Deutsche Börse baut Cloud-Computing-Spotmarkt

2. Juli 2013, 15:05
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Kann man mit Cloud-Computing-Ressourcen schon so einfach handeln wie mit Schweinehälften?

Kann man mit Cloud-Computing-Ressourcen schon so einfach handeln wie mit Schweinehälften?
Ein ganz neuer Player drängt sich auf den Cloud-Computing-Markt. Eignen sich Cloud-Computing-Services schon dazu, wie Rohstoffe, CO2-Zertifikate oder Schweinehälften an einem Spotmarkt gehandelt zu werden? Die Deutsche Börse AG glaubt dies und will bereits Anfang 2014 die nach eigenen Angaben weltweit erste "neutrale, sichere und transparente" globale Handelsplattform für Cloud-Computing-Ressourcen lancieren. Anfänglich sollen dort Computing- und Speicherkapazitäten gehandelt werden, später könnten auch weitere Cloud-Services folgen. Die Zielkundschaft sind hauptsächlich Grossunternehmen, Unternehmen aus der ICT-Branche selbst sowie Forschungsinstitute und andere Organisationen aus dem öffentlichen Bereich. Von der Anbieterseite haben laut der Deutschen Börse beispielsweise T-Systems, Equinix, HostEurope oder CloudSigma bereits Interesse angemeldet. Die neue Handelsplattform soll im Februar 2014 den Handel als Spotmarkt aufnehmen.
Frank Strecker, verantwortlich für das Cloud-Geschäft von T-Systems, glaubt, dass der neutrale Cloud-Spotmarkt eine grosse Chance für sein Unternehmen ist: "Die Deutsche Telekom-Gruppe bietet ein breites Angebot an Cloud-Services. Dieser Marktplatz wird es uns ermöglichen, bestehende und neue Kundengruppen wie Software-as-a-Service-Anbieter mit weltweit standardisierten Infrastructure-as-a-Service-Produkten zu beliefern. Dadurch sind wir in der Lage unseren Kunden jederzeit massgeschneiderte Lösungen anzubieten."
Deutsche Cloud-Management-Software als Basis
Der Betreiber des Cloud-Marktplatzes wird die Deutsche Börse Cloud Exchange AG sein, ein von der Deutschen Börse zusammen mit dem Berliner Softwarehersteller Zimory gegründetes Joint Venture. Zimory wird die Cloud-Management-Software liefern, welche die Basis des Marktplatzes bilden und die Verbindung zwischen Serviceanbietern und Kunden schaffen soll. Die Software bietet laut Zimory offene, standardisierte Schnittstellen und könne die Cloud-Angebote von Unternehmen herstellerneutral einbinden.
Ohne Standards keine Börse
Um Cloud-Services verschiedener Anbieter überhaupt an einer Börse handelbar zu machen, müssen sie standardisiert und somit von Kunden einfach vergleichbar sein. Die Deutsche Börse verspricht, solche Standards bei den auf dem Cloud Exchange vertretenen Anbietern durchzusetzen. Dies betreffe nicht nur das Produktangebot oder die Bedingungen für die Zulassung zum Exchange. Des weiteren soll es auch Standards dafür geben, wie Kunden den Anbieter wechseln können oder wie Service Level und die gekauften Kapazitäten garantiert werden. Kunden sollen zudem verbindliche Garantien dafür erhalten, wo ausgelagerte Daten gespeichert werden, beziehungsweise welcher Rechtsraum dafür gilt.
Der Zimory-Chef Rüdiger Baumann glaubt, dass die Cloud-Börse die Beschaffung von IT-Ressourcen so ziemlich revolutionieren könnte: "Die Zeiten, in denen monatelang über Cloud-Service-Verträge verhandelt wurde, werden für die meisten Geschäfte vorbei sein. ... Cloud Services werden schneller und vielfältiger bereitgestellt werden können. Neue Cloud-Computing-Industrien, Anwendungsgebiete und Brokerage-Services werden entstehen. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind Standards und ein neutraler, sicherer Marktplatz, den wir mit der Deutschen Börse zusammen schaffen." (Hans Jörg Maron)

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