Das DRAM-Oligopol

4. Juli 2012, 08:15
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Die Übernahme des insolventen Speicherchipherstellers Elpida macht Micron zur Nummer zwei und lässt zusammen mit Samsung und SK Hynix ein Oligopol entstehen. Preise stabilisieren sich.

Die Übernahme des insolventen Speicherchipherstellers Elpida macht Micron zur Nummer zwei und lässt zusammen mit Samsung und SK Hynix ein Oligopol entstehen. Preise stabilisieren sich.
Auch wenn das Erdbeben von Fukushima im Frühjahr 2011 zu gewissen Versorgungsengpässen führte und der DRAM-Weltmarkt in dem Jahr um 25 Prozent eingebrochen ist, kennen die Chippreise tendenziell immer nur eine Richtung: bergab. Darüber sind schon so einige kleinere Hersteller bankrott gegangen oder geschluckt worden. Doch nun zeichnet sich eine Preisstabilität ab, die langfristig anhalten könnte, so die Meinung von Marktbeobachtern.
Mit der Insolvenz von Apple-Lieferant Elpida Memory aus Japan im Februar 2012 hat es nun einen der ganz Grossen getroffen. Die in Windeseile abgeschlossene Übernahme der Nummer drei am DRAM-Weltmarkt durch den US-Konkurrenten Micron Technology macht die bisherige Nummer vier zum zweitgrössten DRAM-Hersteller nach Samsung.
Ruinöser Schweinzyklus
Anders als von Taiwans Regierung 2009 geplant, setzt dieser Zusammenschluss auch einen Schlussstrich unter Konsolidierungsbestrebungen zur Rettung der einheimischen Industrie gegen Koreas Riesen. Abwechselnd mit Micron oder Elpida als Partner sollte durch Gründung von Taiwan Memory ein neuer mächtiger Player entstehen. Micron hat zwar bald das Feld geräumt, ist aber weiter stark mit Taiwan verbunden, sei es durch die Übernahme der Qimonda-Anteile an Inotera 2008, sei es durch die Elpida-Anteile an der DRAM-Wafer-Foundry Rexchip, deren Anteile von Powerchip sich das US-Unternehmen jetzt auch noch einverleiben will.
Viele der kleineren Hersteller haben nicht die nötige finanzielle Stärke, um in immer feinere Fertigungstechniken zu investieren und im ewigen Schweinezyklus auch längere Durststrecken überleben zu können. Wenn sie keine günstigen Kredite oder Staatshilfen bekommen, wie Infineon und andere Mitbewerber seit Jahren SK Hynix vorwerfen, fehlt der Anschluss und folgt bald das Aus. Die Grossen können einen jähen Preisverfall viel besser aussitzen oder schüren ihn gar, so die immer wiederkehrende Kritik an Samsung.
Die Karten sind neu gemischt
Samsung, Micron und SK Hynix teilen sich künftig 90 Prozent des DRAM-Weltmarktes und zudem auch 70 Prozent der global erwirtschafteten Umsätze mit NAND-Flash-Chips, allerdings ist in dem Markt Toshiba als Nummer zwei nach Samsung immer noch fest im Sattel.
Nach neuen Zahlen von IHS iSuppli war Elpida im ersten Quartal 2012 mit einem DRAM-Umsatz von 780 Millionen US-Dollar oder einem Marktanteil von 12,6 Prozent als Nummer 3 knapp vor Micron. Zusammen kamen die beiden Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres auf einen Umsatz von 1,539 Milliarden Dollar und einen Marktanteil von 24,8 Prozent gegenüber 24,2 Prozent von SK Hynix und 40,8 Prozent von Samsung Electronics. Taiwans Nanya und Winbond waren im ersten Quartal mit 4,5 Prozent und 1,5 Prozent von dem auf 6,2 Milliarden Dollar taxierten Markt weit abgeschlagen.
Laut IHS dürfte sich der Kaufpreis von 2,5 Milliarden Dollar für Elpida kaum negativ in Microns Cash-Position niederschlagen. Das US-Unternehmen hat schon so manche Zukäufe getätigt und ist damit über all die Jahre gewachsen: 1998 hat es die DRAM-Sparte von Texas Instruments (TI) übernommen, 2001/2002 die von Toshiba, 2008 ging das Unternehmen mit der Übernahme Qimonda-Anteile an seinem Auftragsfertiger Inotera in eine Partnerschaft mit der Formosa-Plastics-Tochter Nanya ein. Elpida wiederum wurde Ende 1999 zunächst als NEC Hitachi Memory Inc. gegründet und benannte sich erst 2003 nach Übernahme der DRAM-Sparte von Mitsubishi Electric um.
Geteilte Marktaussichten
Die kurzzeitige Preiserholung durch das schwere Erdbeben vor Japan im Frühjahr 2011 währte nicht lange. Denn bald kamen neue Überkapazitäten, die sich im Herbst durch die Fluten in Thailand und daraus resultierender Lieferengpässe bei Festplatten und PCs sogar noch verstärkt haben. Unterm Strich ist der DRAM-Weltmarkt im Vorjahr daher laut IHS iSuppli um 25 Prozent eingebrochen. Für 2012 rechnen die Analysten mit einem leichten Wachstum von 3,3 Prozent und einem Marktvolumen von 30,5 Milliarden Dollar nach 29,6 Milliarden Dollar im Vorjahr. In den kommenden Jahren bis 2016 soll der DRAM-Markt wieder auf Wachstum gepolt sein und schliesslich globale Umsätze von 39 Milliarden Dollar abwerfen.
Ganz anders die Einschätzung von DRAMeXchange: Taiwans Analysten sehen zwar nach einem Preisverfall von fast 50 Prozent bei 1-GB-Chips aufgrund der Elpida-Übernahme durch Micron und das neue Dreier-Oligopol eine leicht abgefederte Preisspirale voraus. Dennoch sollen die DRAM-Umsätze 2012 um 15 Prozent auf 25,043 Milliarden Dollar weiter deutlich schrumpfen. Erst für 2013 rechnet DRAMeXchange wieder mit einem leichten Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 25,341 Milliarden Dollar und begründet das unter anderem damit, dass sich der Preisverfall im 1-GB-Bereich dann auf 19 Prozent verdichten wird bei einem erwarteten Absatzzuwachs von 25 Prozent. (Klaus Hauptfleisch)

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