Das Ende des PC-Marktes

8. Juni 2011, 10:52
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Computer werden künftig nicht mehr als ein eigenständiger Markt zu verstehen sein, sondern vielmehr als Teil eines Gesamtmarktes von internetfähigen Geräten, sagt Gartner.

Computer werden künftig nicht mehr als ein eigenständiger Markt zu verstehen sein, sondern vielmehr als Teil eines Gesamtmarktes von internetfähigen Geräten, sagt Gartner.
Nach IDC senkt nun auch Gartner die Prognose für den PC-Weltmarkt 2011, doch die Abweichung der Prognosen ist gross. Am Vortag hat IDC den Forecast für das laufende Jahr von 7,1 auf 4,2 Prozent (361,6 Millionen Stück) gesenkt, Gartner hingegen spricht für 2011 von 385 Millionen verkauften PCs, was den neuen Prognosen zufolge einer von 10,5 auf 9,3 Prozent leicht gesenkten Wachstumserwartung entspricht. In der Regel zählen beide Marktforschungsinstitute in den PC-Zahlen auch PC-Server hinzu, bei IDC war davon diesmal keine Rede. Auch Gartner zählte die Server nicht.
In einem Punkt sind sich beide Institute einig: Einer der Hauptgründe für die Verlangsamung des Wachstums ist Verbraucherzurückhaltung in den reifen Märkten Nordamerikas und Westeuropas. Gartner zufolge haben die Konsumenten in den vergangenen zehn Jahren das PC-Marktwachstum massgeblich bestimmt. Die wirtschaftliche Ungewissheit in den immer noch an der globalen Finanzkrise nagenden westlichen Industrieländern führe dazu, dass die Privatkunden mehr auf den Pfennig achten. Ein anderer Grund für die Zurückhaltung der Verbraucher sind laut Gartner aber auch fehlende Anreize, den PC auszutauschen, womit die Analysten mit denen von IDC abermals d’accord sind.
Wie Gartner-Forschungsdirektor Ranjit Atwal feststellt, sind mobile Rechner im Consumer-Umfeld nicht länger Wachstumstreiber, zumal das Interesse an Mini-Notebooks (Netbooks) stark nachgelassen habe, wodurch der PC-Markt in den letzten paar Quartalen insgesamt in Mitleidenschaft gezogen wurde. Media Tablets wie Apples iPad hätten ebenfalls dazu beigetragen, das Wachstum im mobilen Bereich zu verlangsamen, so Atwal. Dies liege aber eher daran, dass die Konsumenten den Kauf mobiler PCs hinausschieben und weniger daran, dass sie ihre veralteten PCs gegen Media Tablets austauschen wollten. Letzteren Effekt sieht der Gartner-Chefanalyst als ziemlich gering an.
PC-Markt war gestern
Wie Atwal weiter ausführt, wandle sich der PC von einer für alle Zwecke geeigneten Computing-Plattform zu einem mehr in die Spezialisierung gehenden Gerät als komplementär zu anderen. Entsprechend starken strukturellen Veränderungen sei der PC-Markt unterworfen. In Folge werden PCs nicht mehr als ein Markt zu verstehen sein, sondern vielmehr als Teil eines Gesamtmarktes angefangen von Smart-TVs (Fernseher mit erweiterter Internetfunktionalität) bis hin zu einfacheren Telefonen.
Gartner hat aber auch Tröstendes für die Hersteller: Das PC-Replacement im geschäftlichen Umfeld ist bereits in vollem Schwung und wird die nächsten 18 Monate weiter wachstumsbestimmend sein. Laut Gartner-Analyst Raphael Vasquez haben die Unternehmen unter dem Eindruck der Rezession lange Zeit ihre Ersatzbeschaffung zurückgefahren und die Lebenszyklen verlängert. Doch das habe sich jetzt geändert, wobei auch die Migration weg von Windows XP eine immer wichtigere Rolle spielt.
Für den PC-Markt in Japan hat Gartner nach dem Erdbeben und dem Tsunami im März die Jahresprognose auf 2,4 Prozent gesenkt. Die zweifache Katastrophe im Land der aufgehenden Sonne wird laut Forschungsdirektor George Shiffer nur eine begrenzte Auswirkung auf den weltweiten PC-Markt haben. Die PC-Hersteller hätten die drohende Unterbrechung japanischer Komponentenlieferungen bisher auch gut bewältigt. (Klaus Hauptfleisch)

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