"Das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss langfristig bewertet werden"

16. Januar 2020, 12:59
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Botschafter Nicolas Bideau von Präsenz Schweiz rekapituliert den diesjährigen Schweizer Auftritt mit Startups an der CES.

In diesem Jahr "waren wir mit dem Swisstech-Pavillon in Las Vegas gemäss Aussage mehrerer internationaler Besucher, darunter auch der CES-CEO, sehr gut sichtbar. Was die Chancen angeht, so zeigt eine erste Umfrage unter den ausstellenden Startups, dass ihre Ziele erreicht wurden. Auch von den Schweizer Ausstellern erhielten wir sehr positive Rückmeldungen, wobei es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten für zukünftige Auftritte gibt."
Das ist das erste Fazit von Botschafter Nicolas Bideau nach vier Tagen an einer der weltgrössten Fachmessen für Consumer-Technologien. Als Chef von Präsenz Schweiz verantwortet er im Auftrag des EDA die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland.
28 Schweizer Unternehmen waren dieses Jahr in der CES-Startup-Arena "Eureka Park" im Swisstech-Pavillon präsent. Mehr als die Hälfte der Schweizer Delegation kam aus der Westschweiz. Bideau begründet das damit, dass Venture Capital ein Messkriterium für die Messebeteiligung sei, und dass dieses je nach Jahr in Zürich oder am Genferseebogen höher sei. Ausserdem verweist er darauf, dass die Vermarktung der Standflächen an die Start-ups durch die Partnerin Switzerland Global Enterprise (S-GE) erfolgt.
Man habe rund 350'000 Franken in diesen CES-Auftritt investiert. Die Gelder seien je zur Hälfte von der S-GE und aus dem regulären Budget von Präsenz Schweiz gekommen. Wobei die Kommunikation und die Events von den Swisstech-Partnern übernommen worden seien.
Auf die Frage, ob sich die Investitionen gelohnt haben, verweist der Botschafter darauf, dass "wie bei allen Branding- und Kommunikationsaktivitäten das Kosten-Nutzen-Verhältnis langfristig bewertet werden muss". Jedenfalls deute "die Anwesenheit so vieler Startups auch in diesem Jahr darauf hin, dass es sich lohnt, dabei zu sein". Auch die Rückmeldungen in den letzten zwei Jahren seien sehr positiv gewesen. Und das gelte nicht nur für die CES, wie er betont.
Beeindruckt habe ihn die Dimension dieses Tech-Treffpunktes. Es sei "der" Ort, um die Marke Swisstech zu positionieren. Bideau, der zum zweiten Mal an der CES war, gesteht aber auch, dass er die trockene Luft in den Hallen nach vier Tagen nicht vermissen werde. Von der vorab medial verbreiteten These, in diesem Jahr werde die CES stark politisiert, habe er hingegen kaum etwas bemerkt haben. "Ich muss sagen, dass ich vor Ort keine grossen Unterschiede (zum Vorjahr, A. d. Red.) bemerkt habe. Es ist vor allem ein Treffpunkt für die Welt der Innovation", so Bideau. Sehr wohl spürbar gewesen sei allerdings, "dass Fragen zur Nachhaltigkeit oder zur Verantwortung im Allgemeinen (Datenmanagement, Arbeitsbedingungen, Good Governance) von den Unternehmen selber in den Vordergrund gerückt wurden".

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Botschafter Nicolas Bideau ist Chef von Präsenz Schweiz.

Grosse Konkurrenz unter den Nationen

Das Problem des CES-Auftritts sei, dass die "Konkurrenz zwischen den im Eureka-Park präsenten Ländern (Frankreich, Italien, Holland, Südkorea, Japan, Taiwan, Israel, Grossbritannien usw.) um die Aufmerksamkeit der Medien, Fachleute und insbesondere Investoren, gross ist". Zwar werde die Schweiz auch dank einem klaren Swisstech-Branding mit jedem Mal stärker und sichtbarer, doch bleibe es eine Herausforderung aus der Menge herauszustechen.
Damit benennt der Botschafter zugleich das Hauptziel der Swisstech-Kampagne: "Kommunikationsplattformen zu schaffen, um die Wahrnehmung der Schweiz im Bereich der Innovation zu stärken". Mit der CES seien in diesem Jahr die diesbezüglichen Aktivitäten gestartet. Folgen werden ausgewählte Fachmessen wie die Bio2020 in San Diego, die Vivatech in Paris, CES Asia in Shanghai, CEATEC in Tokio, der Websummit in Lissabon und Slush in Helsinki, zählt er auf. Es gehe darum den hiesigen Unternehmen neue Chancen zu eröffnen und "unsere Sichtbarkeit bei einem Fachpublikum (Investoren, Käufer, Forschende, Medien)" zu erhöhen, so der Botschafter weiter.
Noch nicht klar ist hingegen, ob die beteiligten Startups wirklich Investoren anlocken konnten. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht möglich, diesbezüglich konkrete Ergebnisse zu nennen", zumal Investitionen oft das Ergebnis mehrerer Treffen und Diskussionen sei. Das ändere aber nichts daran, "dass die Mehrheit der Aussteller im Schweizer Pavillon den Auftritt als Chance sahen".

"Kommunikativ wirksame Startups"

Schwierig zu beantworten ist laut Bideau die Frage, welche Innovationen und welche konkreten Produkte ihn diesmal in Las Vegas am meisten fasziniert haben. Der Mini-Roboter Balli habe ihn "durch seine offensichtliche Benutzerfreundlichkeit und durch seine Präsentation im Rahmen einer Show, wie wir sie auch im Swisstech-Pavillon machen, angesprochen". Beeindruckt hätte ihn zudem die "Entwicklung der Mobilität mit Fahrzeugen als Lebensraum", die von Amerikanern, Europäern und Asiaten präsentiert worden seien.
Allerdings hätte auch die Schweiz "eine Reihe an kommunikativ wirksamen Startups" gezeigt. Bideau nennt als Beispiele den Raclette-Roboter "Robotclette" und das Armband "Mictic" mit dem der Körper zu einem Instrument wird. Beide hätten "auf tolle Weise Tradition und Innovation vereint und gleichzeitig eine echte Show" geboten.
Im Vorfeld hatten wir einige im Schweizer CES-Pavillon präsenten Startups kurz vorgestellt.
Die Swisstech-Kampagne ist eine Kooperation des öffentlichen und privaten Sektors unter Federführung von Präsenz Schweiz. In diesem Rahmen erfolgte auch der CES-Auftritt, den Präsenz Schweiz gemeinsam mit S-GE, Innosuisse, dem Swissnex-Netzwerk und Digitalswitzerland organisiert hat. Nach eigenen Aussagen strebt die Kampagne an, die "Schweiz als führenden Innovations- und Technologiehub und attraktiven Wirtschaftsstandort" zu positionieren.

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