Die Angst vor dem Crash 2.0

15. Februar 2016, 09:32
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    Technologie-Aktien hat der seit Jahresbeginn anhaltende Börsensturz besonders heftig getroffen. Selbst Papiere von Branchenriesen wie Apple oder Alphabet (Google) sind unter Druck.

    Technologie-Aktien hat der seit Jahresbeginn anhaltende Börsensturz besonders heftig getroffen. Selbst Papiere von Branchenriesen wie Apple oder Alphabet (Google) sind unter Druck.
    Die Tech-Branche hat an der Börse einen miserablen Start ins neue Jahr hat erwischt. Anleger glauben gegenwärtig anscheinend nicht mehr an die rosigen Wachstumsaussichten, auf denen die hohen Bewertungen vieler Unternehmen basieren. Erinnerungen an den "Dot-com Crash" zur Jahrtausendwende kommen auf. Zu Recht?
    Der Technologie-Index Nasdaq Composite, in dem Branchen-Schwergewichte wie Apple, die Google-Mutter Alphabet oder Amazon gelistet sind, hat seit Jahresbeginn 15 Prozent verloren. Damit sind Zuwächse seit Ende 2014 futsch und Hunderte Milliarden an Börsenwert weg.
    Zwar hatten die Anleger in diesem Jahr bisher ohnehin nicht viel zu Lachen: Auch der US-Leitindex S&P 500 gab um fast zehn Prozent nach. Doch die Tech-Aktien sind besonders heftig unter die Räder gekommen.
    Experten warnen, dass es noch dicker kommen könnte. "Ich glaube definitiv, dass wir es in diesem Markt mit inflationierten Bewertungen zu tun haben", sagte Hany Nada, Gründer der Risikokapital-Firma GGV Capital, kürzlich dem Sender 'CNBC'. Teilweise würden Unternehmen doppelt so hoch wie angemessen gehandelt.
    Skepsis gegenüber "Einhörnern"
    Angefangen hatte der "Tech-Sturm" im vergangenen Jahr mit steigender Skepsis gegenüber Start-ups, die noch nicht an der Börse kotiert sind. Lange Zeit hatten Investoren diese Unternehmen mit Geld überschüttet, doch dann drehte die Stimmung. Das Potenzial der "Unicorns" (Einhörner) genannten Hoffnungsträger wurde auf einmal kritisch hinterfragt.
    Als "Unicorns" werden (meist Tech-)Firmen bezeichnet, die abseits der Börse eine Marktbewertung von über einer Milliarde Dollar haben. Prominente Beispiele sind Uber, Airbnb, oder Snapchat. Ein Raunen ging durch den Markt, als eines dieser Einhörner - der Bezahldienst Square von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey - beim Börsengang im Herbst deutlich niedriger bewertet wurde als vorher in einer Finanzierungsrunde für Investoren.
    Auch bei anderen Unternehmen schauten Geldgeber plötzlich genauer hin. So korrigierte die grosse Fondsgesellschaft Fidelity den Wert ihres Investments bei der Foto-App Snapchat um einen Viertel nach unten. Anlegern wurde bewusst, dass vielleicht nicht alle der hochgehandelten Tech-Perlen ihre Wachstumsversprechen erfüllen werden.
    Grosse geraten ins Visier
    Die Zweifel weiteten sich aus: Auch die Grossen der Branche gerieten ins Visier der Märkte. Amazon verlor seit Jahresbeginn rund einen Viertel des Aktienwerts, Twitter fast einen Drittel, LinkedIn über die Hälfte. Selbst Apple und Alphabet - die beiden teuersten börsenkotierten Unternehmen der Welt - konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen und lagen zuletzt mit zehn und neun Prozent im Minus.
    Zwar haben einige Firmen grosse Probleme, Yahoo oder Twitter kriseln stark. Apple und Alphabet aber scheffeln Milliarden und sitzen auf riesigen Geldbergen. Auch die Quartalszahlen erklären den Abwärtstrend nicht: 65 Prozent der Tech-Konzerne übertrafen die Erwartungen der Analysten - das gelang nur 49 Prozent der Unternehmen im S&P 500.
    So ist der Abwärtstrend eigentlich nur als grundsätzliches Umdenken der Anleger zu deuten. Warnungen vor einer Blase gibt es schon lange. Die Bewertungen wirken zum Teil auch wirklich wie eine sehr gewagte Wette auf die Zukunft. Die Fahrdienst-App Uber beispielsweise wird in Finanzierungsrunden von Investoren trotz roter Zahlen mit über 50 Milliarden Dollar bewertet und damit höher als Autoriesen wie General Motors.
    Trotzdem sagen die meisten Analysten, dass der Vergleich mit der zur Jahrtausendwende geplatzten Internet-Blase hinkt. Experte Marko Kolanovic von JPMorgan glaubt zwar, dass es mit den Tech-Werten vorerst noch weiter abwärts geht. "Ich würde aber nicht sagen, dass wir es mit einer ausgewachsenen Blase in dem Sektor zu tun haben", so Kolanovic. (sda/hjm)

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