-diskriminatorischen Bedinungen" erhalten.
"Wir machen das von uns aus" (!)
Auf die naheliegende Frage eines US-Journalisten, warum Microsoft diesen Schritt erst so spät und unter Druck der Antitrust-Behörden der EU vornehme, meinte Smith, Microsoft lanciere diese Öffnungsinitiative von sich aus. Eine Bemerkung, die nicht ganz glaubwürdig ist, denn Microsoft ist bereits im Januar wieder bei der EU wegen der nicht-Veröffentlichung von Schnittstellen-Informationen angezeigt worden.
Microsoft mag Open Source
Bereits heute wurden, so Microsoft, 30'000 Seiten an technischer Dokumentation auf der Entwickler-Site MSDN veröffentlicht. Sie betreffen Windows und Server-Protokolle, die bisher lizenziert werden mussten. Hat es durch Patente geschützte Teile in den veröffentlichten Protokollen, so wird dies angezeigt und "günstig" (at low royality rates") lizenziert.
Ausserdem verspricht Microsoft auf rechtlich bindende Weise, Open-Source-Entwickler, die diese Protokolle in nicht-kommerzieller Software verwenden und damit weiterverbreiten, nicht einzuklagen. Mit der zusätzlichen "Open Source Interoperability Initiative" sollen gemeinsame Entwicklungen mit der Community gefördert werden.
Mehr Klarheit für Dokumenten-Standards
Microsoft befindet sich bekanntlich mitten im schwierigen Prozess, den eigenen "offenen" Dokumentenstandard ooXML durch die ISO als Standard anerkennen zu lassen. Diese Bemühungen sollen weitergeführt werden, sagte Steve Ballmer. Allerdings will Redmond offenbar mehr Informationen über Dokumentenstandards veröffentlichen, so dass auch Konkurrenzprodukte diese benützen können. Ausserdem werden APIs veröffentlicht, womit man Zusätze zu Word & Co. schreiben kann, die dann Dokumente in anderen Standards (PDF, ODF) schreiben und lesen können.
"Vielleicht können Konkurrenten nun ein bisschen Marktanteile gewinnen, aber..."
Welche Folgen die "Öffnungsinitiative" von Microsoft haben werden, können wir heute Abend noch nicht abschätzen. Steve Ballmer meinte gar, dass Konkurrenten nun vielleicht Microsoft gewisse Marktanteile wegschnappen könnten. Doch längerfristig, so die Beteuerung der Microsoft-Oberen, sei die Initiative nur gut für Microsoft (und seine Aktionäre). Denn in der Welt des Internet müsse jede Software mit jeder anderen kommunizieren können, weshalb "Offenheit" eine Grundvoraussetzung für Software werde. (Christoph Hugenschmidt)

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