Der Client in der Wolke

5. Oktober 2012, 13:52
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Die Anwendungen in der Dell-Wolke und am Boden der Wyse-Client. So stellt sich der texanische IT-Riese Dell die Zukunft vor. Stolz und keineswegs als armes geschlucktes Opferlamm präsentiert sich der Thin-Client-Marktführer Wyse ein halbes Jahr nach der Übernahme durch Dell.

Die Anwendungen in der Dell-Wolke und am Boden der Wyse-Client. So stellt sich der texanische IT-Riese Dell die Zukunft vor. Stolz und keineswegs als armes geschlucktes Opferlamm präsentiert sich der Thin-Client-Marktführer Wyse ein halbes Jahr nach der Übernahme durch Dell.
Auf der Webseite des Thin-Client-Herstellers Wyse prangt ein halbes Jahr nach der Ankündigung der Übernahme durch Dell Anfang April 2012 nun: "Wyse ist jetzt Dell Wyse". Schaut man sich aber die Visitenkarten von Europa-Chefmarketier David Angwin und seines deutschen Zentral- und Osteuropafrontmanns Hagen Dommershausen an, ist diese neue Corporate Identity selbst in den dafür zuständigen Reihen noch nicht wirklich durchgedrungen.
Die Tage der Münchner "Systems" mit Hallen so brechend voll wie die Bierzelte auf der "Wiesn" sind zwar längst vorbei. Der Tradition sind viele Unternehmen aber treu geblieben und bitten ihre Kunden und Partner zum Oktoberfest in die bayerische Weisswurstmetropole. So auch Dell Wyse, aber statt in eins der lärmigen Riesenzelte, ging es in die beschaulichen Räume des Feinschmeckers Käfer, bekannt auch als Besitzer der Nobeldisco P1.
Mega-Schritt zur B2B Solutions Company
Wie der langjährige Wyse-Manager Angwin ausholte, war sein Unternehmen für Dell nicht nur als Nummer eins bei Thin-Clients interessant, sondern vielmehr auch für seine Stärke im Software-Bereich, auf dem Gebiet der Desktop-Virtualisierung etwa, sowie in der engen Zusammenarbeit mit den Kunden. Die Übernahme ist laut Dommershausen nicht nur eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen von Dell auf dem Weg zum führenden Cloud- und End-to-End-Lösungsanbieter gewesen, sondern habe auch wesentlich dazu beigetragen, das Channel-Profil des einstigen Direktanbieters zu stärken.
Schliesslich sei Wyse seit jeher dem indirekten Vertriebsmodell verpflichtet gewesen, in vielen Ländern, so auch in der Schweiz, zu 100 Prozent oder annähernd so viel. In der Schweiz laufen die Geschäfte von Dell als Ganzes auch schon zu mehr als einem Drittel indirekt, hatte Mitte des Jahres der Channel-Chef Stephan Mühlemann verraten. Dommershausen wusste von einem grossen Schweizer Versicherungsunternehmen zu berichten, das zu 100 Prozent auf Virtualisierung umgeschwenkt sei - mit Lösungen von Wyse natürlich.
Über 3'000 Reseller in aller Welt, mehr als 20 Millionen verkaufte Thin-Clients im vierten Quartal 2011 und über 200 Millionen Nutzer waren auch gute Gründe für die Übernahme. Hinzu kommt eine grosse innovative Kraft, wie Angwin betont. Vor fünf Jahren als Anbieter von Terminals und von Tablet-PCs, die damals aber noch niemanden interessierte, noch eher Hardware-Hersteller, habe Wyse sehr viel in Software investiert, so dass schliesslich von 250 Ingenieuren 225 nur für den Bereich zuständig waren. Im Hardware-Bereich baue man auf die gute Zusammenarbeit mit den führenden Auftragsfertigern in China.
Aber selbst bei einem weit über das Industriemass hinausreichenden Wachstum von 35 Prozent bis zur angekündigten Übernahme im April konnte Wyse bald die Vielzahl der Vorhaben auf der eigenen Roadmap nicht mehr stemmen. Deshalb war die neue Muttergesellschaft als finanzstarker Investor mit dem von Michael Dell nach seiner Rückkehr vor fünf Jahren postulierten Willen, nachhaltig den Weg zur "B2B Solutions Company" einzuschlagen, die ideale Lösung für Wyse, so Angin.
Einfachheit lautet das Credo
20 Zukäufe in weniger als zwei Jahren, darunter zuletzt SonicWall, Wyse und Quest für den Bereich des Software-Managements, schüren natürlich auch Sorge bei den Channel- und Distributionspartnern. Die aggressiv erscheinenden Akquisitionen passen aber auch ins Bild eines Unternehmens mit dem Willen für nachhaltiges Wachstum, während andere wie PC-Marktführer HP ihre Partner verunsichern mit Meldungen über Massenentlassungen bis hin zur Verabschiedung aus gewissen Märkten. Mit dem von Dell eingebrachten und nunmehr voll integrierten Team für den Bereich Desktop-Computing habe man sich produktseitig gut ergänzt, merkte Dommerhausen an. Oberstes Ziel sei immer die Kundenzufriedenheit.
Anhand einer Grafik zeigte Angwin, wie sich mit dem Einzug von Bring Your Own Device (BYOD) wie Laptops, Tablets und Smartphones zwar vielfach die Produktivität erhöht, gleichzeitig aber auch die Komplexität, Kosten und Risiken steigen. Mit Bereitstellung, Sicherung und Management zusammengeführt in der Cloud - mit Dell Wyse natürlich – steige die Produktivität, hielten sich die Risiken aber in etwa auf Niveau der traditionell eingesetzten Desktop-PCs. Richtig gemanagt, reisst die Produktivität laut Angwin auch bei Verlust eines der Geräte nicht ab, denn die Anwendung bleibe schliesslich in der Wolke erhalten. Im Prinzip sei dies auch nichts Neues, aber kein anderes Unternehmen könne mit dem Fokus auf "Simplicity" (Einfachheit) dieses Benutzererlebnis bieten, erklärte Dommershausen. "We believe in making it simple", fügte der Engländer Angwin hinzu. (Klaus Hauptfleisch)

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