"Die Apple Watch wird das erste Massenmarkt-Gerät in dem Bereich sein."

29. Dezember 2014, 10:40
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Bei den Smartwatches gehts um die Wurst - wie massentauglich ist die Uhr?

Bei den Smartwatches gehts um die Wurst - wie massentauglich ist die Uhr?
Apples Smartwatch ist mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht worden. Tatsächlich dürfte sich bei ihrem Verkaufsstart nicht nur zeigen, wie erfolgreich Apple eine neue Produktkategorie ohne Steve Jobs entwickeln kann, sondern auch wie gut Smartwatches überhaupt ankommen.
Im Jahr 2015 wird sich weisen, wie die Zukunft der Smartwatches als neue Geräteklasse aussieht. Irgendwann Anfang des Jahres - Gerüchten zufolge wohl im Februar oder März - wird Apple seine mit Spannung erwartete Datenuhr in den Handel bringen.
Nachdem Elektronikriesen wie Samsung, Motorola, Sony, Acer sowie diverse kleinere Anbieter den Markt schon seit geraumer Zeit bedienen, wird dem iPhone-Konzern zugetraut, mit seiner Apple Watch die nächste Stufe zu zünden.
"Die Apple Watch wird das erste Massenmarkt-Gerät in dem Bereich sein", zeigt sich der Chef des Onlinespeicher-Dienstes Evernote, Phil Libin, überzeugt. Er lässt bereits Evernote-Anwendungen für die Apple-Uhr entwickeln. Marktexperte J.P. Gownder von der Analysefirma Forrester glaubt, dass es bis Ende 2015 mindestens zehn Millionen Menschen mit einer Apple Watch am Handgelenk geben wird.
Zugleich stehen aber auch nach wie vor grundsätzliche Zweifel im Raum, ob die Mini-Computer am Handgelenk überhaupt ähnlich erfolgreich wie Handys und Smartphones werden können. "Ich zum Beispiel trage ungern eine Uhr, also werde ich auch kaum eine Smartwatch nutzen", sagt zum Beispiel der bekannte Risikoinvestor Fred Wilson. Er vermutet, dass es vielen Menschen, für die das Smartphone längst die Uhr am Handgelenk ersetzt hat, genauso gehen wird.
Eng an iPhone-Plattform angelehnt
In den nächsten Monaten dürfte sich zeigen, ob die Vision von Apple aufgeht. Der Konzern arbeitet seit Jahren daran, die richtigen Nutzungsszenarien für die Uhr als Smartphone-Ergänzung zu finden.
Die vor kurzem veröffentlichte Plattform für Software-Entwickler zeigt, dass die Uhr sehr eng an die iPhones angebunden sein wird. So soll ein Grossteil der Rechenarbeit im Telefon mit seinem mächtigeren Prozessor und der dickeren Batterie erledigt werden.
Das Konzept von Apple ist, dass die Uhr das iPhone ergänzt und vielleicht auch ersetzt, wenn das sinnvoll erscheint. Sie soll sich auch der Situation anpassen. So können etwa Benachrichtigungen zunächst mit wenigen Eckpunkten angezeigt werden. Wenn aber die Sensoren der Apple Watch an der Haltung des Arms erkennen, dass der Nutzer weiterhin auf ihr Display blickt, sollen weitere Informationen eingeblendet werden.
Vielleicht gibt es dafür einen Markt: In einer Forrester-Umfrage sagten 40 Prozent der Smartphone-Nutzer in den USA und immerhin halb so viele in Europa, sie hätten es satt, ständig ihr Smartphone aus der Tasche zu fischen.
Und Evernote-Gründer Libin schwebt eine Zukunft vor, in der intelligente Software von sich aus relevante Informationen zur gerade genutzten Smartphone-Anwendung auf das Display der Uhr schickt.
Ausserdem hofft Apple, mit neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu punkten. So können Partner einander ihren Herzschlag übertragen oder mit dem Finger kleine Bilder zeichnen, die in Echtzeit von Display zu Display gesendet werden. Werden solche verspielten Funktionen zusammen mit der Strahlkraft der Apple-Markt ausreichen, um Millionen Nutzer zu gewinnen? Schliesslich gab es zumindest in der Android-Welt bereits jede Menge Auswahl an smarten Uhren. Und
Google bietet mit Android Wear schon seit dem Sommer auch eine schlüsselfertige Software-Plattform an, auf die unter anderem Motorola und LG aufgesprungen sind.
Experten rechnen jedenfalls mit einem kräftigen Absatzsprung. So erwarten die Analysten des Marktforschers Canalys, dass im Jahr 2015 insgesamt über 28 Millionen "smarte Armbänder" verkauft werden - vier Mal so viele wie im abgelaufenen Jahr.
Schweizer Uhrenbranche gibt sich gelassen
Offen ist, welche Konsequenzen die Apple Watch für die Schweizer Uhrenindustrie haben wird. Es werden ungute Erinnerungen an die 1970er-Jahre wach, als die technologische Entwicklung viele Schweizer Hersteller um die Existenz brachte.
Swatch-Chef Nick Hayek hat sich allerdings wiederholt gelassen geäussert. Das neue Produkt von Apple sei keine Gefahr, sondern eine Riesenchance. "Weil sie Menschen, die bislang keine Uhr trugen, vielleicht dazu bringen wird, sich etwas ans Handgelenk zu binden", sagte der Chef der grössten Schweizer Uhrenkonzerns unlängst.
Gleicher Meinung ist Jean-Claude Biver, Chef der Schweizer Uhrenmarken des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH. "Die Apple Watch wird uns eine neue Käuferschicht erliessen. Die Jungen tragen heute keine Uhren mehr", sagte Biver der 'Aargauer Zeitung'. (sda/lvb)

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