Dell spaltet VMware ab und prüft weiteren Verkauf

15. April 2021, 14:17
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Dell baut den Schuldenberg um mehr als 9 Milliarden Dollar ab und will diesen weiter verkleinern.

Dell trennt sich von seiner Tochter VMware und bekommt von ihr ein mehr als 9 Milliarden Dollar schweres Abschiedsgeschenk. Dell Technologies verteilt seinen 81%-Anteil an seiner derzeit lukrativsten Sparte an die eigenen Aktionäre, wie der Konzern mitteilte.
Damit allein käme noch kein Geld in die Kasse - doch VMware schüttet im Gegenzug eine Sonderdividende von 11,5 bis 12,0 Milliarden Dollar aus. 9,3 bis 9,7 Milliarden davon kassiert Dell. Das Geld soll dazu verwendet werden, um den Schuldenberg von 42 Milliarden Dollar abzubauen, den Dell sich grösstenteils 2016 mit der Übernahme von EMC aufgehalst hat.
Dell hatte sich seit Juli 2020 mit dem Gedanken eines Spin-offs von VMware befasst. Die Börsianer reagierten auf die Umsetzung der Pläne euphorisch: Die Dell-Aktie sprang nachbörslich um 8,4%, VMware legte 1,5% zu. Der von Paul Singer geführte aktivistische Investor Elliott, einer der grössten Dell-Aktionäre, begrüsste die Abspaltung. "Der Schritt ist überfällig", sagte Analyst Dan Ives von Wedbush Securities. Dell hebe damit den Wert, der bisher in dem VMware-Aktienpaket verborgen sei. Viele Grosskonzerne spalten derzeit Teile ab, weil sie davon ausgehen, dass die Einzelteile an der Börse insgesamt höher bewertet werden als ein Konglomerat.

Sonderdividende mit Schulden finanziert

VMware-Interimschef Zane Rowe sagte 'Reuters', die Sonderdividende werde zum grössten Teil mit Schulden finanziert. 2,5 bis 3,0 Milliarden Dollar würden aus der eigenen Bilanz genommen. Das Unternehmen gehe aber davon aus, weiter mit einem Investment-Grade-Rating bewertet zu werden. Dell hofft nach der Abspaltung ebenfalls auf ein solches Rating, das es mehr institutionellen Anlegern erlauben würde, in Anleihen von Dell zu investieren. Rowe führt VMware seit Vorstandschef Pat Gelsinger als Vorstandschef zu Intel gewechselt war.
An der operativen Zusammenarbeit von Dell und VMware solle sich durch die Trennung nichts ändern. Neue Produkte sollten gemeinsam entwickelt und der Vertrieb aufeinander abgestimmt werden, sagte Rowe. An den Erfolg der Partnerschaft seien auch die Boni des Top-Managements geknüpft. Rowe hofft aber auch, dass VMware als eigenständiges Unternehmen mit Cloud-Anbietern wie AWS und Microsoft mehr ins Geschäft kommt, die mit Dell konkurrieren. "Das gibt uns strategisch viel Flexibilität", sagte Rowe.
VMware, gegründet 1998, wurde 2004 von EMC gekauft, und EMC wurde 2016 von Dell übernommen.

Verkauft Dell auch Boomi?

Derweil versucht CEO Michael Dell den PC-Hersteller weiter zu verkleinern. Dell prüfe Optionen, einschliesslich eines möglichen Verkaufs des Cloud-Geschäfts Boomi, meldet 'Bloomberg' unter Berufung auf Angaben von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind.
Dell arbeitet mit einem Finanzberater am Verkauf von Boomi, der bis zu 3 Milliarden Dollar einbringen könnte, sagten die Quellen zu 'Bloomberg'.
Die Gespräche befinden sich in einem frühen Stadium und es gibt keine Garantie, dass Dell die Einheit am Ende verkaufen wird, sagten die Personen. Boomi könnte für Private-Equity-Firmen oder börsennotierte Unternehmen interessant sein, die ihr Cloud-Geschäft ausbauen wollen, fügten sie hinzu.
Ein Vertreter von Dell lehnte gegenüber 'Bloomberg' eine Stellungnahme ab.
Letztes Jahr verkaufte Dell die Security-Sparte RSA für 2,08 Milliarden Dollar an eine Private-Equity-Firma.

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