Der Bund rüstet sich für den Cyberkrieg

28. Juni 2010 um 09:05
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Fedpol-Direktor Jean-Luc Vez: "Hackerangriffe sind die grössten Bedrohungen in den nächsten Jahren."

Fedpol-Direktor Jean-Luc Vez: "Hackerangriffe sind die grössten Bedrohungen in den nächsten Jahren."
Hacker-Attacken werden zunehmend nicht mehr von Einzelpersonen, sondern durch "hochrentable Strukturen, fremde Geheimdienste, etwa aus Russland oder China, die Mafia oder Terror-Gruppen durchgeführt." Beim Bund sei man zwar sehr gut geschützt, "aber wenn jemand unbedingt will, schafft er es, in das System einzudringen. Es gibt keinen absoluten Schutz", sagte der Leiter der Melde- und Analysestelle Melani, Pascal Lamia, gegenüber der Zeitung 'Sonntag'. Und weiter: "Täglich gibt es in der Schweiz mehrere Hackerangriffe auf Unternehmen und die Bundesverwaltung.
Ausgerechnet die Schweizer Armee scheint gegenüber Angriffen aber schlecht geschützt zu sein. So sei die Armee "generell heute nicht in der Lage, einen gezielten, professionellen Hacker-Angriff auf der eigenen Infrastruktur zu detektieren und eine adäquate, zeitgerechte Reaktion darauf auszulösen", schrieb der Bundesrat auf eine Anfrage im Mai 2009. Gegenüber dieser Situation habe sich heute nicht viel geändert, bestätigt das Eidgenössische Department für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport gegenüber der Zeitung.
Dass die Angst vor Internet-Angriffen nicht ganz unbegründet ist, zeigen auch Zahlen des Bundesamtes für Statistik, die die Zeitung im Artikel bemüht. So seien im vergangenen Jahr schweizweit 107 Anzeigen wegen Internet-Spionage eingegangen. Während sich im Kanton Zürich die Anzahl Anzeigen mit 25 im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hat, hätte sich die Zahl im Aargau mit 11 Anzeigen fast verdreifacht. Betrug über das Internet habe im vergangenen Jahr zu schweizweit 1026 Anzeigen geführt. Die Vermutung liegt nahe, dass sich hinter den Zahlen noch eine grosse Anzahl nicht zur Anzeige gebrachter Delikte versteckt.
Beim Bund will man sich nun für den Cyberwar rüsten, nachdem - wie die Zeitung mehrfach herausstreicht - Parlamentarier über Jahre auf das Problem aufmerksam gemacht hätten. So erarbeitet das Bundesamt für Polizei bis Ende 2010 ein Konzept zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität und der Sicherheitsausschuss des Bundesrates legt bis Ende Jahr einen interdepartementalen Vorsorgeplan zum Thema Cyber-Attacke vor. Ausserdem hat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartment für die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität mehr Personal beantragt. Auch Pascal Lamia von Melanie, wo derzeit acht Personen beschäftigt sind, möchte mehr Personal: "Ich hätte gern das Zehnfache", sagte er gegenüber dem 'Sonntag'.
Das Fedpol richtet zudem eine neue Kontaktstelle für die internationale Zusammenarbeit ein, die täglich rund um die Uhr besetzt sein soll. Auch das Rechtshilfegesetz wird entsprechend angepasst und den Behörden die Kompetenz eingeräumt, Computer-Verkehrsdaten in bestimmten Fällen bereits vor dem Abschluss des Rechtshilfeverfahrens zu Ermittlungszwecken an die antragsstellende Behörde auszuhändigen. Die beiden letzten Massnahmen sind Teil der Gesetzesänderungen im Zusammenhang mit der Ratifizierung der Konvention über die Cyberkriminalität des Europarates. (bt)

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