Das Informationssystem für Migration soll für 66 Millionen Franken erneuert werden

22. April 2021, 14:15
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Der Bund will, dass das Zentrale Migrationsinformationssystem (Zemis) über 5 Jahre "technologisch erneuert und evolutionär weiterentwickelt" wird.

Der Bundesrat hat soeben einen Verpflichtungskredit über 54,3 Millionen für die Jahre 2022 bis 2027 zur Erneuerung des Zentralen Migrationsinformationssystems (Zemis) beim Parlament beantragt. Der Gesamtaufwand des Projektes wird mit 65,9 Millionen Franken veranschlagt, wovon 11,2 Millionen Franken das Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) in Eigenleistungen erbringen soll. Laut Bundesrat sind die Kosten mit einer Schätzgenauigkeit von +/- 25% angegeben.
Zemis ist das Personenregister für ausländische Staatsangehörige, die in der Schweiz leben oder sich hier aufhalten. Das derzeitige System stammt von 2008, enthält über 10 Millionen Personendatensätze und wird täglich von rund 30'000 Mitarbeitenden der Sicherheits- und Migrationsbehörden auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene genutzt.
Zwar sei das System seit der Inbetriebnahme kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert worden, aber es basiere auf einer Architektur die grösstenteils auf einem 10- bis 15-jährigen Technologie-Standard mit entsprechend in die Jahre gekommenen Software-Komponenten, schreibt der Bundesrat in seiner 25-seitigen Botschaft (PDF) ans Parlament.
Darin wird die Erneuerung wie folgt begründet: "Diese Komponenten können mit zunehmender Zeitdauer immer schlechter gewartet und weiterentwickelt werden und sind nicht mit den neuen Cloud-Lösungen kompatibel. Je älter eine Komponente ist, desto schwieriger sind Aktualisierungen. So steigt mit zunehmender Zeit das Risiko eines Systemausfalls oder eines sicherheitsrelevanten Problems durch die Ausnutzung potenzieller Sicherheitslücken".
Die Erneuerung ist dem Staatssekretariat für Migration (SEM) im EJPD unterstellt, wo noch in diesem Jahr Vorbereitungsarbeiten im Umfang von 400'000 Franken anfallen sollen. Geplant ist dann, die Ablösung des Altsystems in 2 Tranchen abzuwickeln. So sollen zunächst von 2022 bis 2024 mit einem Betrag von 23 Millionen Franken die technischen Grundlagen geschaffen und das System zur Prozessunterstützung in den Bundesasylzentren erneuert werden. Zudem soll das elektronische Dossier abgelöst werden.
Im 2. Schritt soll es dann von 2024 bis 2027 um die Erneuerung der Zemis-Kernbereiche Bürgerrecht, Ausländer und Asyl sowie der zentrale Personenverwaltung und Biometriedaten gehen. Hierfür sind 37,9 Millionen Franken veranschlagt. Die Erneuerung der anderen Subsysteme soll gemäss ihren technischen oder funktionalen Abhängigkeiten über beide Tranchen verteilt laufen, heisst es in der Botschaft ans Parlament weiter.
Insgesamt sind für das neue Zemis 50'000 Projekttage voranschlagt. 36'000 Tage sollen auf die externen Projektressourcen entfallen und 14'000 Tage auf die Eigenleistungen. Dieser Aufwand soll dazu beitragen, gewachsene Strukturen zu konsolidieren, Möglichkeiten zur Optimierung der Geschäftsprozesse zu schaffen sowie Doppelerfassungen von Daten sowie manuelle Schnittstellen zu eliminieren. "Schliesslich werden durch die Einführung von Portalen die angestrebten eGovernment-Standards erreicht und wird es der Verwaltung erlaubt, Routinetätigkeiten zu automatisieren und die manuelle Bearbeitung auf komplexe Geschäftsabläufe zu reduzieren", so der Bundesrat in seiner Botschaft weiter.
Am Ende des Projektes soll im Jahr 2027 eine "Zielarchitektur" stehen, die rund 10 Jahre Bestand hat. Ausserdem sollen sich die Betriebskosten von heute jährlich rund 20 Millionen längerfristig um geschätzte 15 bis 20% oder bis zu 4 Millionen Franken senken lassen.

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