Der Bund sucht Public-Cloud-Provider

7. Dezember 2020, 11:25
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Ab September 2021 will die Bundesverwaltung für 5 Jahre von maximal 5 Providern Public-Cloud-Services beziehen.

Nach einer umfassenden Bedarfsumfrage in allen Departementen, der Bundeskanzlei sowie bei den 5 internen Leistungserbringern geht der Bund von einem jährlichen Bedarf an Public-Cloud-Leistungen von durchschnittlich 22 Millionen Franken aus. Auf Simap ist nun die Ausschreibung für die Lieferung dieser Public-Cloud-Services ab September 2021 bis Ende August 2026 erfolgt. Maximal 5 Provider werden gesucht. Und "da zum Zuschlagszeitpunkt nicht absehbar ist, welcher Zuschlagsempfänger schlussendlich für die einzelne Leistung berücksichtigt wird", gelte für jeden der fünf Verträge das Kostendach von insgesamt 110 Millionen Franken.
Konkret adressiert die Ausschreibung einen wichtigen Massnahmenbereich der vom Bundesrat im April 2020 verabschiedeten IKT-Strategie des Bundes 2020 –2023.
Weiter heisst es in dem Pflichtenheft, dass in "einem ersten Schritt diejenigen Public Cloud Service Provider in ein Angebotsportfolio aufgenommen werden, welche kostengünstige, ausgereifte und skalierbare Infrastruktur- und Plattformdienste bieten, wie zum Beispiel Speicher, (hoch performante) Rechenleistung und Entwicklungsplattformen". Ausserdem erwarte man, dass der Servicekatalog dieser Provider neue Technologien und Services beinhalte.
Gleichzeitig wird mitgeteilt, dass diese Ausschreibung möglicherweise nicht alle Bedürfnisse der Bundesverwaltung an Public Cloud-Diensten abgedeckt: "Sofern es darüberhinausgehende spezifische Bedürfnisse gibt (zum Beispiel datenschutzrechtliche Aspekte, Minimierung von Abhängigkeiten von grossen internationalen Public Cloud Service Providern, andere Leistungsanforderungen und so weiter), behält sich die Bundesverwaltung zusätzlich ergänzende Beschaffungen vor".
Ausdrücklich ausgeschlossen von der Angebotsabgabe sind "Reseller und/oder Bietergemeinschaften". Zudem wird betont, dass dieser Auftrag weder ERP- noch Office- und Collaboration-Services umfasst. Diese sollen gesondert beschafft werden.
Bei den Zuschlagkriterien werden Preis und Qualität mit je 30% gewichtet. Interessant ist, dass neben den Vertragsbedingungen (20%) und dem Volumenrabatt (10%) der RZ-Standort Schweiz mit 10% kaum eine Rolle bei der Auftragsvergabe spielt.
Hingegen erwarte man von den künftigen Providern, dass sie einen umfangreichen Servicekatalog erfüllen können. Dazu gehören beispielsweise "neueste Technologien und Services in den Bereichen IoT, Big Data, AI / ML, Analytics, Blockchain, Mobile Services, Container, Event Stream Processing, dbPaaS, FaaS, API Management". Zudem werden "ausgereifte und umfangreiche Services" genauso für Cyber Defence, Security, Monitoring und Developer-Tools erwartet wie für IaaS und PaaS in den Bereichen Computing, Storage, Network und Middleware. Weiter wird vorausgesetzt, dass sämtliche Services die Charakteristiken der amerikanischen NIST-Definition (National Institute of Standards and Technology) für Cloud Computing erfüllen und eine kurze Bereitstellungszeit aufweisen. Weiter muss der Service-Bezug in einem Pay-as-you-go Modell ermöglicht werden und ohne Investitionen des Bundes beim Provider auskommen.
Dass der Bund überhaupt Public Clouds nutzt, wird damit begründet, dass diese Dienste im Gegensatz zu Private Clouds folgende Vorteile aufweisen: Innovative Technologien und Lösungen stünden auf Abruf bereit, für grosse Belastungsschwankungen würden ausreichende Rechenleistung und Speicher bestehen und der finanzielle und personelle Ressourcenaufwand für Aufbau, Betrieb und Wartung eigener Infrastrukturen respektive Plattformen reduziere sich oder entfalle. Zudem würden keine Investitionsrisiken infolge rasch alternder Cloud-Hard- und –Software mehr bestehen.
Zudem rechnet man beim Bund damit, dass "aufgrund der Grösse und der Wachstumsdynamik des Cloud-Marktes grosse Public-Cloud-Service-Provider ihre Servicekataloge stetig weiterentwickeln und die Bundesverwaltung so rascher von Innovationen profitieren kann".

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