Das ist die Rotronic-Strategie

22. Januar 2014, 15:01
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Warum Michael Taraba einen Distributor kaufte, den er eigentlich nie wollte. Und wie Rotronic-Secomp als Nischen-Disti überleben will.

Warum Michael Taraba einen Distributor kaufte, den er eigentlich nie wollte. Und wie Rotronic-Secomp als Nischen-Disti überleben will.
Als Rotronic im Dezember die Abspaltung des IT-Distributionsgeschäfts ankündigte, dachten (nicht nur) wir, der Disti stünde nun zum Verkauf. Verkauft wurde Rotronic-Secomp in der Tat, allerdings an das Management um den langjährigen Chef und Spiritus rector Michael Taraba.
Der Kauf der Mehrheit an Rotronic-Secomp sei gar nicht in seinem Lebensplan gestanden, sagte Taraba heute an einem Pressegespräch in Bassersdorf. Vielmehr habe er vorgehabt, sich in den nächsten Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Aber die Besitzer-Familie Schroff habe sich aus dem Management-intensiven Distributionsgeschäft zurückziehen wollen.
70 Millionen Euro Umsatz, 150 Mitarbeitende: Gross genug für den Disti-Markt?
Rotronic-Secomp machte letztes Jahr etwa 70 Millionen Euro Umsatz. Je ungefähr 30 Millionen fallen in der Schweiz und in Deutschland an, der Rest wird in Frankreich, Grossbritannien und den Niederlanden erzielt.
"Als klassischer, auf den PC-Markt konzentrierter Subdistributor wären wir viel zu klein und könnten nicht überleben", so Taraba auf unsere Frage, ob der Disti im Alleingang die nötige kritische Masse aufbringen könne.
Doch rund die Hälfte des Umsatzes macht Rotronic mit Komponenten, vorwiegend Stecker, Kabel und ähnliches, die man in Taiwan herstellen lässt. "Dieses Geschäft können wir für alle Zeiten machen", sagt Taraba. Und es sei auch in Frankreich, wo man nur wenige Millionen Euro Umsatz erzielt, profitabel.
Risiko Samsung
Die andere Hälfte des Umsatzes ist hingegen durchaus durch die Schrumpfung des PC-Marktes bedroht. Hier reagiert Rotronic mit dem Vorstoss in Nischenmärkte mit Produkten von Samsung.
So ist Rotronic zum Beispiel stark im Geschäft mit Hotel-TVs. Man habe einen Spezialisten, der Reseller technisch unterstützt und zudem eine hohe Lieferbereitschaft, so Roland Silvestri, der für CE-, IT- und Haushaltsgeräte zuständig ist. Weiter vertreibt Rotronic-Secomp auch die Haushaltsgeräte und LED-Leuchten von Samsung sowie ausgesuchte UE-Produkte.
Dass der grosse Umsatzanteil von Samsung auch ein Risiko darstellt, weiss man in Bassersdorf sehr wohl. Was passiert, wenn sich Samsung weitere Distributoren anlacht oder den Distributionsvertrag kündet? Doch diese Situation ist für Rotronic-Secomp nicht neu. So hatte man jahrelang einen exklusiven Distributionsvertrag mit D-Link und muss sich den Markt heute mit vielen anderen Distributoren teil.
Unabhängig bleiben
Er wolle nun den Job als CEO von Rotronic-Secomp noch einige Jahre machen, sagte Taraba. Einen Verkauf des Nischen-Distributors schliesst der neue Grossaktionär kategorisch aus.
Tatsächlich hat der neue Hauptaktionär von Rotronic-Secomp in den letzten 23 Jahren bewiesen, dass er mit sich verändernden Märkten umgehen kann. So kaufte er (angeblich für sehr wenig Geld) 2007 den B2B-Assemblierer Micro Control (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: Der Rotronic-Hauptsitz in Bassersdorf.)

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