Das tun Distis in Zeiten von Corona für ihre Reseller

20. März 2020, 16:42
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Wir haben uns umgehört: Mit diesen Aktionen helfen die Distributoren ihren Resellern in der Corona-Krise.

Die Reseller von Also, Littlebit, Alltron und Tech Data sind bereits direkt durch die diversen staatlichen Massnahmen angesichts des Corona-Virus betroffen. Inside-channels.ch hat bei den Distis nachgefragt, welche Unterstützung der Handel von ihnen zu erwarten hat.
Die Lageeinschätzung von Daniel Baumeler, Business Unit Manager B2B bei Littlebit, macht die Breite der Probleme im Handel deutlich. "Wir sehen Händler, die ihre Ladengeschäfte schliessen mussten und nur noch Firmenkunden mit Dienstleistungen bedienen. Weiter gibt es die grossen E-Tailer, die händeringend nach temporären Mitarbeitern suchen, um das grosse Bestellaufkommen bearbeiten zu können. Auch Spezialisten im Umfeld von Video-Conferencing und Collaboration haben derzeit sehr viel zu tun."
Hinzu kommen Lieferengpässe, erhöhte Preise und Reseller, die wegen wegfallendem Umsatz vor Bezahlschwierigkeiten stehen. Also beispielsweise will seinen strukturell gesunden Resellern, die durch die Folgen der Corona-Massnahmen in Schwierigkeiten zu geraten drohen, schnell und unbürokratisch helfen. Bei Alltron sieht man als Lichtblick in der anhaltenden Krise, dass Onlinehändler von den Massnahmen des Bundes kaum beeinträchtigt seien.

Das wird konkret gemacht:

  • Also
Von Engpässen bei der Lieferung ist keine Rede in einer Pressemitteilung zur Corona-Krise beim Disti aus Emmen.
Dagegen wird festgehalten, man verlängere abhängig von Umsatz-Volumen und -Niveau die Zahlungsziele betroffener Reseller. Dazu sei von der Also Holding ein zweistelliger Millionenbetrag an zusätzlicher Liquidität bereitgestellt worden. Zudem gehe man bei den Kreditlinien flexibel auf die Situation des jeweiligen Resellers ein.
Schliesslich verspricht Also seinen Resellern auch über diese Angebote hinaus Unterstützung. Eingerichtet wurde dazu eine eigene "Support4Corona"-Mailadresse, über die SMB-Reseller bei aufkommenden Problemen im Kontext mit Corona beraten werden sollen. Weitere Massnahmen seien geplant und werden demnächst kommuniziert, schreibt Also. Die Umsetzung der Massnahmen erfolge kurzfristig und zunächst bis Ende April befristet.
  • Littlebit
In Sachen Lieferung habe man bei Lttlebit schon früh reagiert, schreibt Daniel Baumeler. Bereits im Januar seien "unsere Bestellungen bei Lieferanten laufend hochgefahren" worden, obwohl seit dem "Chinese New Year die Produktionen in China auf stark reduziertem Level" laufen. Aber die "Hersteller haben die Waren allokiert" und "die Shortage führt zu Preiserhöhungen seitens Hersteller, welche 1:1 auf unsere Märkte durchschlagen", wie er anfügt. Zudem hätten die Reseller seit dem Corona-Ausbruch in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Holland und Luxemburg "ihr Bestellvolumen bei uns massiv erhöht".
So seien spezielle Home-Office-IT und Peripheriegeräte, wie auch Video-Conference-Lösungen extrem gefragt. "Obschon wir in diesem Bereich unsere Lager voll hatten, sind wir bei einigen Artikeln aktuell ausverkauft. Neue Ware kommt in den nächsten Tagen und Wochen wieder rein."
Die Verlängerung von Zahlungszielen der Reseller bespreche man individuell mit den Partnern und zwar "so unkompliziert wie möglich", fügt er weiter an. Besondere Zahlungsmodalitäten für die Reseller seien aber derzeit generell nicht nötig. Littlebit sei "aber offen und bietet in dieser Zeit individuelle Sonderlösungen. Wer gar nicht mehr zahlungsfähig ist und aktives Business hat, den schicken wir nicht weg." Es existierten "Lösungen, damit unsere Partner ihr Business weiter betreiben können und die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter sichern können".
In Sachen Kreditlinien stehe man im engen Austausch mit den Resellern und Kreditversicherern, hält Baumeler weiter fest. Auch habe man bei allen bisherigen Massnahmen "noch keine zeitliche Beschränkung definiert. Dafür ist es aus unserer Sicht noch zu früh."
Unterstützungen darüber hinaus, wie ein stärkeres Aufkommen von Supportanfragen, sei bisher nicht festgestellt worden. Man habe aber eine "Taskforce gebildet, die die Situation laufend neu beurteilt und erforderliche Massnahmen einleitet und laufend unsere Mitarbeitenden offen und transparent informiert".
  • Alltron
Pressesprecher Daniel Rei teilt uns mit, "aufgrund des hohen Bestellaufkommens kann es vorkommen, dass Lieferungen 1 bis 3 Werktage verspätet ankommen". Doch wegen der "hohen Verfügbarkeiten und unserem hohen Automatisierungsgrad können wir vergleichsweise gut liefern". Man habe das Logistikteam verstärkt und tue alles, um Bestellungen so schnell wie möglich auszuliefern. Rei fügt aber auch an, dass abgesehen von dem was Alltron leistet, es zu Lieferengpässe in allen Sortimentsbereichen komme: "Wir bitten um Geduld und hoffen auf Nachsicht in dieser ausserordentlichen Situation."
Spezielle Massnahmen bei den Zahlungsmodalitäten, angepasste Zahlungsziele oder Kreditlinien für Reseller habe Alltron keine geplant, so Rei weiter. Man habe auch keine besondere Support-Unterstützung aufgegleist. Doch "ungeachtet der Pandemie finden wir partnerschaftliche Lösungen und nehmen Kundenbedürfnisse ernst", fügt er an.
Angesichts der Krisenlage, verfolge man die Situation aber genau und halte seine Handelspartner über speziell eingerichtete Informationsseiten auf dem Laufenden. Abgesehen von den schon genannten zusätzlichen Mitarbeitenden und temporären Zusatzschichten in der Logistik, halte man auch in Zeiten des Lockdowns die Erreichbarkeit aufrecht, falls nötig "aus dem Heimbüro", wie Rei schreibt. Zudem hätten die Reseller über den Onlineshop die Möglichkeit, Bestellungen ihrer Endkunden gegen einen kleinen Aufpreis pro Auftrag direkt in ihrem Namen aus unserem Logistikzentrum zuzustellen. Reseller könnten so ihre Kunden auch beliefern, wenn sie sie nicht im Ladengeschäft begrüssen können.
  • Tech Data
"Bis jetzt spüren wir noch keinen generellen Einbruch", antwortet man bei Tech Data auf die Frage nach der Situation der Reseller im Corona-Krisenmodus. Bei den Lieferungen käme es "situativ" zu Engpässen, teilt Agnes Immersi zwar mit. Doch komme es dabei laut der Pressesprecherin auf den Hersteller an. Man begegne dem Problem, indem man "versuche, alternative Produkte zu verkaufen".
Wie bei Alltron hält sich auch der Disti aus Rotkreuz bedeckt, wenn es darum geht im Krisenmodus konkrete Anpassungen bei den Zahlungsmodalitäten, Zahlungszielen oder Kreditlinien für die Reseller zu nennen. Man schaue die "individuelle Situation" an, unterstreicht Immersi allerdings. Zudem stellt sie klar, dass man "strikt die Weisungen des BAG" befolgt.
Auf Seiten des Konzerns ist ausserdem definiert, dass weltweit verschärfte Richtlinien für Infektionskrankheiten zu beachten sind. Man habe verstärkte Gesundheitsvorkehrungen getroffen und unter anderem alle Geschäftsreisen und persönlichen Treffen ausgesetzt. Die meisten Kollegen würden von zuhause aus arbeiten. Wobei die Aufträge in den Logistik- und Integrationszentren weiter abgewickelt würden.
Ohne konkrete Unterstützungsmassnahmen zu nennen, streicht Tech Data aber deutlich heraus, dass man bemüht sei, Lieferengpässe mit Auswirkungen auf die Reseller zu minimieren. Dazu arbeite man mit den Lieferanten zusammen, sodass trotz möglicher Störungen durch die Corona-Krise eine angemessene Versorgung gewährleistet bleibe.

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