"Der Big Shift ist auch im Security-Markt angekommen"

17. September 2020, 14:13
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Der Schweizer ICT-Markt schrumpft, Security gehört jedoch zu den Corona-Gewinnern. Es profitieren speziell MSSP, so Marktforscher MSM Research.

Um 5,1% werde der Schweizer ICT-Markt im B2B-Bereich 2020 einbrechen, um im kommenden Jahr um rund 4% zu wachsen. Dies ist das Basisszenario, das Philip Ziegler vom Schweizer Marktforschungshaus MSM Research heute der Presse präsentierte. Er betonte aber, dass die Vorhersagen angesichts der Unsicherheiten während der Pandemie mit grosser Vorsicht zu geniessen seien. "Wir mussten vom Autopiloten in den Sichtflug wechseln", so Ziegler.
Der ICT-Marktforscher liegt mit seinen Zahlen nahe an den Prognosen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Diese ging Ende August davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft 2020 um 4,7% einbrechen und nächstes Jahr um 3,7% wachsen wird. MSM Research schreibt in einer Mitteilung, dass der ICT-Markt vom Sog und Impact dieser negativen Entwicklung erfasst werde.

Nicht viel mehr Cyber-Attacken, dafür erfolgreichere

Allerdings bringt die Krise auch Gewinner hervor. Neben den durch den Homeoffice-Boom getriebenen Bereichen wie Collaboration- und Workplace-Lösungen beschleunigen sich auch bereits länger anhaltende Trends: Etwa die Migration in die Cloud und die Investitionen in Security – insbesondere in Managed Security Services. Dies geht aus einer Umfrage von MSM Research unter Schweizer Firmen hervor.
Die Einführung von Collaboration- und Workplace-Tools wird mehrheitlich aus den Fachabteilungen angestossen, die 56% der ICT-Projekte initiieren. Sie wünschen sich zudem Schritte in Sachen Digitalisierung und IoT. Diese Projekte vergrössern häufig die Angriffsfläche für Cyber-Attacken, wie auch die drei am Presse-Event anwesenden Security-Spezialisten von SIX, Swisscom und T-Systems erklärten. So sagte Dominique Brack, Principle Information Security Alps bei T-Systems: "Die Attacken sind während Corona nicht sehr stark angestiegen, aber sie waren erfolgreicher."

Die ICT-Abteilungen sorgen sich um mangelnde Awareness

Auch darum dürften die Prioritäten bei ICT-Verantwortlichen deutlich anders liegen als in den Fachabteilungen. Bei 4 von 5 Befragten aus den ICT-Abteilungen steht die Sicherheit an erster Stelle. Neben der Pandemie und dem Homeoffice-Boom hätten auch die zunehmende Mobilität, die steigende Vernetzung, die Nutzung von Cloud-Diensten und die Zunahme an IoT-Devices diesen Trend akzentuiert, so MSM Research.
Besondere Sorge bereiten mangelndes Bewusstsein und Awareness der Mitarbeitenden, wie drei Viertel der Befragten zu Protokoll gaben. Dies gerade auch, weil Phishing-Angriffe immer noch das Gros der Attacken ausmachten, unterstrich Markus Kägi, Senior Product Manager Cyber Security Services bei SIX. Darum planen 60% der befragten Firmen eine Schulung der Angestellten. 56% wollen zudem das Identity- und Access-Management verbessern und fast die Hälfte räumt der Netzwerk-Security eine hohe Priorität ein.

Schweizer Markt für Managed Security Services boomt

2019 flossen in der Schweiz rund 2,4 Milliarden Franken in Security und hohe Verfügbarkeit der ICT. Rund die Hälfte der Befragten geht nun davon aus, dass diese Ausgaben in den nächsten 12 Monaten nochmals anziehen werden. Nur gerade bei 9%  werden die Ausgaben gekürzt. Der Security-Bereich schaut laut Ziegler einem Wachstum von 3,7% entgegen, während sich die Managed Security Service Provider (MSSP) auf 10,1% mehr an Budgets freuen dürfen.
"Der Big Shift (von intern zu extern) ist auch im Security-Markt angekommen", bilanziert MSM Research. Die Budgets für externe Dienstleister und MSSP würde deutlich schneller wachsen, als jene für den internen Betrieb. Nur 18% der Befragten gaben an, dass sie keine externen Security-Services beziehen würden und dies auch nicht planten.
Für die security-spezifischen Fragen wurden 51 Firmen aller Branchen und Grössen in der Schweiz befragt. Die Entwicklungen des ICT-Marktes schätzt MSM Research auf Basis einer eigenen Datenbank, die auf rund 800 Befragungen pro Jahr beruht. 
Inside-channels.ch hat sich im Sommer im Rahmen des Digital Channels Forums die Entwicklung in der Schweizer ICT-Branche genauer angeschaut und mit Gewinnern und Verlierern der Krise gesprochen.

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