Deutschland, ein IT-Sommer-Märchen?

19. Dezember 2006, 13:48
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Der IT-Gipfel der deutschen Bundesregierung ist vorbei. Es gibt wie zu erwarten Lob und Kritik und eine bittere Erkenntnis. Der Podcast der Kanzlerin ersetzt keinen Klinsmann.

Der IT-Gipfel der deutschen Bundesregierung ist vorbei. Es gibt wie zu erwarten Lob und Kritik und eine bittere Erkenntnis. Der Podcast der Kanzlerin ersetzt keinen Klinsmann.
Der Sommer 2006 hat angedeutet, was Deutschland leisten kann, wenn sie diejenigen sind, "wo gwinne wolle". Mit dem nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung im Potsdamer Hasso-Plattner-Institut wollte Kanzlerin Angela Merkel eine entsprechende Aufbruchstimmung in die IT-Branche tragen. 220 geladene Gäste aus dem 'who-is-who' der deutschen IT-Szene brachten in acht Arbeitsgruppen auf der Tagung dann auch gut 100 Seiten Papier zustande. Ähnlich wie schon bei der Hochschulförderung will Deutschland auch beim Thema IT auf Schwerpunkt- statt auf Flächenförderung setzen. Unter dem leicht missglückten Titel "Leuchtturmprojekte", ein solcher funktioniert bekanntlich am besten, wenn es zappenduster ist und so schlecht geht es der IT-Branche unserer Nachbarn nun doch nicht, sollen vier Bereiche gezielt vorangetrieben werden.
Die semantische Suchmaschine "Theseus", der deutsche Ableger des ursprünglich mit Frankreich ins Leben gerufenen Projekts Quaero, soll als Basistechnologie für ein semantisches Web den Kern des "Internets der Dienste" bilden. Das "Internet der Dinge" bekommt als Nukleus die Radio-Frequency-Identification-Technologie von IDTechEx aus Grossbritanien 2006 zwar nicht wie erhofft entwickelt, trotzdem betätigten die Teilnehmer in Potsdam dem Konzept grosses Potential. Des Weiteren wurde beschlossen, in einer "E-Energie" getauften Initiative innovative Energiekonzepte mit Hilfe der ITK zu entwickeln und eine führende Rolle beim Aufbau und der Nutzung des Satellitennavigationssystems Galileo zu spielen. Die deutsche Regierung unterstützt die Projekte mit zunächst einmal 280 Millionen Euro.
Keine KMU, keine Datenschützer
Kritik an der Veranstaltung kam wie schon im Vorfeld vor allem von mittelständischen IT-Unternehmen, die bei der Veranstaltung gänzlich fehlten und den Datenschützern. Diese bemängelten vor allem, dass man das Thema informationelle Selbstbestimmung komplett ignoriert würde. Das Deutschlands Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nicht einmal eine Einladung zu der Veranstaltung erhielt, unterstreicht den rein ökonomischen Charakter der Tagung. An diesem dürfte es zudem liegen, wenn die IT-Branche auch weiterhin über Fachkräftemangel und Einwanderungserleichterungen lamentieren wird. Denn in dem Wust der "förderungswürdigen Projekte" ging ein zentrales Thema bei Politikern wie Wirtschaftsvertretern völlig unter, die Nachwuchsförderung. Wenn von diesem nationalen IT-Gipfel irgendwo ein Ruck ausgelöst wird, dann nur bei den Antragsstellern auf Fördergelder. Wer Jugendliche wieder für IT-Technologie begeistern will, bräuchte Identifikationsfiguren. Einen Klinsmann, eine Ballack oder wenigstens einen Löw der IT-Welt. So aber bleibt SAP-Chef Henning Kagermann nur, die erhofften "Top-Talente für Deutschland" weiterhin im Ausland zu suchen. Die spielen aber lieber in der Champions-League und die heisst nun mal bis auf weiteres USA. (tm)

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