Dell-Hausmesse: Wohin Michael Dell den Konzern steuern will

4. Mai 2018, 09:24
  • international
  • dell technologies
  • messe
image

Präsentiert wurden Umrisse des neuen Mega-Konzerns und Einsichten in die Strategie.

Vor zwei Jahren hat Dell EMC übernommen und allmählich ist daraus ein neues Unternehmen entstanden... Präsentiert wurden in Las Vegas Umrisse des neuen Mega-Konzerns und Einsichten in die Strategie.
"Make it Real" lautete das Motto der diesjährigen Kundenveranstaltung von Dell EMC, bei der der Name EMC nur noch am Rande erwähnt wurde. Offiziell hiess das Event "Dell Technologies" und über die Flaggschiff-Produkte des einstigen Storage-Primus EMC wurde erst am zweiten Tag gesprochen. Auch von den einstigen EMC-Topmanagern fehlte jede Spur – der Assimilationsprozess scheint abgeschlossen zu sein.
Michael Dell stellte in seiner Keynote die zukünftige Unternehmens-Strategie vor, bei der er mit nahezu euphorischen Beschwörungen die Zukunft der Informations-Technologie verteidigte. "Ich weiss, dass es viele Technologie-Pessimisten gibt, die den zukünftigen Robotern und der Künstlichen Intelligenz (KI) äusserst skeptisch gegenüber stehen. Ich aber bin fest davon überzeugt, dass es keine Robocalypse geben wird. Die neuen Technologien werden der Menschheit helfen und unser Leben verbessern und vereinfachen", rief er den rund 14'000 Teilnehmern zu. Seiner Einschätzung nach wird sich die digitale Transformation noch dramatisch beschleunigen und schon bald alle Lebensbereiche erfassen. "Die Unternehmen der Zukunft basieren auf Daten, KI und dem Internet. Dabei ist KI das Raumschiff und die Daten sind der Treibstoff", lautete sein bildhafter Vergleich.
Auch beim Thema IoT strotzte der Selfmade-Unternehmer nur so vor Optimismus. "Schon in zwei Jahren wird eine durchschnittliche Stadt täglich rund 200 Petabyte an neuen Daten generieren. Davon werden 99 Prozent von IoT-Geräten stammen", so seine Prognose. Somit sei das Zeitalter vorbei, in dem die Endgeräte vorwiegend von Menschen bediente Terminals sind. "Die Nutzung von IoT-Anwendungen explodiert förmlich, doch unsere IT-Strukturen basieren noch immer darauf, dass alle Daten von Menschen und für Menschen generiert und aufbereitet werden", meinte er zum gegenwärtigen IT-Trend.
Cloud-Konzentration nicht von Dauer
Dell sieht bereits eine neue IT-Topologie am Horizont heraufziehen, die er mit "Distributed Core" bezeichnet. Seiner Ansicht nach verläuft der gegenwärtige Konsolidierungs-Prozess auf wenige Cloud-Anbieter ähnlich wie die Konzentration bei den Mainframes vor 50 Jahren. "Diese neue quasi-zentrale IT-Struktur wird durch eine neue 'Distributed Architectur' ersetzt", meinte er zur zukünftige Nutzung von AWS, Azure, IBM- und Google-Cloud. Für diese neue IT-Welt hat er einen eigenen Geschäftsbereich aufgebaut, der von Ray O’Farrell geleitet wird. Dieser erläuterte dann die Visionen seines Chefs: "Auf der untersten Edge-Ebene werden die Daten erfasst und für eine weitere Verarbeitung aufbereitet. Auf der Core-Ebene finden dann bereits erste operationelle Analytics statt, die zu direkten Steuerungen führen können, ausserdem werden hier die Datenströme aggregiert und priorisiert. Die dritte und oberste Ebene ist dann die Cloud-Ebene, in der alle rechenintensiven und nicht zeitkritischen Operationen ablaufen."
Software-defined ja – aber wie?
Mit seinen Einschätzungen der weiteren technologischen Entwicklungen glaubt Michael Dell die Wünsche der IT-Chefs und Fachbereichsleiter erfüllen zu können. Gemäss einer hausinternen Untersuchung meinen nämlich 82 Prozent der befragten Business-Manager, dass ihr Unternehmen in fünf Jahren Software-definiert sein wird. Allerdings weiss die Hälfte davon nicht, wie das von statten gehen soll. Knapp 60 Prozent meinen sogar, dass sie von der gegenwärtigen Geschwindigkeit der digitalen Transformation total überfordert seien. Dabei wird sich diese Schlagzahl laut Dell noch erhöhen. Entsprechend euphorisch sind seine Marktprognosen. "Ich denke, dass die Analysten mit ihren Prognosen diesmal falsch liegen. Wir werden in diesem Jahr einen weltweiten IT-Markt mit vier statt drei Billionen US-Dollar erleben und in den Folgejahren werden es fünf und acht Billionen sein", so seine Prognose.
Hardware sind die Arbeitspferde
Michael Dell und sein Unternehmen sind Hardware-orientiert und folglich fehlte dann auch nicht sein Hinweis, dass alle KI-basierten Anwendungen Hochleistungs-Server und entsprechende Middleware benötigen. "KI läuft nicht auf Software, das Arbeitspferd ist und bleibt die Hardware", sagte er nach der Keynote in einem Interview. Hier zeigte sich dann erstmals das Dilemma von Dell: Einerseits setzt er auf KI für seinen weiteren Unternehmenserfolg, andererseits bietet er nichts Konkretes dazu an. "Die KI-Anwendungen werden von unseren Partnern und Kunden realisiert", bestätigte er an einer Pressekonferenz. Insofern war das Motto "Make it Real" eher ein Appell an die Partner und Kunden, mit Hilfe von Dell-Produkten neue IT-Anwendungen zu entwickeln. Das aber ist nicht ungefährlich, denn damit wird Dells Portfolio zur Commodity, die die Partner und Endkunden jederzeit gegen andere, preis- oder leitungsstärkere Produkte austauschen können.
Swisscom forscht im Silicon Valley
Der einzige Software-Bereich, den Michael Dell akzeptiert und unterstützt sind Cloud-orientierte Lösungen. So gab es bei den Neuankündigungen einen breiten Raum für die neue Version von VMwares NSX, das jetzt auch auf der Azure-Plattform angeboten wird. "Wir bauen NSX zu einem universellen Tool zum Managen von komplexen Multicloud-Umgebungen aus", sagte VMwares COO, Rajiv Ramaswami. Hierfür gab es ein Extralob von Stephan Massalt, der bei der Swisscom das Cloud-Lab leitet. "VMware hilft uns, eine Balance zwischen den disruptiven Elementen von neuen Technologien und der weiteren Nutzung von bewährten IT-Strukturen zu finden", sagte er in einer Podiumsdiskussion. Sein Cloud-Labor ist im Silicon Valley angesiedelt, um in direkter Nähe zu den führenden Technologie-Firmen am Ausbau der Cloud-Nutzung für die Swisscom zu forschen. (Harald Weiss, Las Vegas)

Loading

Mehr zum Thema

image

Mac-Netzteile sind knapp

Je höher die Leistung, desto wahrscheinlicher verspätet sich die Lieferung der Mac-Netzteile.

publiziert am 5.8.2022
image

Infoblox hat neuen europäischen Channelchef gefunden

Ashraf Sheet hatte das Unternehmen Anfang Jahr verlassen. Sein Nachfolger Aric Ault will das Geschäft über den Channel weiter ausbauen.

publiziert am 5.8.2022
image

Cisco-Topmanager Todd Nightingale übernimmt bei Fastly

Der bisherige Chef des Enterprise-Networking- und Cloud-Business verlässt Cisco. Wer seine Nachfolge antritt, ist noch nicht bekannt.

publiziert am 4.8.2022
image

Huawei schliesst Online-Shop in Russland

Der chinesische Konzern stellt seine Verkäufe via Internet in Russland ein, macht aber keine Angaben zu seinen weiteren Plänen.

publiziert am 4.8.2022