Deutscher E-Personalausweis ein Debakel

4. Juli 2011, 12:49
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Online-Funkionen des neuen deutschen Personalausweises finden wenig Anklang. Siemens IT Solutions kriegt die Software für Mac nicht auf die Reihe. Sogar SuisseID hat mehr Anwendungen.

Online-Funkionen des neuen deutschen Personalausweises finden wenig Anklang. Siemens IT Solutions kriegt die Software für Mac nicht auf die Reihe. Sogar SuisseID hat mehr Anwendungen.
Die Identitätskarte heisst in der bundesdeutschen Amtssprache "Personalausweis", umgangssprachlich wird die Karte "Perso" genannt. Entsprechend heisst die elektronische Version davon "E-Perso". Diese wurde im vergangenem November eingeführt und soll es den BesitzerInnen auch erlauben, sich auch im Internet auszuweisen und zwar gegenüber Behörden ebenso wie privaten Anbietern, beispielsweise im Online-Shopping oder E-Banking. Dazu braucht es zusätzlich ein --http://www.personalausweisportal.de/DE/Die_neuen_Funktionen/Lesegeraete/Lesegeraete_node.html--kommerzielles
Lesegerät--.
Der E-Perso kostet 28,80 Euro, für 20 Euro zusätzlich gibt es auch eine digitale Unterschrift, die ebenfalls auf der Karte gespeichert wird. "Er ist klein, aber oho", sagte der damalige Innen- und heutige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (Foto), als er seinen E-Perso abholte. Fünf Millionen E-Persos wurden seit seiner Einführung vor acht Monaten schon abgegeben.
App lässt auf sich Warten
Trotz ministeriellem Lob wird immer grössere Kritik am E-Perso laut. So schreibt 'Welt Online', dass die Online-Funktionen einfach nicht richtig in die Gänge kämen. Im Zentrum der Probleme stünde die so genannte Ausweis-App, die Software, mit der der Ausweis im Internet genutzt werden kann.
Eine erste Version habe nach der Einführung aus Sicherheitsmängeln wieder zurückgezogen werden müssen, die unterdessen angepasste Version gibt es nur für PCs, aber nicht für Apple-Computer. Den Auftrag zur Entwicklung der App ging vor eineinhalb Jahren an Siemens IT Solutions (neu Atos), die Verzögerungen wollte dort gegenüber 'Welt Online' niemand kommentieren.
'Stiftung Warentest' kam bereits Ende des vergangenen Jahres zum Schluss, dass es durchaus sein könne, dass der neue Perso nach Erhalt nicht richtig funktioniere und online könne es es auch mal zu Verbindungsabbrüchen und Fehlermeldungen kommen.
Schufa, Arbeitsagentur und CeBit
Auch auf der Anbieterseite scheint das Interesse gering zu sein: Die Anzahl Anbieter ist noch ziemlich überschaubar und enthält eher selten benutzte Anwendungen, beispielsweise den CeBit-Eintritt oder die Registrierung der Kindergeldberechtigten auf dem Portal der Arbeitsagentur.
Mehr Angebote für die SuisseID
Laut 'Welt Online' hat sich die deutsche Regierung den E-Perso seit 2006 insgesamt fast 50 Millionen Euro kosten lassen. Hierzulande hat der Bund für die im Frühling 2010 Franken bezahlt. Dieses System übernimmt im Bereich der Online-Authentifizierung dieselbe Aufgabe wie der E-Perso, gilt aber nicht als Identitätskarte oder Reisedokument.
Auch wenn die Verbreitung weiter harzt und viele Leute nicht wissen zeigt. Insbesondere akzeptieren in der Schweiz Online-Shopping-Anbieter die SuisseID, beispielsweise Buch.ch, Brack Electronics oder Digitec. (Philippe Kropf)

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