Dell will das ganze Data Center

15. Juni 2011, 12:59
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Die verschiedenen Storage-Übernahmen der vergangenen Jahre setzen sich nun zu einem sinnvollen Puzzle zusammen: Dell positioniert sich als Komplettanbieter für alle Elemente von mittelgrossen Rechenzentren. Einzig ein grösserer Netzwerkanbieter fehlt noch im Warenkorb.

Die verschiedenen Storage-Übernahmen der vergangenen Jahre setzen sich nun zu einem sinnvollen Puzzle zusammen: Dell positioniert sich als Komplettanbieter für alle Elemente von mittelgrossen Rechenzentren. Einzig ein grösserer Netzwerkanbieter fehlt noch im Warenkorb.
Praktisch parallel zur Hauskonferenz Storage Forum in Orlando, Florida, lud Dell vergangene Woche die europäische Presse zum "Technology Camp" nach London. Dort erfuhren Dutzende von Journalisten allerlei Interessantes über Dell-Produkte vom Gaming-Notebook über den Bürolaser bis zum Blade-System der neuesten Generation - eine Art Tech-Ringelpietz mit Anfassen.
Ganz besonders betonte der Hersteller aus Texas aber sein komplettes Programm fürs Rechenzentrum sowie den Anspruch, viel Eigenentwicklung zu betreiben: Allein für die Enterprise-Produktpalette beschäftige Dell über 2000 Entwicklungsingenieure, hielt Tom Garvens, Director Platforms, fest. Kapazität für die Liebe zum Detail steht also bereit; dies zeigen Beispiele wie die in mehreren Iterationen entwickelte Rüttelsicherung für die Memory-Karten der Blade-Server. Andere Hersteller würden hier nicht so viel investieren, meint Director Systems Engineering Mark Cathart: "We are relentless in reliability".
Das geistige Eigentum beschränkt sich jedoch nicht auf hardwaretechnische Kleinigkeiten. Dell hat im Data Center Grosses vor und präsentierte teils nicht ganz neue, aber umfassend plattformübergreifende Visionen für Server und Storage: Das Virtual Integrated System VIS und die Fluid Data Architecture.
Dell für Virtualisierung
Das VIS dient der Planung und dem Management virtueller Umgebungen und besteht aus den drei Komponenten Advanced Infrastructure Manager (AIM, verfügbar seit Ende 2009), Self-Service Creator (seit Mitte 2010) und Director (folgt später 2011).
Der AIM erlaubt die automatisierte Verwaltung beliebiger physischer und virtueller Server und Dienste in einer gemischten Umgebung mit VMware und Microsoft Hyper-V.
Der Self-Service-Creator richtet sich nicht ans IT-Team, sondern direkt an die Anwender - zum Beispiel an ein Entwicklerteam, das damit rasch einen Testserver für eine bestimmte Zeit buchen kann. Und der Director hilft beim End-to-end-Management und bei der Planung der ganzen Infrastruktur. Das gesamte VIS sei auf eine Multi-Hypervisor-, Multi-OS- und Multi-Hardware-Umgebung ausgerichtet, heisst es bei Dell: "Es handelt sich nicht bloss um eine Lösung für unsere eigenen Produkte".
Für Virtualisierungs-Einsteiger hält Dell zudem seit Mai "vStart" bereit, ein schlüsselfertiges Komplettpaket mit vorkonfigurierter Hardware, Software und Networking-Komponenten, erhältlich für 100 oder 200 virtuelle Maschinen. Im Moment gibt es vStart mit VMware-Hypervisor, eine Variante mit Hyper-V soll bald folgen.
Dell für Storage
Die Notwendigkeit für eine neue Speicherarchitektur will Dell mit einigen Zahlen belegen: 18 Prozent der IT-Ausgaben entfallen demnach auf Storage, und davon 60 Prozent auf die Arbeitskosten für die Verwaltung. Dies sei kein nachhaltiges Betriebsmodell. Auch Dell weiss, dass Lösungen für die automatisierte Datenmigration, neudeutsch Tiering genannt, bereits existieren - bei der Konkurrenz und auch im eigenen Portefeuille. Aber: Auf den unterschiedlichen Plattformen residierten immer noch unterschiedliche Filesysteme, und es kämen unterschiedliche Protokolle zum Einsatz. Dell baut deshalb oberhalb der Storage-Plattformen eine zusätzliche Softwareschicht ein: Das Dell Scalable File System bringe Möglichkeiten wie hochentwickeltes Caching oder Load Balancing, die es bisher nur im absoluten High-End gegeben habe, in den Midrange.
Das Scalable File System basiert auf Technologie des 2010 übernommenen NAS-Softwareanbieters Exanet, dessen Technologie ebenfalls ins Scalable File System einfliesst. Nur die objektbasierte Storage-Plattform DX wurde nicht gekauft, sondern im eigenen Haus entwickelt. Insgesamt bringt sich Dell heute punkto Storage als Komplettanbieter in Position, statt wie früher Produkte anderer Hersteller wie EMC mit einem Dell-Label zu verkaufen.
Die verschiedenen Plattformen und das Scalable File System ergeben vereint die Fluid Data Architecture. Das Ziel ist vollautomatisches intelligentes Datenmanagement über alle Plattformen und Storage-Tiers hinweg. Innerhalb der Compellent-Plattform funktioniere dies bereits, so Dell. Mit den hauseigenen Storage-Plattformen, dem Scalable File System, den Server- und Networking-Komponenten und dem VIS hat Dell laut eigener Aussage nun eine Lösung für die Verwaltung aller Elemente einer virtualisierten Umgebung, die es bei keinem anderen Hersteller gebe.
Dell fürs Netzwerk?
Was noch fehlt, ist ein umfassendes Angebot an Netzwerkkomponenten. In diesem Bereich betätigt sich Dell nach wie vor bloss als OEM. Es geht aber schon länger das Gerücht, Dell wolle Brocade übernehmen und damit nach HP und zunehmend EMC auch Cisco direkt konkurrenzieren. Bereits heute bietet Dell den Kunden bevorzugt Brocade-Equipment an - man verkauft zwar auch mal einen Cisco-Switch, aber nur, wenn es der Kunde unbedingt will. (Urs Binder, London)

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