Das iPhone im Unternehmenseinsatz - ein Vergleich

16. Juli 2008, 09:39
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Wie schneidet die "Stilikone" iPhone beim Einsatz fürs Geschäft gegen "Arbeitstiere" wie den BlackBerry ab?

Wie schneidet die "Stilikone" iPhone beim Einsatz fürs Geschäft gegen "Arbeitstiere" wie den BlackBerry ab? Die folgende Analyse wurde von Anne-Kathrin Lange vom Fraunhofer ESK für das Marktforschungs- und Beratungsinstitut Berlecon Research geschrieben. Publikation auf inside-it.ch mit freundlicher Genehmigung von Berlecon Research.
Apple hat lange die Werbetrommel gerührt und offeriert seit dem 11. Juli sein iPhone 3G und die Firmware Version 2.0. Ausgestattet mit neuen Businessfunktionen und einem Hauch Exklusivität versucht Apple im Geschäftskundenumfeld zu punkten. Sicher hat Apple mit dem iPhone und seinem revolutionären Bedienkonzept die alteingesessenen Hersteller wachgerüttelt. Der Erfolg bei den Kunden durch die Interaktion über Gestik, die benutzerzentrierte Bedienlogik, das Design und die schnellen Reaktionszeiten sind für die etablierten Handyhersteller endlich ein Ansporn, ihre teilweise nicht sehr benutzerfreundlichen Konzepte zu überarbeiten.
Aber reicht das, um Platzhirsche wie den BlackBerry oder die Geräte mit Windows Mobile ernsthaft in Bedrängnis zu bringen? Diese bewegen sich schon länger im Geschäftskundenmarkt und sind mit den Anforderungen der Kunden gewachsen. Die etablierten Anbieter können auf langjährige, breite Unterstützung von Drittherstellern zurückgreifen, um zusätzliche Geschäftsapplikationen und Dienste beispielsweise für CRM oder Device Management für die jeweiligen Endgeräte anzubieten.
Die Firmware iPhone 2.0 bietet neue Funktionalitäten und Dienste für den Geschäftsalltag wie PIM- und E-Mail-Synchronisation „over-the-air“ mittels ActiveSync (ActiveSync-Push), Adresssuche im Firmenverzeichnis bzw. Global Address List (GAL), einen IPSec VPN-Client von Cisco, und WPA2 zur Absicherung des WLANs. Geschäftsleute, die ein iPhone 2G besitzen, kommen mit einem Firmware-Upgrade ebenfalls zu diesenr neuen Businessfunktionen. Wer jedoch nicht auf GPS, UMTS und längere Akkulaufzeiten verzichten möchte, der muss neue Hardware in Form des iPhone 3G kaufen.
Der Marketingprofi Apple suggeriert den Kunden, dass das neue iPhone für den Einsatz im Geschäftsumfeld gewappnet ist. Wer jedoch täglich mit dem iPhone seinen Geschäftsalltag bestreitet, wird wesentliche Funktionen vermissen. Beispielsweise fehlen die für die Textverarbeitung essentiellen Funktionen "Cut, Copy and Paste". Damit könnten etwa Textausschnitte von einer E-Mail in eine andere kopiert werden. Diese Lücke kann nur Apple im Betriebssystem selbst schliessen.
PIM- und E-Mailsynchronisation
Apple hat für seine neue Software das Microsoft-ActiveSync-Protokoll lizensiert. Damit können direkt via Push E-Mails, Kontakte und Termine zwischen dem iPhone und Microsoft Exchange Server synchronisiert werden. Bei Aufgaben funktioniert es nicht. Zumindest bis ein Dritthersteller einspringt gibt es aber keine Synchronisation mit Lotus Domino oder GroupWise. Konkurrent RIM ist hier besser positioniert: Sein BlackBerry Enterprise Server bedient sowohl MS Exchange als auch Domino und GroupWise.
Datenübertragung auf PCs umständlich, kein Zweitakku
Mobile Mitarbeiter, die auf den USB-Stick verzichten und Dateien für den Kunden auf dem iPhone transportieren wollen, haben spätestens bei der direkten Datenübertragung auf einen anderen Rechner Schwierigkeiten. Ist auf dem Zielsystem keine Zusatzsoftware installiert, klappt es nicht mit dem Transfer. Dabei könnte das iPhone gerade im Geschäftsalltag wegen seiner grossen Speicherkapazität sinnvoll als transportabler Datenspeicher benutzt werden. Auch hier haben andere Hersteller die Nase vorn, Datentransfer etwa per Bluetooth zwischen PDA, Smartphone und PC sind selbstverständliche Basisfunktionen.
Auch als UMTS-Modem für das Notebook ist das iPhone 3G mit der neuen Firmware nicht zu verwenden. So müssen Dienstreisende, deren Notebook nicht selbst UMTS unterstützt, weiterhin ein UMTS-USB-Modem bzw. eine UMTS-Karte mitnehmen.
Wer unterwegs viel telefoniert, kennt das Problem: Steht ein wichtiges Telefonat an, macht der Akku schlapp und keine Steckdose ist in der Nähe. Vieltelefonierer führen meist aus diesem Grund einen Zweitakku mit sich – für den Fall der Fälle. Das lässt auch das iPhone 3G, wie schon sein Vorgänger, nicht zu, der Akku ist nur durch Apple selbst auswechselbar.
Problem: Zentrale Administration und Sicherheit
Als hippes Gerät mit Kultstatus in Verbindung mit den neuen Businessfunktionen steht das iPhone ganz oben auf der Wunschliste vieler Mitarbeiter und ganz besonders bei den Firmen-VIPs. Auch wenn das höhere Management sein Lieblings-Gadget im Unternehmen einsetzen will, das letzte Wort haben die IT-Entscheider in den Unternehmen und die Administratoren. Diese sind verantwortlich für die Sicherheit und Administrierbarkeit der Geräte und deren Integration in die bestehenden IT-Infrastrukturen.
Systemadministratoren sehen den Einzug des iPhone in den Geschäftsalltag jedoch kritisch. Die vorhandenen Funktionen und Dienste sind für die zentrale, unternehmensweite Administration nicht ausreichend. Unternehmen, die bereits eine BlackBerry-Infrastruktur für ihre mobilen Mitarbeiter betreiben und das iPhone als Unternehmenshandy integrieren wollen, müssen parallel eine zweite Infrastruktur für die Administration des iPhone aufbauen. Hat man beim BlackBerry nur eine Anwendung für Softwareverteilung, Konfiguration und Ausrollen einer Endgeräte-Policy so kommt Apple mit einem fragmentierten Strauss von Anwendungen daher.
Für die Erstellung von allgemeinen Konfigurationsprofilen, beispielsweise für ActiveSync VPN oder WLAN, benötigt der IT-Administrator die „Apple iPhone Configuration Utility“. Die firmenspezifischen Konfigurationsprofile können dann per Webabruf oder E-Mail verteilt werden. Die Verteilung zusätzlicher Businessapplikationen ist über den von Apple betriebenen AppStore oder via Kabel über iTunes möglich – ein Verfahren, das im Geschäftskundensegment nicht gerade üblich ist. Remote-Wipe-Funktion und Kennwortschutz werden auf dem Exchange Server eingestellt und auf die Geräte per ActiveSync ausgerollt.
Alles in allem hat man den Eindruck, dass gerade das Device Management ein unvollständiges Flickwerk darstellt, in dem Sicherheits-Policies wie das Sperren von Anwendungen und Diensten nicht umsetzbar sind. Zudem scheuen viele Anbieter von Device-Management-Lösungen den Aufwand, das iPhone mit ihrer Lösung zu unterstützen. Sie warten ab, bis die Verkaufszahlen im Businessbereich den Entwicklungsaufwand rechtfertigen.
Spätestens bei der Installation von zusätzlichen Applikationen, die Dienste wie CRM oder die Sicherheit des Gerätes verbessern sollen, kann das iPhone mit der Konkurrenz derzeit nicht mithalten. Hier fehlen einfach die Applikationen und das Engagement von Drittherstellern und diese warten erst einmal ab, ob Apple die Geschäftskunden überzeugen kann.
Unternehmen, die eine Integration des neuen iPhone in ihre bestehende ITK-Infrastruktur erwägen, sollten also genau prüfen, ob und wie sie die Grundvoraussetzungen für Sicherheit und Administrierbarkeit der Geräte umsetzen können.
Weiteres zu diesem Thema finden interessierte im allerdings kostenpflichtigen Berlecon-Report "Das iPhone 2.0 im Unternehmenseinsatz", in dem die für den Geschäftsalltag relevanten Funktionalitäten sowie die Sicherheit und Administrierbarkeit des neuen iPhone genauer unter die Lupe genommen werden.

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