Der ICT-Fachkräftemangel in Zahlen

18. September 2012, 13:35
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Laut einer Studie werden in der Schweiz – falls sich nichts grundlegendes ändert – in acht Jahren 25'000 ICT-Fachkräfte fehlen.

Laut einer Studie werden in der Schweiz – falls sich nichts grundlegendes ändert – in acht Jahren 25'000 ICT-Fachkräfte fehlen.
Das Basler Unternehmen Econlab hat im Auftrag des Verbands ICT-Berufsbildung Schweiz den hiesigen Arbeitsmarkt für ICT-Professionals intensiv unter die Lupe genommen. Laut dem gerade erschienenen Schlussbericht ist die Zahl der Beschäftigten im Berufsfeld ICT in der Schweiz zwischen 2009 und 2011 – trotz Krise – um 3,5 Prozent auf 177'000 gestiegen.
Bis ins Jahr 2020 könnte das Berufsfeld ICT hierzulande 213'000 Leute beschäftigen, prognostiziert die Studie, was mehr als zwei Prozent Wachstum pro Jahr entsprechen würde. Dazu müsste man aber, Pensionierungen und Abwanderungen eingerechnet, bis dahin 72'500 neue ICT-Fachkräfte rekrutieren, um alle Stellen besetzen zu können. Dafür stehen die Zeichen nicht gut. Angesichts des weiterhin eher geringen Zugangs von jungen Frauen und Männern in die Informatik sowie der bisherigen durchschnittlichen Zuwanderung errechnet Econlab, dass uns in acht Jahren 25'000 Fachkräfte fehlen könnten.
Folgen
Diese Situation, so prognostizieren die Autoren der Studie wird einige konkrete Folgen haben. So werde die Zuwanderung aus dem Ausland im Berufsfeld ICT auch weiterhin deutlich über dem Schweizer Durchschnitt liegen. Schon heute sei der Anteil an Migranten 63 Prozent höher als in anderen Berufen. Arbeitgeber würden zudem weiterhin in grossem Mass auf Quereinsteiger angewiesen sein und gewisse Arbeiten würden wohl auch aufgrund des Rerssourcenmangels ins Ausland ausgelagert.
Die volkswirtschaftlich bedenklichste Folge ist aber, dass der Schweiz dadurch ein grosses Wachstumspotential entgehen könnte. Gegenwärtig arbeiten laut der Studie 4 Prozent der Erwerbstätigen in ICT-Berufen und erwirtschaften dabei einen überdurchschnittlichen Anteil von 4,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Auch habe das Berufsfeld in den letzten 12 Jahren fast immer ein positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet.
Was tun?
Junge Menschen, welche heute eine ICT-Ausbildung beginnen, haben mittel- bis langfristig sehr gute Beschäftigungsaussichten, heisst es in der Studienzusammenfassung. Gefragt seien dabei ICT-Abschlüsse aller Arten, von der Berufslehre bis zum Hochschulstudium. Eine grosse Chance – und zugleich Herausforderung für die ICT – würde eine Erhöhung des Frauenanteils von heute lediglich 13 Prozent darstellen.
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Bildungspolitische Massnahmen, um das inländische Fachkräfteangebot zu erhöhen, die schon mittelfristig Wirkung zeigen könnten, seien aber beinahe ausschliesslich nur in der Berufsbildung möglich. Dazu müssten alle Branchen, nicht nur die eigentliche ICT-Branche, Anstrengungen unternehmen, da lediglich ein Drittel der ICT-Beschäftigten im ICT-Sektor tätig sei. Die restlichen zwei Drittel verteilen sich auf fast alle übrigen Branchen. (Hans Jörg Maron)

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