Das Internet-Problem im Regionalzug

26. Februar 2014, 11:13
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Die Fernverkehrzüge sind bereits zu über 75 Prozent mit Repeatern ausgestattet - die Mobilfunk-Versorgung ist gewährleistet. Wer aber bezahlt für die Regionalzüge?

Die Fernverkehrzüge sind bereits zu über 75 Prozent mit Repeatern ausgestattet - die Mobilfunk-Versorgung ist gewährleistet. Wer aber bezahlt für die Regionalzüge?
Eine Hauptaufgabe des SBB-CIO Peter Kummers ist die Umsetzung der Mobilfunkstrategie. Zug-Reisende sollen in der Schweiz künftig auf allen Streckenabschnitten Funkverbindung haben, also telefonieren und ins Internet gehen können. Dazu gehören drei Teile: Internetzugang am Bahnhof, Empfang im Zug und die Mobilfunk-Versorgung der Bahnlinien und Tunnel. Der Informatik-Chef Peter Kummer (Foto rechts) und der Programm Manager Mobilfunkservices Holger Herbst (Foto links) haben inside-it.ch die Herausforderungen und Lösungen genau erläutert.
Der Bahnhof
Mit der Umsetzung des sogenannten "Free Wifi", also dem Internetzugang am Bahnhof, ist man bei den Schweizerischen Bundesbahnen zufrieden. Heute sind ist der neue SBB WiFi-Dienst an 13 Bahnhöfen verfügbar, bis Mitte Januar wurden 25'000 registrierte Kunden gezählt. Bekanntlich soll der Service bis Ende 2015 an schweizweit 100 Bahnhöfe bereit stehen. Die nächsten Bahnhöfe folgen im März, Zürich soll im Juni ausgerüstet werden. Die Kosten belaufen sich auf einen tiefen zweistelligen Millionen-Betrag.
Seit 2005 stehen den SBB-Kunden in den 31 grössten Bahnhöfen eine drahtlose Verbindung mit Swisscom-Hotspots zur Verfügung. Der Vertrag mit dem Schweizer Telco wird Mitte 2014 auslaufen. Da dieser nicht verlängerbar war, hätte man den Auftrag neu ausschreiben müssen, erklärt Kummer. Deshalb hat man sich kurzerhand entschieden, den Internetzugang selber anzubieten. Laut Holger Herbst ist Realisierung und Betrieb dieses WiFi-Services dank der SBB-internen Telekommunikationsabteilung einfach und kostengünstig möglich.
Der Zug
"In einem Zug wird man nie so gutes Internet haben wie zu Hause", stellt Kummer als erstes klar. Einerseits sind die Fahrzeuge zu schnell unterwegs, und zu viele Personen greifen auf dieselbe Funkzelle. Anderseits sind Züge so isoliert, dass die Mobilfunksignale von aussen abgeschwächt werden. Insbesondere klimatisierte Züge bilden einen "Faraday'schen Käfig" (Metall und metallbeschichtete Scheiben).
Das Problem der Isolation kann aber weitgehend mit sogennannten Repeatern, Signalverstärkern, behoben werden. Im Fernverkehr sind bereits rund 75 Prozent der Züge mit Repeatern des Mobilfunkstandards 3G/UMTS ausgerüstet. Das Rollmaterial, das bereits mit den Geräten ausgerüstet ist, ist gekennzeichnet - und zwar mit dem Zeichen, das wie eine Treppe aussieht. Das sieht auch Kummer: "Wir hören das von vielen Kunden. Hier müssen wir eindeutig noch an der Kommunikation arbeiten."
Ein weit grösseres Problem als die Kommunikation hat der Regionalverkehr. Denn dort wurden bisher noch keine Massnahmen ergriffen, obwohl genau die gleichen Bedürfnisse und Probleme vorliegen. Der Grund dafür ist wirtschaftlicher Natur: Es ist unklar, wie die Kosten aufgeteilt werden. Denn beim Regionalverkehr sind sowohl Provider, Bund undKantone wie auch die SBB gefordert.
Der Tunnel
Der ganze Umbau der Züge nützt nichts, wenn das Mobilfunksignal nicht stark genug ist. "Nur bei sehr starkem Aussennetz ist ein Empfang im Zug überhaupt möglich – ansonsten kann man sich die Repeater auch sparen", so die klaren Worte des CIOs. Demnach muss das Mobilfunknetz von den Anbietern Swisscom, Sunrise und Orange ausgebaut werden. Auch in Tunnels soll künftig mobile Verbindung möglich sein.
Nun stellt sich aber die alles entscheidende Frage: Wer muss was bezahlen. Der Umbau der Regio-Züge kostet laut Kummer 66 Millionen Franken. Die SBB braucht hier eine Unterstützung von Bund und/oder Kantonen, da diese den Regionalverkehr finanzieren. - Zudem muss das Netz an den Strecken ausgebaut werden. "Man muss die Gesamtrechung anschauen", so Kummer. "Wir sind mit Bund, Kantonen und Providern im Gespräch."
Ende letztes Jahr hiess es, dass man auf einen Verhandlungsdurchbruch vor Weihnachten hofft. Diese Hoffnung wurde aber nicht erfüllt. Die nächste grosse Sitzung findet im März statt. "Wir erhoffen uns da aber noch nicht den grossen Durchbruch," erklärt Kummer. Dennoch wäre es wichtig, diesen Entscheid bis Mitte 2014 zu fällen. "Die Regio-Züge werden zwischen 2015 und 2019 wieder auf Vordermann gebracht. Es wäre zu wünschen, dass gleich von Beginn weg die Repeater eingebaut werden können."
Warum nicht einfach WLAN?
"Viele fragen mich, warum nicht einfach WLAN. Das ist aber keine Entweder-Oder-Frage", sagt Kummer. Denn die Repeater braucht es zwingend für den Daten- und Telefonieempfang, und auch der Netzausbau muss getätigt werden. WLAN wäre ein Zusatzdienst, und es stellt sich insbesondere die Frage, wer die hohen Kosten für den entstehenden mobilen Datenverkehr bezahlen soll. Zudem stellt sich hier die Frage des Aufwands und Ertrags. "Der Mehrwert wäre marginal, der finanzielle vor allem jährliche Aufwand jedoch gross", erklärt Herbst. "Würde uns ein Telco diesen Dienst schenken, wir würden natürlich nicht ablehnen", sind sich beide einig. (Linda von Burg)

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