Der tiefe Fall von Violin Memory

19. Dezember 2016, 12:35
  • international
  • verkauf
image

Violin Memory ist das Geld ausgegangen. Der Flash-Storage-Pionier will Gläubigerschutz nach Chapter 11 und kommt im Januar unter den Hammer.

Violin Memory ist das das Geld ausgegangen. Der Flash-Storage-Pionier will Gläubigerschutz nach Chapter 11 und kommt im Januar unter den Hammer.
Violin Memory, einer der Pioniere im Bereich All-Flash-Storage, hat am letzten Donnerstag in den USA ein Gesuch um Gläubigerschutz nach den Statuten der Chapter-11-Verordnung gestellt. Chapter 11 erlaubt einem Unternehmen, seine Geschäfte weiter zu betreiben, auch wenn es kein Geld mehr hat, um seine Gläubiger zu bezahlen. Allerdings müssen die zuständigen Behörden zuerst diesen Status bewilligen.
Gleichzeitig hat Violin Memory bekannt gegeben, dass schon im Januar eine Auktion zum Verkauf des Unternehmens stattfinden soll. Violin hofft, dass insbesondere das vorhandene Patentportfolio und die bestehenden Kundenbeziehungen Bieter auf den Plan rufen werden. Das 2005 gegründete Unternehmen hat schon seit mindestens einem Jahr ohne Erfolg nach einem potentiellen Käufer Ausschau gehalten. Es ist allerdings gut möglich, dass einige Interessenten, denen Violin bisher zu teuer war, das Unternehmen nun als "Schnäppchen" tatsächlich kaufen könnten.
Vom Boom nicht profitiert
Das Wort "Chapter 11", Anfang der 2000er Jahre nach dem Platzen der Internetblase schon fast ein geflügeltes Wort, ist in den letzten Jahren in der IT-Branche nur noch selten gefallen. Umso erstaunlicher eigentlich, dass nun einem Pionier in einem boomenden Gebiet der IT das Geld ausgegangen ist. Und Violin Memory war nicht irgendein Player, sondern bis 2012 Marktführer im Bereich All-Flash-Storage, hat es Violin Memory aber nie geschafft, die Kurve zu kratzen und seine frühe Marktführerschaft in Gewinne umzumünzen.
Ein Grund dafür könnte die Konzentration auf den High-end-Markt für All-Flash-Arrays, insbesondere Systeme zur Speicherung von geschäftskritischen Datenbanken, gewesen sein. Diese anfänglich vielversprechende Idee machte Violin später zu einem Nischenplayer, der das volle Marktpotential des breiteren Flash-Markts nicht nutzen konnte. Dies im Gegensatz zu anderen Flash-Startups sowie den eingesessenen Storage-Playern, die ebenfalls in den Markt eintraten, nachdem er begonnen hatte, zu boomen.
Der Niedergang von Violin Memory zeigt sich auch dramatisch im Aktienkurs des Unternehmens. Im September 2013 ging das Unternehmen an die Börse, verlangte neun Dollar pro Aktie und nahm knapp 170 Millionen Dollar ein. Dieses Geld wurde mittlwerweile verbrannt. Nach dem Börsengang fiel der Kurs unaufhörlich. Zuletzt lag er bei etwas über 15 Cents - obwohl das Unternehmen die Zahl der Aktien vor wenigen Monaten noch durch einen "Reverse Split" um drei Viertel reduziert hatte. Nach der Ankündigung des Chapter-11-Gesuchs ist der Kurs auf unter fünf Cents gefallen. Der Börsenwert liegt damit nur noch knapp über eine Million Dollar. (hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwerer Schlag gegen eine der erfolgreichsten Ransomware-Banden

Die Gruppe Hive hatte unter anderen Emil Frey und Media Markt attackiert. Jetzt haben das FBI, Europol und weitere Behörden die Hive-Infrastruktur ausgeschaltet.

publiziert am 27.1.2023
image

Intel-Zahlen rasseln in den Keller

Im vergangenen Quartal fiel der Umsatz im Jahresvergleich um 32% auf 14 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steht sogar eine rote Zahl.

publiziert am 27.1.2023
image

Sunrise will nicht freiwillig auf Huawei verzichten

Ohne politischen Druck werde man nicht auf die Mobilfunktechnologie des chinesischen Anbieters verzichten, sagte der CEO der Muttergesellschaft.

publiziert am 26.1.2023
image

Auch bei IBM stehen weltweit Entlassungen an

Der Konzern will rund 4000 Jobs streichen. Betroffen sind diejenigen Bereiche, die nicht in Kyndryl und Watson Health ausgelagert wurden.

publiziert am 26.1.2023