"Dear Jerry". Aus Microhoo! wird nix

5. Mai 2008, 09:13
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Und wenn, dann nicht jetzt.

Und wenn, dann nicht jetzt.
Microsoft hat den Kauf des US-Internet-Riesen Yahoo für knapp 50 Milliarden Dollar aufgegeben. Dies schrieb Microsoft-Boss Steve Ballmer am Samstag in einem Brief ("Dear Jerry") an Yahoo-Chef Jerry Yang.
Die Gründer des Internet-Portals Yahoo hatten den von Microsoft gebotenen Preis von zuerst 31, später 33 Dollar pro Aktie in dem nun über zwei Monaten dauernden Hin und Her als zu tief zurückgewiesen. Microsoft drohte zwar mit dem Versuch einer unfreundlichen Übernahme, liess das Ultimatum Ende April aber tatenlos verstreichen. Yahoo drohte im Falle eines Versuchs einer unfreundlichen Übernahme (gegen den Willen des Verwaltungsrats) mit einem Pakt mit Google.
Glaubt man dem 'Wall Street Journal', so haben Ballmer für Microsoft und Yang für Yahoo um ein paar Milliarden Dollar gefeilscht, wie es unsereins auf dem Flohmarkt um ein Fränkli macht. Am 15. April beispielsweise, fragte Ballmer den "Dear Jerry" an einem Meeting in Portland gerade heraus: "Wo stehen wir mit unserem Angebot?" Yang sagte, 31 Dollar seien zu wenig, worauf Ballmer fand, sein Verhandlungspartner solle ihm doch einen Preis nennen. Yang wollte keine fixe Preisvorstellung sagen, liess später aber durch Anwälte ausrichten, mit 40 Dollar pro Aktie wäre Microsoft dabei. Das wiederum schien den Redmondern zu viel.
Letzten Dienstag rief Yang dann Ballmer an und sagte ihm, dass Yahoo eventuell auch einen Preis unter 40 Dollar akzeptieren könnte. So trafen sich Ballmer und Yang dann am Mittwoch bei einer Anwaltsfirma in Kalifornien. Microsoft hat da angeblich signalisiert, man könne das Angebot eventuell "um ein paar (Milliarden) Dollar" erhöhen. Am Freitag rief dann Microsofts Chefanwalt Brad Smith einen Anwalt des Yahoo-Verwaltungsrats an und sagte ihm, man sei bereit, 33 Dollar pro Yahoo-Aktie zu bezahlen.
Wie Ballmer im seinem Brief an Yang schreibt, habe man bei Yahoo auf einen wesentlich höheren Preis beharrt, nämlich mindestens 37 Dollar pro Aktie oder fünf Milliarden Dollar mehr. Dies mache die Übernahme von Yahoo für Microsoft-Aktionäre unattraktiv, zumal das angedrohte Bündnis von Yahoo mit Google, die dominante Stellung von Google nur verstärken würde.
Auffallend, wie sehr Ballmer in seinem Schreiben auf die schädlichen Folgen, die ein Pakt mit Google für Yahoo haben würde, einging. Auch weisst er auf allfällige rechtliche und vor allem regulatorische (Antitrust-Gesetze) hin, sollte Yahoo tatsächlich einen Teil seiner Werbeplätze durch Google vermarkten lassen. Fast scheint es, als ob Microsoft ausgerechnet auf die Antitrust-Behörde vertraue, die ein Bündnis zwischen Yahoo und Google verhindern könnten. Dies wiederum könnte den Preis von Yahoo, nun da Microsoft nicht mehr kaufen will, drastisch senken. (Christoph Hugenschmidt)

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