Datenschutz: EU verlangt "Recht auf Löschung"

26. Januar 2012, 11:09
  • politik & wirtschaft
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Während Google künftig die Nutzerdaten aus verschiedenen Applikationen kombinieren wird, will die EU Datenschutz-Regelungen vereinfachen aber auch verschärfen.

Während Google künftig die Nutzerdaten aus verschiedenen Applikationen kombinieren wird, will die EU Datenschutz-Regelungen vereinfachen aber auch verschärfen.
Die Europäische Kommission hat gestern Vorschläge für die Reform der EU-weiten Datenschutz-Vorschriften veröffentlicht. Die neuen Vorschriften sollen einerseits die Kosten, die der Datenschutz bei Firmen verursacht, massiv senken. Weil es nur noch ein einziges Regelwerk gibt und Firmen zudem nur mit einer einzigen Datenschutzstelle im Land ihres Hauptsitzes zu tun haben werden, sollen die neuen Vorschriften insgesamt zu Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr führen.
Die langen Arme der EU
Bürger werden sich ebenfalls an ihre nationale Datenschutzstelle wenden können, auch wenn es um Daten geht, die ausserhalb der EU gespeichert sind.
Andererseits will die EU den Datenschutz gerade auch seitens sozialer Netzwerke massiv verstärken. So soll es ein "Recht vergessen zu werden" geben. Einwohner der EU werden das Recht haben, die Löschung ihrer Daten, zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook, zu verlangen.
Wichtig scheint auch, dass die EU ihre Regeln ebenso durchsetzen will, wenn die Daten ausserhalb des europäischen Raums gespeichert sind. Sie will alle Firmen zur Einhaltung der Vorschriften verpflichten, die innerhalb der EU aktiv sind, auch wenn sie ihren Hauptsitz und / oder Rechenzentren ausserhalb der EU haben.
Die angedrohten Bussen sind massiv: Firmen, die gegen die Vorschriften verstossen, können mit Bussen von bis zu einer Million Euro respektive zwei Prozent ihres weltweiten Umsatzes belegt werden.
Datenverluste sofort melden
Ebenfalls neu geregelt wird das Vorgehen beim Verlust von Daten. Massive Datenverluste haben letztes Jahr für viel Aufsehen gesorgt. So konnten Hacker etwa empfindliche persönliche Daten von etwa 70 Millionen Nutzern des Playstation Netzwerks von Sony stehlen. Firmen, die Daten verlieren, müssen den Verlust künftig innert 24 Stunden ihrer nationalen Datenschutzbehörde melden.
Die neuen Vorschriften werden nun dem europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten vorgelegt. Sie sollen in etwa zwei Jahren in Kraft treten.
Google sorgt für Aufregung
Während die EU als den Datenschutz ihrer BürgerInnen verstärken will, will Google die Daten seiner Nutzer leichter zu Geld machen. Google hat nämlich die bisher 70 unterschiedlichen Datenschutz-Regeln der verschiedenen Dienste vereinheitlicht.
Wichtigste Veränderung ist gemäss einem Blog-Beitrag von von Googles oberster Datenschützerin, Alma Whitten, dass Google künftig die Daten von Google-Accounts verschiedener Anwendungen verknüpfen will. Ist man mit seinem Google-Konto angemeldet, wird man beispielsweise in der Suche nicht nur Treffer aus dem Web bekommen, sondern auch solche aus seinem E-Mail-Postfach und anderen Anwendungen.
Google soll damit zu einem "Helfer" in allen Lebenslagen werden - so man denn seine Daten dem Konzern anvertrauen will. (Christoph Hugenschmidt)

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