Datenschützer sperrt Facebook

13. Januar 2010, 13:07
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BloggingToms Woche im Cyberspace CVI

BloggingToms Woche im Cyberspace CVI
Nein, so weit, wie es der Titel dieser Kolumne suggeriert, sind wir (noch) nicht. Und trotzdem laufen zumindest die amerikanischen Datenschützer derzeit Sturm gegen das soziale Netzwerk Facebook. Die stören sich nämlich an den jüngsten Änderungen der Datenschutzeinstellungen des Dienstes, wo seit jüngstem Name, Wohnort, Geschlecht, Profil-Bild, alle Freunde und abonnierten Seiten als allgemein, sprich für jedermann, zugänglich sind.
Für Marc Zuckerberg, Gründer von Facebook, alles kein Problem. Im Gegenteil: Würde er Facebook heute noch einmal gründen, würde er die persönlichen Daten der Nutzer gleich von Anfang an per Grundeinstellung öffentlich zugänglich machen, sagte er in einem Interview. Facebook sieht er sogar als Vorzeigeunternehmen, das sich traue, sich "zum allgemeinen Wohl" den Zwängen penibler Geschäftsbedingungen zu entziehen. Schliesslich würden sich nicht viele Firmen trauen, die Privatsphäre-Einstellungen von 350 Millionen Nutzern einfach so zu ändern, so Zuckerberg weiter.
Das soziale Verhalten der (Online-)Nutzer habe sich verändert, findet Zuckerberg. "Die Leute haben sich nicht nur daran gewöhnt, mehr Informationen zu veröffentlichen, sondern sie tun dies auch offener und lassen mehr Menschen daran teilhaben", begründet er die Lockerung der Privatsphäre. Es sei deshalb die Aufgabe von Facebook, diese Entwicklung nachzuvollziehen.
Während amerikanische Datenschützer unter Federführung des "Electronic Privacy Information Center" (EPIC) das Unternehmen mit einer Klage bei der amerikanischen Handelsbehörde FTC zur Änderung der Datenschutzbestimmungen bewegen wollen, verhalten sich die Nutzer allerdings im Gegensatz zu früheren Änderungen der Geschäftsbedingungen und die Datenschutzeinstellungen ihren Bedürfnissen anzupassen.
Eines scheint auf alle Fälle klar: Facebook hat sich mit der lockeren Einstellung zum Datenschutz wohl auch bei Europas Datenschützern wenig neue Freunde gemacht, zumal die neue "Offenheitsstrategie" den Empfehlungen für soziale Netzwerke der EU-Datenschützer diametral widerspricht. Fragt sich nur noch, wann unser eidgenössischer Datenschützer Thür auf den Zug aufspringt und nach Google nun auch Facebook vors Bundesverwaltungsgericht zerrt.
Der Schnelldurchlauf der Woche: Unkaputtbares Handy? Nicht für BBC-Reporter Dan Simmons.
Und dann noch dies: Ganze 106 Kolumnen über die Wochen im Cyberspace liegen hinter mir. Zeit, etwas kürzer zu treten. Und so erscheint meine Kolumne in Zukunft nicht mehr wöchentlich, sondern in unregelmässigen Abständen. (BloggingTom)

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