"Der PC ist ein Opfer seiner eigenen Geschichte"

14. August 2006, 13:46
  • international
image

Ist Virtualisierung eine Chance, die leidigen "OS-Altlasten" loszuwerden? Gartner-Analyst Brian Gammage glaubt daran.

Ist Virtualisierung eine Chance, die leidigen "OS-Altlasten" loszuwerden? Gartner-Analyst Brian Gammage glaubt daran.
"Der PC ist ein Opfer seiner eigenen Geschichte", meinte Gartner-Analyst Brian Gammage im Exklusivinterview mit 'pressetext'. 25 Jahre und rund 1,6 Mrd. verkaufte Geräte später gilt das von IBM am 12. August 1981 eingeführte "Personal Computer"-Konzept als Erfolgsgeschichte schlechthin.
"Die Funktionsweise des PCs als offene und erweiterbare Plattform, die in Eigenregie für das Erledigen unterschiedlichster Aufgabenstellungen eingesetzt werden kann, hat dessen Erfolg maßgeblich begründet. Das auf Rückwärts-Kompatibilität ausgerichtete Software- und Hardwaredesign wird dem PC in der heutigen Zeit allerdings zunehmend zum Verhängnis", warnt Gammage.
Den Marktforschern von Gartner zufolge sollen derzeit rund 870 Mio. Desktop- und Notebookgeräte in Betrieb sein. Der jährliche Umsatz der Industrie ist trotz des kontinuierlichen Preisverfalls auf über 200 Milliarden Dollar angewachsen - Tendenz weiter steigend.
Für Kopfzerbrechen sorgt hingegen die für den User nicht unbedingt sichtbare aber für Softwareentwickler schwerwiegende, zunehmende Komplexität, die durch die stetige Weiterentwicklung bestehender System- und Softwarearchitekturen in ungeahnte Dimensionen anwächst. "Die lange und komplizierte Entwicklungsphase von Microsoft Vista ist ein gutes Beispiel für die Probleme, die der historische Ballast eines derartig gewachsenen Betriebssystems mit sich bringt. Jeder Schritt nach vorne, bremst uns auch ein Stück weit ab", meint Gammage.
Branchenanalysten glauben allerdings, dass die Virtualisierungstechnologie zumindest teilweise einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten könnte. Dieses Prinzip eroberte zuerst die Welt der Mainframes, breitet sich seit einigen Jahren auch auf Servern vermehrt aus und ist nun dabei, auch für PCs langsam aktuell zu werden. Bei der Virtualisierung von Computern – ähnlich aber nicht zu verwechseln mit der Speichervirtualisierung – können mehrere Betriebssysteme bzw. Userumgebungen gleichzeitig und unabhängig voneinander auf der gleichen Maschine betrieben werden. Denkbar wäre es so zum Beispiel, dass in einer "Ecke" des PCs ein älteres OS für Rückwärtskompatibilität sorgt, während moderne Programme auf einem anderen, "ballastbefreiten" Betriebssystem oder Betriebssystemmodul laufen, das dann auch ohne Altlasten weiterentwickelt werden könnte.
"Die Virtualisierung kann sicherlich als Technologie des Jahrzehnts bezeichnet werden, da sie in der Lage ist, uns von den Restriktionen der Vergangenheit zu befreien", zeigt sich Gammage überzeugt. Den modularen Umbau der System-Architektur sieht er als Grundvoraussetzung, um Entwicklungsprozesse und Bedienbarkeit zu vereinfachen, bei gleichzeitiger Erhöhung von System-Stabilität und Sicherheit.
Gammage geht davon aus, dass die jüngsten Entwicklungen im Bereich Virtualisierung auch weitreichende Auswirkungen auf zukünftige Betriebssysteme mit sich bringen werden. "Bis der grundsätzliche Architekturumbau aber tatsächlich eingeleitet wird, bedarf es aber wohl noch einiger Zeit. In Hinblick auf die 25-jährige PC-Tradition wird dies mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen", so Gammage gegenüber pressetext. (pte/hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Ferrari

Die Gruppe Ransomexx hat angeblich erbeutete Dateien veröffentlicht. Der Automobilhersteller erklärt, keine Beweise für eine Verletzung seiner Systeme zu haben.

publiziert am 3.10.2022
image

USA gegen Russland: Wahl um ITU-Präsidium ist entschieden

Die International Telecommunications Union (ITU) der UNO wird neu von einer Amerikanerin geleitet. Doreen Bogdan-Martin setzte sich gegen einen Russen durch.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022 1
image

Schweiz: Wettbewerbsfähigkeit top, E-Government flop

In der aktuellen IMD-Studie steigt die Schweiz in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit in die Top 5 auf. Dahingegen schwächelt sie im Bereich E-Government.

publiziert am 29.9.2022 1