Die Channel-Woche 15

16. April 2021, 15:30
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Die Double Key Encryption, eine milliarden­schwere KI-Übernahme und Kundenärger in Digitalisierungs­projekten sorgten für Gesprächs­stoff im Schweizer Channel.

Dritter HSM-Anbieter will Microsoft-365 besser schützen

Double Key Encryption für Microsoft 365 wurde letzten November lanciert, nun gibt es erste Security-Anbieter, die ihre dazugehörigen Produkte anbieten. Bei Double Key Encryption werden zwei Schlüssel zum Schutz der Daten verwendet; ein Schlüssel ist in Azure gespeichert, der zweite beim Kunden. "Die Anzeige von mit Double Key Encryption geschützten Daten erfordert den Zugriff auf beide Schlüssel. Da Microsoft nur auf einen dieser Schlüssel zugreifen kann, bleiben die geschützten Daten für Microsoft unzugänglich", warb Redmond beim Launch. Eine Schweizer Firma – Securosys – hatte die Nase nach dem Launch vorne, sie war die erste, die im Februar mit einem Produkt auf den Markt gekommen ist. Einen Monat später zog der französische Konzern Thales nach und kündigte eine eigene Lösung mit eigenen HSM an. Nun folgte als dritte Firma Entrust, welche ebenfalls eine Integration mit Microsoft Double Key Encryption bekannt gibt.

Microsoft kündigt milliardenschwere KI-Übernahme an

Microsoft gibt bekannt, den KI- und Spracherkennungs-Anbieter Nuance Communications übernehmen zu wollen. Gemäss einer Mitteilung bietet Microsoft 56 Dollar pro Aktie, was einem Aufpreis von 23% auf den Schlusskurs von Nuance am 9. April entspricht. Der Deal würde sich damit auf 19,7 Milliarden US-Dollar (inklusive Schulden) belaufen und wäre nach Linkedin die zweitgrösste Übernahme in der Firmengeschichte von Microsoft. Bei Nuance, so Microsoft, handle es sich um einen Anbieter von Cloud- und KI-Software mit jahrzehntelanger Erfahrung in den Bereichen Gesundheitswesen und KI in Unternehmen. Die Technologie von Nuance steckt beispielsweise auch hinter Apples Sprachassistent Siri. Microsoft stellt branchenspezifische Cloud-Angebote bereit, darunter auch die 2020 eingeführte Microsoft Cloud for Healthcare. Die Übernahme von Nuance sei der jüngste Schritt in der Strategie von Microsoft, das branchenspezifische Cloud-Angebot zu erweitern.

RZ-Brand in Strassburg ist noch nicht bewältigt

OVH, Europas grösster Webhosting-Anbieter, hat sich immer noch nicht vollständig von einem katastrophalen Brand in einem seiner Rechenzentren in Strassburg erholt. OVH-Mitbegründer und CTO Octave Klaba schiebt die Dauer der laufenden Wiederaufbau-Arbeiten auf pandemiebedingte Herausforderungen, die eine ohnehin schon komplexe Aufgabe zu einem "echten Albtraum" gemacht habe, wie er twitterte. Während die Anlage abgeschrieben wurde, waren darin untergebrachte Server teilweise vollkommen unbeschädigt, müssen aber getestet werden. Rauch und Russ sind zudem in mehrere Server eingedrungen, die zerlegt und gereinigt werden müssen, bevor sie getestet und wieder in den aktiven Dienst gezügelt werden können. OVH sagte, dass seine Mitarbeiter etwa 7 Stunden für die Reinigung eines Servers benötigen. Aufgrund der Herausforderungen hat OVH noch keinen Termin für die Wiederaufnahme des Normalbetriebs genannt. Das Unternehmen arbeitet auch an der Herausgabe von Gutscheinen, mit denen Kunden für Dienste bezahlen können, und wird keine vom Feuer betroffenen Dienste oder von Kunden bestellte Ersatzdienste in Rechnung stellen.

Alltron vertreibt Professional Services von Swisscom

Fachhändlern und ICT-Resellern stehen bei Alltron neu Professional Services von Swisscom zur Verfügung, die ihnen bei der Umsetzung von Kundenprojekten helfen sollen. "Professional Services Pool" und "Professional Services ICT Assessment" von Swisscom sind laut einer Mitteilung ab sofort auf dem Alltron Service Marktplatz verfügbar. Damit könnten die Partner Leistungen wie Consulting, Planung, Integration und Migration bei Alltron zu definierten Konditionen beziehen und ihren Endkunden verkaufen, schreibt Alltron. "Für Reseller bedeutet dies, dass sie die Erfahrungen der Swisscom aus vielen ICT-Projekten für sich und ihre Kunden nutzen oder sich weitere Geschäftsfelder erschliessen können", so Marco Iten, Leiter Cloud & Services bei Alltron. Dies ohne, dass sie selbst Zertifizierungen absolvieren oder Know-how aufbauen müssten, das sie nur punktuell benötigen. Beim Swisscom "Professional Services Pool" (POOL) handelt es sich laut Alltron um ein flexibles Stundenpaket zur Unterstützung durch Fachexperten – vom Servicetechniker bis zum Lösungsarchitekten.

Von Hensch zu Mensch: Was Kunden an der IT-Branche so nervt

Wenn trotz Corona die Digitalisierung in der Breite der Wirtschaft nicht richtig in Fahrt kommt, stellt sich die Frage: Weshalb sind letztlich doch wenig Firmen bereit, ihre Prozesse tiefgreifend zu reformieren, um dank moderner IT von beträchtlichen Produktivitätsfortschritten zu profitieren? Nun, mittlerweile gibt es in allen Unternehmen Menschen, welche IT-Projekte nicht als Fortschritt, sondern als Bedrohung sehen. Und zwar nicht, weil sie fürchten, einer anschliessenden Reorganisation zum Opfer zu fallen, sondern weil sie als Kadermitarbeitende bei IT-Projekten so viel negative Erfahrungen gesammelt haben, dass sie diese fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Unser Kolumnist Jean-Marc Hensch geht Preisspiralen, Kundenfrust, Personalärger nach und stellt die grosse Schuldfrage.

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