Das BIT verabschiedet sich vom Tape

7. September 2011, 11:41
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Deduplikation macht die Umstellung auf Diskbackup auch finanziell lohnend.

Deduplikation macht die Umstellung auf Diskbackup auch finanziell lohnend.
Viele Privatunternehmen haben sich in den letzten Jahren aufgrund von technologischen und finanziellen Überlegungen für die Umstellung ihrer Backup- und Archivierungsinfrastruktur auf Disk-basierte Systeme entschieden. Beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT, dem IT-Dienstleister eines grossen Teils der Bundesverwaltung, ist man bisher bei Tapes geblieben.
Auch das BIT kämpft aber mit einem allgemeinen Problem vieler IT-Abteilungen: Die Menge der zu sichernden Daten nimmt rasant zu. Das BIT speichert, wie in der neusten Ausgabe der Kundenzeitschrift 'Eisbrecher' nachzulesen ist, gegenwärtig rund 8 Petabyte an Backup-Daten. Das Datenwachstum beträgt etwa 50 Prozent pro Jahr. Zuletzt wurden für die Sicherung insgesamt sieben Tape-Roboter mit 170 Laufwerken und nicht weniger als 12'000 Bandkassetten benötigt.
Eine technische Lösung, um die Datenmenge zu reduzieren, ist die Deduplikation. Dabei werden von der Backup-Software oder speziellen Appliances mehrfach vorkommende Daten auf Blockebene (die kleinste in einem Zugriff les- oder schreibbare Einheit) identifiziert und nur einmal auf das Backup-Medium geschrieben. Dies funktioniert aber, so das BIT, nur mit Disks, nicht aber Tapes. Und Disks sind pro Gigabyte Kapazität immer noch teurer.
Einsparung ausgetestet
Ein Wechsel von Tape zu Harddiskbackup lohnt sich daher finanziell nur dann, wenn "der Kostenvorteil durch die Deduplikation den höheren Gigabyte-Preis der Disk-Speicher mindestens wettmacht", so die einfache Rechnung von Stefan Kälin, Bereichsleiter Storage beim BIT. Gleichzeitig spielt eine Rolle, ob man SATA-Disks oder die schnelleren aber auch teureren SAS-Disks verwendet. Das Storage-Team hat daher zuerst getestet, was die Deduplikation bringt, indem letztes Jahr einige Wochen in der Shared Services Zone (SSZ) des BIT parallel zum normalen Backup auch auf Disks gesichert wurde. Dabei erreichte man eine Deduplizierungsrate von durchschnittlich 1:4, was einer Reduktion der Datenmenge um 75 Prozent entspricht. Geichzeitg kam das Team zum Schluss, dass auch SATA-Disks die Mindestanforderung an die Schreibgeschwindigkeit mehr als erfüllten.
Seit Anfang Jahr läuft nun die reale Umstellung auf Hardiskbackup. Das BIT kaufte dafür zwei Diskspeichersysteme von HDS (AMS 2500) sowie eine zusätzliche Deduplizierungsoption für die bereits seit langem im Einsatz stehende Backup-Software "NetBackup" von Symantec. Im realen Betrieb scheint nun die Deduplizierungsrate noch etwas höher zu sein, als in den Tests. In der SSZ erreiche man 1:6, berichtet das Team im 'Eisbrecher', bei File-System-Backups (Linux, Unix, Windows) sogar 1:17. Die komplette Umstellung soll bis 2013 abgeschlossen sein.
Windows-Applikationen auf nur noch drei Quadratmetern
Im letzten Jahr hat das BIT zudem auch mit einer Umstellung auf Blade-Server begonnen. Seit das BIT seine Virtualisierungsstrategie im Jahr 2005 lanciert hat, sind über tausend virtuelle Maschinen eingerichtet worden. Das BIT setzt VMwares ESX als Virtualisierungssoftware ein. Im letzten Jahr wurde damit begonnen, die ESX-Serverfarmen auf platz- und stromsparende Blade-Server umzustellen und mittlerweile wurden laut Robert Jonsen, Projektleiter VMware im Bereich der Windows-Plattformen, die meisten gezügelt. Der Grossteil der Kundenprojekte auf der Windows-Serverplattform des BIT laufe nun auf lediglich 64 Blades, verteilt auf zwei Berner BIT-Standorte. Eine solche Blade-Farm brauche im Rechenzentrum nur noch rund drei Quadratmeter Standfläche. (hjm)
(Illu: BIT)

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