Datenleck beim Kantonsgericht Schaffhausen

20. Mai 2020, 12:34
  • e-government
  • justiz
  • security
  • lücke
  • datenschutz
image

Persönliche Details zu Klägern und Beklagten waren auf der Webseite des Kantonsgerichts für unbeteiligte Dritte einsehbar.

Beim Kantonsgericht war eine ausführliche Traktandenliste öffentlich einsehbar. Bis zu drei Tage lang sei die sonst nur akkreditierten Personen zugängliche Liste mit allen Details zu Klägern und Beklagten auf der Webseite des Kantonsgerichts für alle Nutzer verfügbar gewesen, berichten die 'Schaffhauser Nachrichten'.
Durch den Fehler seien die vollständigen Namen, Geburtsdaten und Adressen aller Kläger und Beklagten sowie die Namen ihrer Rechtsvertreter einsehbar gewesen. "Insgesamt eine Auflistung von 15 Fällen von Mitte Mai bis Ende Juni, darunter einfache Forderungen, aber auch schwerere Vergehen wie mehrfache Vergewaltigung, Raub oder mehrfache Gefährdung des Lebens", schreibt die Zeitung.
Die 'Schaffhauser Nachrichten' (Paywall) seien am Freitag 15. Mai auf das Leck aufmerksam gemacht worden und hätten das Kantonsgericht darüber informiert. Darauf sei die Liste sofort durch die reguläre anonymisierte Variante ersetzt worden.
Der leitende Gerichtsschreiber des Kantonsgerichts, Ralph Heydecker, erklärt: "Ein Mitarbeiter hat versehentlich die falsche Liste aufgeschaltet." Zu allfälligen Konsequenzen aus dem Vorfall konnte man sich am Kantonsgericht noch nicht äussern.

Für den Datenschützer ist der Vorfall nicht gravierend

Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Schaffhausen, Christoph Storrer, stuft den Vorfall als "nicht so gravierend" ein. "Es macht einen Unterschied, ob Verhandlungen grundsätzlich öffentlich sind oder nicht", sagte er der Zeitung, und bei den Daten handle es sich um öffentliche Verhandlungen. Bei nicht öffentlichen zivilrechtlichen Verhandlungen, etwa in Scheidungssachen, wäre das Problem wesentlich grösser gewesen.
Für den Datenschutzbeauftragten gebe es keinen Grund, einzuschreiten: "Die Sache ist zwar ärgerlich und eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte, aber nicht so dramatisch." Direktbetroffene könnten im Übrigen haftungsrechtlich gegen das Gericht vorgehen und klagen, wenn ihnen durch das Datenleck ein Schaden entstanden wäre.

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwyz erhält einen neuen CIO

Im Sommer wird Marcel Schönbächler die Leitung des Amts für Informatik im Kanton übernehmen.

publiziert am 27.1.2023
image

Angeblicher Datendiebstahl: Unispital Lausanne gibt Entwarnung

Ein Hacker behauptete, im Besitz von 2 Millionen Datensätzen des Spitals zu sein. Doch das Datenpaket stammt offenbar aus Frankreich.

publiziert am 27.1.2023
image

Zwei Wochen nach der Cyberattacke: Britische Post verschickt wieder Päckli

Eine Ransomware-Bande hatte den internationalen Versand der Royal Mail lahmgelegt.

publiziert am 27.1.2023
image

Podcast: Wie fair und objektiv ist künstliche Intelligenz?

Der Bundesrat will, dass KI Behörden effizienter macht. Warum das zu einem Problem werden kann, diskutieren wir in dieser Podcast-Folge.

publiziert am 27.1.2023