Deutsche Telekom schafft die Flatrate ab

23. April 2013, 04:18
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Der Netzausbau soll, wenn es nach der Deutschen Telekom geht, von den – privaten - Nutzern mitbezahlt werden.

Der Netzausbau soll, wenn es nach der Deutschen Telekom geht, von den – privaten - Nutzern mitbezahlt werden.
Infrastrukturen sind teuer und weil das Datenvolumen im Netz rapide zunimmt, müssten die Netze kontinuierlich ausgebaut werden. Was sich selbstverständlich anhört und in der Schweiz von den Netzwerkbetreibern - wenn auch mit gelegentlichen Misstönen - selbst vorangetrieben wird, will sich die Deutsche Telekom ab 2016 vom Nutzer bezahlen lassen. In einer Pressemeldung von gestern teilt der Konzern mit: "Wir wollen den Kunden auch in Zukunft das beste Netz bieten und dafür investieren wir weiterhin Milliarden. Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren. Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen".
Damit steht die bisherige Flatrate vor dem baldigen Aus. Ab dem 2. Mai bereits werden die neuen Verträge eine Klausel enthalten, nach denen künftig die Telekom ihre Tarifstruktur für Internetanschlüsse im Festnetz wie im Mobilfunk abrechnen kann. Diese neuen "Call&Surf- und Entertain-Verträge" werden integrierte Highspeed-Volumina von maximal 75 GByte ausweisen. Ist die Grenze erreicht, wird die Internetbandbreite einheitlich auf 384 Kbit/s reduziert. Wer dann schneller unterwegs sein will, muss sich "über Zubuchoptionen", wie die Telekom schreibt, weitere Hochgeschwindigkeits-Volumen kaufen. Technisch soll die Lösung ab 2016 umgesetzt und damit Alltag werden.
Der Aufschrei in den deutschen Medien und bei den Kunden der Telekom ist nicht nur deshalb besonders gross, weil von der Abschaffung dieser Flatrate nur private Kunden betroffen sind. Sondern auch weil die Telekom eigene Internet-Services, zum Beispiel den TV-Service "Entertain", von dieser Limitierung ausnimmt. Inzwischen hat der Telco-Riese auf seine Kritiker reagiert und Fragen und Antworten zum Thema ins Netz gestellt. Dass die Begrenzung auf 75 GByte viel zu knausrig sei, wie kritisiert wird, glaubt man bei der Telekom nicht, da der durchschnittliche Kunde heute nur knapp ein Viertel davon nutze. Deshalb könne auch nicht von Abzocke die Rede sein, weil die meisten Kunden ohnehin nicht betroffen seien.
Beim deutschen 'Handelsblatt' spricht man dagegen bereits von einem "Fall für die Kartellwächter". Denn wer ans Tempolimit kommt, der hat die damit einhergehenden Nachteile nur bei den Diensten der Telekom-Konkurrenz. Deren eigene Angebote sind davon ausgenommen. "Damit nutzt die Telekom ihre dominante Position als Netzbetreiber, um Kunden auch von ihren Inhalten zu überzeugen", schreibt das 'Handelsblatt'. Das schade dem Wettbewerb und sei ein Fall für die Kartellbehörden. Zudem verstosse die Telekom mit der angekündigten Begrenzung gegen die Idee der Netzneutralität, wonach die Telekommunikationsanbieter alle Daten gleich zu behandeln haben. (vri)

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