Das lange Leben in der Nische

1. September 2009, 12:25
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"Wir haben halt nie komische Geschäfte gemacht": Der Thuner VAR und Software-Hersteller Predata feiert sein 25-jähriges Jubiläum und hat in dieser Zeit erreicht, wovon andere nur träumen: Standard-Software etabliert.

Thun, vor 25 Jahren: Zwei Jungs (links Thomas Glanz, rechts Thomas Riesen) starten ein IT-Business.
Thomas Riesen, der zusammen mit Thomas Glanz vor 25 Jahren die Firma PRE-Datasystems aus der Taufe hob, ist trotz der 25 Jahre im Schweizer IT-Business immer noch ein lernbegieriger Mann. So besuchte er einst einen Medienkurs des Schreibenden und lernte dort, dass Journalisten immer eine "Story", einen Skandal oder sonst einen Aufreger brauchen, um aus etwas so langweiligem wie einem Firmenjubiläum eine "Geschichte" zu machen.
Riesen strengte sich an, doch er fand beim besten Willen in der 25-jährigen Geschichte seiner Thuner Predata keinen Skandal. Nicht mal ein Skandälchen. Predata war nie dem Abgrund nahe, hat hat nie einen Eishockey-Club gesponsort (Riesen engagiert sich stattdessen seit Jahren in der Lehrlingsausbildung), wurde nie von einem Venture-Kapitalisten für den Börsengang aufgeplustert und dann fallen gelassen und nicht mal von Bechtle gekauft. Einfach nichts. Langweilig. Und so sei denn die Abwesenheit des Skandals die Geschichte.
"Wir haben nie komische Gschäftli gemacht."
Es sei schon bemerkenswert, so Riesen zu inside-channels.ch, wie oft in den vergangenen 25 Jahren vermeintliche Mitbewerber aufgetaucht und verschwunden sind. "Wenn die ihre Pläne umsetzen, müssen wir uns aber warm anziehen, haben wir uns jeweils gedacht. Aber passiert ist dann nichts und der Mitbewerber ist wieder verschwunden." Predata habe halt nie windige Geschäfte gemacht und sich konsequent an Abmachungen gehalten, sagt Riesen.
Die Firma zählt heute 17 Mitarbeitende, ist profitabel und macht einen Umsatz von etwas über drei Millionen Franken. Der VAR-Teil von Predata fokussiert auf IT-Infrastrukturlösungen für KMU mit bis zu ungefähr 70 Mitarbeitenden. Highend-Lösungen im Storage-Bereich, die das technologische Fachwissen der kleinen Thuner Firma überfordern könnten, werden gemeinsam mit der Luzerner Leuchter Informatik angeboten. Dies sei eine Partnerschaft, die auf eine lange persönliche Beziehung zurückgehe und deshalb gut funktioniere, so Riesen.
Standard-Software aus Thun
Predata ist aber nicht nur ein "langweiliger" lokaler Infrastrukturanbieter, sondern auch ein erfolgreicher Software-Hersteller. Denn mit der Bibliothekslösung 'winMedio.net' dominieren die Thuner den gar nicht so kleinen Markt für Lösungen für Bibliotheken in der Schweiz. Die Software ist heute bei fast 400 Bibliotheken und ähnlichen Institutionen installiert und zu einem von wenigen Standards in diesem Nischenmarkt geworden. 'winMedio.net' ist schon lange aus dem Bastel-Alter entwachsen und bietet beispielsweise die Integration von RFID-Technologie, die von vielen Bibliotheken zur Automatisierung von Ausleihe und Rückgabe der Medien eingesetzt wird.
Seit 2008 ist winMedio.net auch "als Service", also online und ohne eigene Datenhaltung des Kunden, zu haben. Selbst kleine Gemeinde- und Schulbibliotheken können sich so eine "ausgewachsene" Lösung leisten und den Medienkatalog auf dem Web anbieten. Bisher nutzen bereits 50 Kunden diese Dienstleistung, so Predata in einer Medienmitteilung. Diesen Herbst wird 'winMedia light' verfügbar. Die Software für Kleinstbibliotheken wird nur 790 Franken kosten und damit mithelfen, auch die kleinste Schulbibliothek zu modernisieren.
Ganz nach dem schlauen KMU-Motto "if you can't beat them, join them" bietet Predata anspruchsvolleren Kunden die grössere, deutsche Software Bibliotheca2000.
Informatik in Thun: Risiken und Nebenwirkungen
Ganz sorgenlos ist aber auch das Leben in der (Thuner) Nische nicht. Denn bis vor kurzem war es für Predata ausgesprochen schwierig, Entwickler nach Thun zu locken. Das mag wohl mit ein Grund sein, dass sich Riesen stark in der Informatik-Ausbildung engagiert. Predata selbst bildet zwei Informatik-Lehrlinge (Generalisten) und einen kaufmännischen Lehrling aus.
Dies wird aber schwieriger werden, denn die Berufschule Thun wird in Zukunft keine Informatik-Lehre mehr anbieten können, wie Riesen erzählt. Und Lehrlinge, die in Bern in die Schule gehen, "bleiben dann meistens in der Stadt", so der Predata-Gründer. Trotz aller Vorsicht und der "langweiligen" stockseriösen Art, in der Riesen und Glanz das kleine Schiffchen Predata durch die nicht immer ruhigen Gewässer der letzten 25 Jahre gesteuert haben, hat man also auch in Thun die gleichen Probleme wie in Zürich: Die Schweizer Software-Branche muss schauen, dass ihr der Nachwuchs nicht ausgeht. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: (c) by Thomas Riesen. Thun, vor 25 Jahren: Zwei Jungs (links Thomas Glanz, rechts Thomas Riesen) starten ein IT-Business...)

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