Datensammelwut in Zug

3. Dezember 2014 um 09:16
  • security
  • edöb
  • zug
  • technologien
image

Zuger Datenschützer erhebt den Mahnfinger.

Zuger Datenschützer erhebt den Mahnfinger.
Der Zuger Datenschützer warnt vor der Daten-Sammelwut der Verwaltung: Im Kanton Zug existierten Ende 2014 1463 Datensammlungen über die Einwohnerinnen und Einwohner. Mit 849 solcher Sammlungen sind die Gemeinden die eifrigsten Sammler. Die kantonale Verwaltung führt 302 und die katholische Kirche 92 Datensammlungen.
Die heutige Technik ermögliche grenzenloses Sammeln, Verbinden, Auswerten und Speichern von Daten, schreibt der Datenschützer in seinem am Mittwoch veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2014. Jeder Zuger und jede Zugerin habe aber das Recht, zu erfahren, welche Stelle welche Daten über sie oder ihn bearbeite.
Der Datenschützer führt deshalb auf seiner Website ein Register aller Datensammlungen im Kanton Zug. Dabei ist ersichtlich, welche Daten von welcher Verwaltungseinheit gesammelt werden, etwa "Name" oder "Gesundheit". Das Register ermöglicht aber keinen Zugriff auf die effektiven Daten.
Das Register stosse auf Interesse, schreibt der Datenschützer weiter. Mehrmals pro Tag würden von Privatpersonen und Verwaltungen Suchanfragen in diesem Register vorgenommen.
"Einstempeln" per Fingerabdruck
Im Tätigkeitsbericht erwähnt der Datenschützer mehrere Fälle des laufenden Jahres, etwa die Verwaltungsabteilung, in der die Mitarbeitenden neu per Fingerabdruck einstempeln sollten. Der Datenschützer rügte die Arbeitszeiterfassung mit biometrischen Daten als unverhältnismässig und somit nicht zulässig.
Kritik musste auch ein Fotograf einstecken, der eine Zuger Schulklasse ablichtete - allerdings ohne Kinder und Eltern über den Verwendungszweck des Bildes zu informieren. Das Foto erschien grossformatig in einer Zuger Publikation. Die Eltern erfuhren nur durch Zufall davon und waren wenig begeistert.
Der Tätigkeitsbericht 2014 war der letzte von Datenschützer René Huber. Er tritt Ende Jahr nach 15 Jahren zurück und wird selbstständiger Datenschutz-Berater in Zürich. Ersetzt wird er durch Claudia Mund. Sie war unter anderem juristische Mitarbeiterin beim Datenschutzbeauftragten des Bundes und des Kantons Zürich. (sda/mim)

Loading

Mehr zum Thema

image

Breach von Easypark könnte 21 Millionen Datensätze umfassen

Nach dem Angriff auf den auch in der Schweiz aktiven Park-App-Anbieter verkauft ein Hacker ein grosses Datenpaket. Es soll auch Kreditkarten- und IBAN-Details enthalten.

publiziert am 29.2.2024
image

Epic-Einführung: Insel-Gruppe stellt den Schalter um

In der Nacht auf Samstag werden mit dem neuen Klinikinformationssystem 50 verschiedene Lösungen ersetzt. Ein Supportteam steht rund um die Uhr bereit.

publiziert am 28.2.2024
image

Noch mehr Kritik für inter­kantonale Polizei­daten­bank

Eine neue Vereinbarung soll den Austausch von polizeilichen Daten unter den Kantonen regeln. Der Gesetzesentwurf dazu ist kantonalen Datenschützern zu unpräzise und eine "Art Blanko­ermächtigung" für die Polizei.

publiziert am 28.2.2024 1
image

Tumblr und Wordpress wollen Inhalte für KI-Training verkaufen

Die beiden Content-Management-Plattformen wollen die Inhalte ihrer Nutzenden zu Geld machen. Wer das nicht will, muss die Funktion deaktivieren.

publiziert am 28.2.2024