Das Weisse Haus "verliert" E-Mails

7. Mai 2008, 13:55
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Seit dem Wechsel von Lotus Notes auf Exchange und Outlook archivierte das Weisse Haus den E-Mail-Verkehr "von Hand". Und "verlor" dabei die E-Mails aus drei kritischen Monaten.

Seit dem Wechsel von Lotus Notes auf Exchange und Outlook archivierte das Weisse Haus den E-Mail-Verkehr "von Hand". Und "verlor" dabei die E-Mails aus drei kritischen Monaten.
Das "Executive Office of the President" im Weissen Haus gibt in einem Schreiben an ein US-Bezirksgericht zu, dass alle E-Mails aus einer sehr kritischen Phase der jüngeren Geschichte, nämlich zwischen 1. März und 22 Mai 2003, verloren gegangen sind. Am 19. März 2003 begann der Einmarsch der USA in den Irak.
Das Gericht verlangte vom Büro des Präsidenten eine Kosteneinschätzung für die Wiederherstellung der E-Mails aus der fraglichen Periode. Aus der Antwort geht nun hervor, dass die Bänder mit dem Backup der Mails aus der fraglichen Periode nicht mehr existieren. Die IT-Organisation des Präsidenten-Büros pflegte solche Bändern manchmal zu "recyklieren". Das Gerichtsverfahren entstand aufgrund einer Klage von zwei US-Bürgerorganisationen, den "Citizens for Responsibility and Ethics" und dem "National Security Archive", im letzten Herbst.
Das Präsidentenbüro findet den Aufwand, die verlorenen E-Mails in den ".pst"-Files von einzelnen Computern zu suchen, nicht zumutbar und weigert sich, der gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten. Auch sei es nicht zumutbar, die existierenden 438 Backup-Bänder, die nach dem 23. Mai 2003 beschrieben wurden, auf die fehlenden E-Mails hin zu durchforsten.
Backup in der Art des Weissen Hauses
Das Weisse Haus wäre eigentlich zu einer ordentlichen Archivierung aller relevanten Dokumente, auch von E-Mails verpflichtet. Doch seit dem Regierungsantritt der Bush-Administration scheint dies nicht mehr gewährleistet zu sein. Die IT-Organisation des Präsidenten-Büros migrierte nämlich von Lotus Notes, wo es ein Archiverungssystem gab, auf Microsoft-Exchange und Outlook, ohne ein neues, automatisiertes Archivierungssystem einzurichten. Dafür pflegte man "von Hand" die gesandten und empfangenen E-Mails der einzelnen Mitarbeiter als Outlook-"pst"-Files auf Servern zu sichern, von denen es dann wiederum Backup-Kopien auf Bändern gab.
Dass das kein guter Zustand war (und ist), war dem Weissen Haus bewusst. So versuchte man gemäss einem Bericht in 'Ars Technica' 2002 und 2003 das "alte" Archiv-System an Exchange anzuflantschen, was aber misslang. Ein weiteres Projekt für ein E-Mail-Archiv hätte 2006 mit der Hilfe von externen Beratern und Systemintegratoren (Booz Allen Hamilton und Unisys) eingerichtet werden sollen. Doch auch dieses Projekt wurde abgebrochen.
Kritiker der Bush-Administration vermuten, dass das Präsidentenbüro die Herausgabe der fraglichen E-Mails möglichst lange herauszögern will. Weiter wird moniert, dass wichtige Bush-Mitarbeitende im Büro des Präsidenten zur Umgehung der Archivierungsvorschriften E-Mail-Konten ausserhalb der staatlichen Organisation benützt hätten. (Christoph Hugenschmidt)
(Quellen für diese Story: 'The Register', 'The Washington Independent' online, 'internetnews.com'', Ars Technica', PDF: Defendants' Responses to and Request for Reconsideration of the First Report and Recommendation on Plaintiff NSA's Motion to Extend Tro/Preservation of Order" vom 5. Mai 2008)

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