Der Drache hat noch Hunger

11. Juni 2012, 15:04
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"Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll", sagte schon Chinas grosser Reformer Deng Xiaoping. Huawei geht heute den umgekehrten Weg: In Richtung Westen auf der Suche nach Erfolg.

Hochhausbaustellen empfangen den Besucher der südchinesischen Stadt Shenzhen.
Ganz so wie Chinas Wirtschaft geht es heute auch Huawei. Der Telekomausrüster aus dem südchinesischen Shenzhen legte in den letzen Jahren fulminante Wachstumszahlen hin - geriet zuletzt aber etwas ins Stocken. Grund dafür war, dass westliche Carrier aufgrund der Wirtschafts- und Staatsschuldenkrisen die Investitionen in ihre Netze herunterfahren. Während sich China im Jahr der politischen Erneuerung trotz dem im Vergleich zu Europa und den USA immer noch imposanten Wachstum Konjunkturstützungsmassnahmen überlegt, steht Huawei ebenfalls vor einem Wendepunkt: Als Ergänzung zum stockenden Carrier-Geschäft soll das 2011 lancierte Business mit Unternehmens-IT nun endlich in Fahrt kommen. Ausserdem möchte Huawei auch im Smartphone- und Tabletmarkt eine grössere Rolle spielen.
Das Unterfangen ist nicht einfach. Huawei sieht sich mit grossen Widerständen konfrontiert. Sowohl die EU als auch die USA vermuten, dass Huawei wie auch der chinesische Rivale ZTE von der chinesischen Regierung illegalerweise subventioniert werden. Ausserdem hat der weltgrösste Netzwerkgerätehersteller Cisco - der schon vor zehn Jahren einen Patentstreit mit Huawei geführt hatte - jüngst wieder gestichelt: Imitation sei keine Innovation.
Blick nach Westen
Huawei versucht deshalb, mit einer Charme- und Marketingoffensive im Westen auf sich aufmerksam zu machen. Der Westen soll sehen, dass hier ein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen am Werk ist, das sich keine Grenzen setzen will. Erstmals wurden dieser Tage Schweizer Journalisten im grossen Stil nach Shenzhen geflogen, damit sie sich ein Bild der riesigen Produktionsanlagen und der "Stärke" Huaweis machen können. Mehr dazu in den nächsten Tagen.
Die Botschaft Huaweis ist indes schon jetzt klar: Der Drache hat noch Hunger, hat noch viel zu bieten. Nachdem die Chinesen im Carrier-Geschäft weltweit die zweite Position hinter Ericsson erobert haben, geht es jetzt darum, im Netzwerkbusiness Anbietern wie HP, Dell und - warum nicht? - Cisco an den Kragen zu gehen. "Huawei? Wer ist Huawei?", fragen durchaus techinkinteressierte Europäer heute noch. In Shenzhen stellt diese Frage niemand. (Text und Foto: Maurizio Minetti, Shenzhen)

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