Der Schweizer Weltatlas geht ins Internet

27. Oktober 2010, 09:36
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Zum hundertjährigen Jubiläum wird wird eine der Ikonen der Schweizer Schulen digital und interaktiv.

Zum hundertjährigen Jubiläum wird wird eine der Ikonen der Schweizer Schulen digital und interaktiv.
Fast alle, die in der Schweiz in die Schule gegangen sind, kennen ihn: Der dieser Tage 100 Jahre alt gewordene Schweizer Weltatlas - vor 1981 noch Schweizerischer Mittelschulatlas genannt - dürfte das am weitesten verbreitete Schulbuch unseres Landes sein. Rund eine Million Exemplare des 1910 erstmals publizierten und seither in insgesamt je 12 deutschen, französischen und italienischen Auflagen erschienenen Weltatlasses sind im Umlauf.
Die an einem Medienanlass an der ETH vorgestellte neueste Ausgabe umfasst 392 einzelne Karten und Darstellungen auf 192 Seiten sowie ein umfangreiches Sachregister und einen Namensindex. Vor allem aber wird die Buchausgabe erstmals durch eine umfangreiche Anwendung im Internet ergänzt, den "Schweizer Weltatlas interaktiv". Erstellt wurde sowohl die gedruckte Version als auch die Web-Anwendung durch das Institut für Kartografie der ETH Zürich, wobei der Institutsleiter Prof. Dr. Lorenz Hurni als Chefredaktor das 12-köpfige Redaktionsteam beider Versionen führt. Die Arbeit ist eine Daueraufgabe, denn das Kartenwerk wird laufend fortgeschrieben. Als Herausgeber zeichnet die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren.
Kein Google-Earth-Abklatsch
Der im Web für jedermann zugängliche "Schweizer Weltatlas interaktiv" ist, wie die gedruckte Ausgabe, eine wahre Wundertüte, die zudem das Potenzial computergestützter Kartografie demonstriert. Mit dem neuen Web-Atlas wird die schweizerische Kartografie, die seit den Tagen der legendären Dufour-Karte aus dem 19. Jahrhundert Weltruf geniesst, ins Internetzeitalter weitergeführt. An ihrem Weltruf hat auch der Schweizer Weltatlas seinen Anteil, amteten doch jahrzehntelang so prominente Kartografen wie die ETH- Professoren Eduard Imhof und dessen Nachfolger Ernst Spiess als Chefredaktoren.
Auf deren Vorarbeit in der Form stetig verbesserter 2D-Karten in Senkrechtprojektion - unterschiedliche topografische Darstellungen, seit 1993 mit thematischen Wirtschaftskarten ergänzt - stützt sich sowohl die gedruckte Atlas-Version als auch der Web-Atlas. Dabei ist der Weltatlas aber nicht einfach eine weitere Karte im Internet – um den Weg von A nach B zu finden, benutzt man besser eine der normalen Karten - sondern bleibt hauptsächlich ein Lehrmittel. Seine Stärken sind neben den topographischen Karten im klassschen Design eine Vielzahl von Karten mit Zusatzinformationen wie Temperaturen, Bevölkerungsdichten, Sprachen und vielem mehr.
2D und 3D
Gerade darin zeigt sich ein Vorteil der digitalen Darstellung auf dem PC. Karten gelten als Darstellungen mit höchster Informationsdichte, und diese hohe Dichte führt oft dazu, dass thematische Karten, die mit der Darstellung der Geländeform kombiniert sind, graphisch überladen wirken. Der Web-Atlas bietet eine elegante Lösung dieses Problems, weil er erlaubt, die komplexen Kartendarstellungen in einzelne Ebenen aufzulösen, etwa Topografie, Wirtschaftsgeografie oder Demografie, wie dies in geografischen Informationssystemen gebräuchlich ist.
Ein weiteres Glanzlicht des neuen Webatlanten sind seine 3D-Darstellungen. Zum Beispiel in sogenannten Blockbildern: Als plastisch gestaltete Geländemodelle zeigen sie naturähnliche Darstellungen von zahlreichen Erdgegenden, beispielsweise dem Engadin im Sommer mit der Vegetation oder im Winter unter einer Schneedecke. Die Blockbilder lassen sich aus wählbaren Standpunkten betrachten und nach Belieben drehen und wenden.
Eine Besonderheit sind zudem die Globusdarstellungen etwa von Meeres- und Luftströmungen oder Landmassen und Ozeanen auf der Erde, die ein Betrachter nach Gutdünken drehen kann, um so die Sichtbarkeit der Geografie zu verändern. Ein bewegtes Astronomie-Modul schliesslich soll dem Benutzer augenscheinlich klar machen, warum und wie sich die Tageslängen im jährlichen Umlauf der Erde um die Sonne verändern, und wie die Jahreszeiten in den unterschiedlichen Breitengraden entstehen.
Junge Menschen sollen mit diesem modernen Lehrmittel die Welt auf neue Art entdecken können. Gegenwärtig ist die Internet-Vorversion noch für jederman kostenlos zugänglich. Wenn alle Karten in allen vier Landessprachen verfügbar sind, soll die Vollversion voraussichtlich etwas kosten. Eine reduzierte Version wird aber auch dann kostenlos bleiben. Der Schweizer Weltatlas in Buchform ist in deutscher, französischer und italienischer Sprache beim Lehrmittelverlag Zürich erhältlich. Er kostet für Private Fr. 63.80 (für Schulen Fr. 51.--). Dazu gibt es einen Kommentarband zum Preis von Fr. 68.80 (Schulpreis Fr. 56.--). (Gregor Henger/hjm)

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