Das Wachstum von RPA flacht ab, aber...

25. September 2020, 12:28
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Die Umsatzsteigerungen soll wieder anziehen. Wie bedeutsam ist diese Form der Automatisierung eigentlich? Wir haben bei Banken-IT-Spezialisten nachgefragt.

Der wirtschaftliche Druck wegen Covid-19 macht sich auch im RPA-Markt bemerkbar. Die Wachstumsraten fallen geringer aus. Dennoch wird in der robotergestützten Automatisierung weiter investiert. Das legen die Zahlen des "Forecast Analysis: Robotic Process Automation, Worldwide" von Marktforscher Gartner nahe. Im Jahr 2021 werde das weltweite Marktvolumen bei voraussichtlich 1,89 Milliarden Dollar liegen, teilen die Analysten mit. Das seien 19,5% mehr als in diesem Jahr.
Klar erkennbar wird der krisenbedingte Abschwung, wenn man weiss, dass RPA-Software 2018 mit einem Umsatzzuwachs von 63,1% (auf 846 Millionen Dollar) noch als das am schnellsten wachsende Segment auf dem globalen Markt für Unternehmenssoftware galt. Auch 2019 konnte bei rund 1,4 Milliarden Dollar Umsatz diese Zuwachsrate (62,9%) noch gehalten werden. Doch mit Corona kam der Einbruch: Dieses Jahr wird laut Gartner mit einem Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Dollar noch ein Plus von rund 12% erreicht. Laut den Analysten wird ab 2021 (Plus 19,5%) aber wieder mehr investiert und bis 2024 werde es weiterhin zweistellige Wachstumsraten geben.
Eine ähnliche Entwicklung wie Gartner für den weltweiten RPA-Markt haben im Mai 2020 bereits die Analysten von Fortune Business Insights prognostiziert. Dort war ermittelt worden, dass sich das Marktvolumen von knapp 1, 4 Milliarde Dollar im Jahr 2018 auf gut 6,8 Milliarden im Jahr 2026 steigern werde. Demnach würde das jährliche Wachstum bei 22,3% liegen.
Die Analysten nennen als wichtige Treiber für RPA-Projekte die Möglichkeit, Prozessqualität, -geschwindigkeit und -produktivität zu verbessern. Gerade wenn Kosten reduziert werden müssten, werde RPA wichtiger, weshalb weiter investiert werde. Glaubt man Gartner, werden 90% der internationalen Konzerne bereits bis 2022 RPA in irgendeiner Form eingeführt haben. Und weil das Bewusstsein für RPA unter Geschäftsanwendern wachse, werde bis 2024 die derzeit noch vorherrschende Dominanz der IT-Organisationen gebrochen sein, fast die Hälfte aller neuen RPA-Kunden komme dann von ausserhalb der IT.

RPA im Schweizer Banking

Wir haben in der IT-Finance-Branche der Schweiz nach der Bedeutung von RPA gefragt. Während die IT-Dienstleister die Robotic-Automatisierung begrüssen, sehen das die Software-Hersteller ziemlich anders.
So heisst es beim IT-Finanzdienstleister Inventx: "RPA ist ganz klar ein Wachstumssegment. Der Bedarf bei unseren Kunden ist schon heute deutlich vorhanden und wir rechnen mit exponentieller Zunahme." Der Margen- und Kostendruck zwinge die Finanz- und Versicherungsindustrie dazu, ihre Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und RPA eigne sich bestens dafür, Kosten zu reduzieren, Kapazitäten freizusetzen und zugleich Qualität und Compliance zu verbessern. Deshalb habe man schon vor einiger Zeit ein entsprechendes Kompetenzzentrum aufgebaut und sei aufgrund der wachsenden Nachfrage aktuell daran, das hauseigene RPA-Angebot als "Automation-as-a-Service auf der hauseigenen Open-Finance-Plattform zu etablieren", so Pressesprecher Roman Dinkel. Ausserdem engagiere sich Inventx dafür, einen RPA-Marktplatz für Finanz- und Versicherungsdienstleister zu etablieren. Die Nachfrage und erste Erfahrungen seien positiv.
Differenzierter schätzt man die Situation beim Kernbanken-Spezialisten Finnova ein. Denn als Produkthersteller habe man die Möglichkeit, direkt in die Prozesse einzugreifen und müsse im Rahmen der Software-Entwicklung nicht auf RPA setzen, erklärt Chief Product Officer Simon Kauth. Finnova könne direkt Prozesse und Abläufe automatisieren, Integrationen tätigen und stelle über die eigene Open Platform auch Mittel zur Verfügung, damit auch die Kunden "auf diese Weise generisch Prozesse automatisieren können".
Wenn es im Rahmen des Betriebes in einigen Fällen notwendig werde mit RPA zu operieren, hätten diese Lösungen temporären Charakter, so Kauth weiter. Man müsse wissen, dass RPA innerhalb eines grundsätzlich schon digitalisierten Prozesses automatisiere, indem manuelle Eingaben eines Benutzers automatisiert würde. "Damit ist das Automatisierungspotenzial in der Gesamtsicht sicher bestenfalls nur moderat". Anders sehe das bei spezifischen Fällen aus, wo situativ sich wiederholende Eingaben anfallen, hier sei das Potenzial hoch.

Automatisierungspotenzial wird weiter wachsen

Auch Marc Duckeck, Kommunikationschef von Avaloq, teilt mit, zuallererst versuche man stets, "Prozesse innerhalb unserer Software abzubilden und zu digitalisieren". Wo dies jedoch nicht möglich sei, bilde die Robotik-Prozessautomatisierung ein Schlüsselaspekt des Avaloq-Angebots, fügt er an. Das gelte insbesondere im Bereich Business-Process-as-a-Service (BPaaS). Denn eine einfache Auslagerung von Geschäftsprozessen reiche nicht mehr aus, um die Kundenerwartungen zu erfüllen. Gefragt seien starke Fähigkeiten in der Automatisierung und modernste Steuerungen der täglichen Operations-Aufgaben.
Wie die Analysten geht man auch bei Avaloq davon aus, dass das Automatisierungspotenzial allgemein in den nächsten Jahren stark wachsen werde. Bisher begegne RPA noch den Herausforderungen, die in den Kernplattformen normalerweise "zu einfach zu automatisieren" seien. Schlüsselfaktor der Zukunft und Treiber des RPA-Marktwachstums sei im Bereich von RPA allerdings die Integration von Technologien, die Künstliche Intelligenz nutzen würden.

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