Der grosse Krypto-Raub: Hacker mit Heldenkomplex

12. August 2021, 12:33
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Die Beute hat er zur Hälfte zurückgegeben und er schwingt sich gleichzeitig aufs hohe Ross der Selbstgerechtigkeit.

Obwohl es sich um den bisher grössten Hack einer Krypto-Währungs-Plattform hatte, scheint der Hacker, der das Poly Network knackte und Kryptowährung im Wert von rund 600 Millionen Dollar erbeutete, eine Einzelmaske gewesen zu sein. Und eine eher seltsame Persönlichkeit obendrein.
Nachdem ihm Poly Network am Tag zuvor mit scharfen Worten damit gedroht hatte, in vielen Ländern die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten, wenn er das Geld nicht zurückgebe, hat er dies getan, zumindest teilweise. Stand Gestern Abend hat er gemäss diversen Berichten knapp die Hälfte seiner Beute retourniert. Zurückgegeben wurden Binance-Coins im Wert von rund 256 Millionen Dollar und etwas Polygon und Ethereum. Noch hat der Hacker aber 269 Millionen Dollar in Ethereum und 84 Millionen Dollar in Polygon behalten.
Gleichzeitig mit der Rückgabe eines Teils der Beute hat der Hacker dem Poly Network anscheinend auch ein "Q&A" zukommen lassen, das von Tom Robinson, Mitgründer der Kryptowährungen-Analysefirma Elliptic auf Twitter veröffentlicht wurde
Das Dokument ist eine Mischung aus Eigenlob, Selbstgefälligkeit und Rechtfertigungen. Der Hack, so der Angreifer beispielsweise, habe schlicht Spass gemacht. Aber er sei auch die einzige Möglichkeit gewesen, Poly Network auf das von ihm entdeckte Sicherheitsloch hinzuweisen. Hätte er einfach das Team informiert, so habe er befürchtet, hätte sich jemand davon als "Verräter" erweisen und das Geld selbst abzügeln können. Und warum hat er das Geld auf eigene Konten transferiert? Um es sicher zu halten!, behauptet er.
Gereizt habe ihn der Hack auch, weil Poly Network eigentlich ein gutes System sei und damit schwierig zu knacken. Von Anfang an habe er die Absicht gehabt, seine Beute zurückzugeben. Dann habe er aber trotzdem angefangen, etwas damit zu handeln, weil er über die Reaktion des Teams von Poly Network verärgert gewesen sei. Dieses habe andere Leute dazu aufgefordert ihn, den Hacker, für den Hack verantwortlich zu machen und zu "hassen". Einige der Coins habe er nur anderswo deponiert, um etwas Zinsen damit zu verdienen und allfällige Kosten zu decken.
Die zweite Hälfte des Geldes habe er nun aber zurückbehalten, um Zeit zu erhalten, mit dem Poly Team zu reden. Dies sei die einzige Möglichkeit die er sehe, seine "Würde" zu beweisen und gleichzeitig seine Anonymität zu wahren. Ausserdem brauche er etwas Ruhe.

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