Das Handy als Firmentelefon – überall

13. Oktober 2005, 14:38
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Eine Nummer für alles: Avaya und Nokia haben ein System vorgestellt, mit dem Handys (fast) nahtlos in die Unternehmenstelefonie integriert werden können.

Eine Nummer für alles: Avaya und Nokia haben ein System vorgestellt, mit dem Handys (fast) nahtlos in die Unternehmenstelefonie integriert werden können.
Was zuerst harmlos tönt, könnte grössere Auswirkungen haben: Avaya und Nokia haben gemeinsam ein System entwickelt, durch das sich Mobiltelefone funktionell genau wie Festnetztelefone an die IP-Telefonzentrale eines Unternehmens anbinden lassen.
Das System basiert auf dem "Avaya Mobile for Series 60"-Client, einem Programm, das auf den einzelnen Handys installiert wird. Geschäftliche Anrufe werden nun immer über diesen Client, der eine eigene Benutzeroberfläche auf dem Handy zeigt, getätigt. Wählt man vom Handy aus über den Avaya-Client eine interne oder externe Nummer, wird zuerst eine Verbindung zu Avayas "Communication Manager" am Firmensitz aufgebaut, und der leitet den Anruf dann weiter. Geht umgekehrt ein externer Anruf für einen Mitarbeiter ein, lässt der "Communication Manager" sowohl das Handy als auch das Bürotelefon (und auf Wunsch noch weitere Apparate) klingeln. Im Gegensatz zu einer traditionellen Umleitung auf das Handy bleibt dabei die Verbindung zur Telefonzentrale während des gesamten Gesprächs erhalten.
Das hat verschiedene Auswirkungen. Mitarbeiter eines Unternehmens sind mit diesem System immer über die gleiche Nummer erreichbar, egal, ob sie einen Anruf im Büro oder irgendwo unterwegs am Handy entgegennehmen. Zudem können sie damit auch vom Handy aus einfach die Funktionen nützen, die Avayas "Communication Manager"-Zentrale bietet, zum Beispiel Anrufe weiterleiten, Konferenzschaltungen, Gruppenschaltungen usw. Alle Nachrichten, die mit geschäftlichen Dingen zu tun haben, werden in der gleichen Voice-Box gespeichert und alle getätigten oder eingegangenen Gespräche können aufgezeichnet werden.
Die Verbindung vom Handy zur Zentrale geschieht momentan auch auf dem Firmengelände noch ganz traditionell über GSM-Mobilfunk. Ob und wie viele Kosteneinsparungen das System bringen kann, hängt darum stark von den individuellen Voraussetzungen eines Unternehmens ab, zum Beispiel seinen Vereinbarungen mit dem Mobilfunkdienstleister. Ein Verbindungsaufbau auch über WLAN dürfte gemäss Avaya und Nokia ab dem nächsten Jahr möglich werden.
Trennung von Geschäft und Privatleben
Durch die Verwendung eines speziellen Clients für die Firmengespräche kann das Handy ein Firmentelefon werden und gleichzeitig privat bleiben. Das Handy behält ja seine normale Nummer, die Angestellte für private zwecke nutzen und weitergeben können. Dies wiederum erlaubt auch eine getrennte Abrechnung von privaten und geschäftlichen Gesprächen.
Und vielleicht einer der potentiell grössten Vorteile für Angestellte: Sie können den Client in der Freizeit deaktivieren und bleiben dann von geschäftlichen Anrufen verschont (Zumindest wenn das Firmenklima dies zulässt…)
Kinderkrankheiten
Noch ist das System nicht in allen Einzelheiten ganz ausgegoren, Avaya und Nokia arbeiten allerdings daran, diese "Kinderkrankheiten" in kommenden Versionen zu beheben.
Ein sehr grosser Nachteil ist sicher, dass gegenwärtig über die Einheitsnummer noch keine SMS an ein Handy geschickt werden können. Ausserdem können Handy-Anwender zwar über den Client von überall her interne Kurznummern benutzen, haben aber momentan noch keinen Zugriff auf das "Corporate Directory", das Telefonbuch eines Unternehmens.
Nicht nur Nokia (Und nicht nur Avaya)
Der "Avaya Mobile for Series 60"-Client läuft auf Handys, die das Symbian-Betriebssystem und die zweite Edition von Nokias Series-60-Software-Plattform benützen. Momentan werden zwar hauptsächlich Handys von Nokia unterstützt, aber schon jetzt ist auch ein Gerät von Panasonic dabei. Und schon bald sollen Handys von weiteren Herstellern wie Samsung und Lenovo hinzukommen, die ebenfalls Nokias Software-Plattform benützen. Das Avaya-System funktioniert also nicht nur mit Nokia-Handys.
Ähnliches gilt allerdings auch umgekehrt. Die Kommunikation zwischen den Nokia-Handys und Avayas IP-Telefonzentrale beruht auf dem "Session Initiation Protocol" (SIP), einem Standard, den auch andere IP-Telefonieanbieter benutzen können. Diese werden das Feld kaum Avaya allein überlassen wollen und dürften bald ähnliche Systeme entwickeln. (Hans Jörg Maron)

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