Die Channel-Woche 39

1. Oktober 2021, 14:56
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Ein Streit um neue Post-Services, Cloud-Pläne von Infomaniak, die Kosten eines RZ-Brandes und Lizenzänderungen bei Veeam sorgten für Gesprächsstoff im Schweizer Channel.

Neue Services der Post sorgen für Irritation

Ob die Post irregulär in den Markt für digitale Services vorstösst, ist bereits politisch ein Thema. Nun meldet das Luzerner Startup Peax einen konkreten Streitfall. In Sachen digitalem Briefkasten fungiert die Schweizerische Post seit einigen Jahren als Kooperationspartner für Peax. In diesem Sommer hat die Post ein eigenes Produkt namens ePost auf den Markt gebracht, das von der Post-Tochter Klara stammt, allerdings mit sehr viel günstigeren Konditionen auftrumpft. Statt gleich lange Spiesse anzubieten, koste ePost "für Endkunden weniger, als wir für die Postumleitung bezahlen müssen", heisst es bei Peax. So zahle Peax für die Umleitung der Post von Privatpersonen 18 Franken pro Monat und Kunde und für Geschäftskunden seien es 27 Franken. Hinzu komme das Scanning, das eine Drittfirma übernehme. Genau die gleiche Dienstleistung biete ePost Privatpersonen für 14,90 Franken pro Monat an, und zwar inklusive Scanning.

Infomaniak will mit Public Cloud gegen AWS und Co. antreten

Der umtriebige Genfer Service Provider Infomaniak stellt sich gerne als Schweizer David dar, der den US-Goliaths die Stirne bieten kann. Nun lanciert Infomaniak ein IaaS-Angebot, das Schweizer Unternehmen und öffentlichen Institutionen eine Alternative zu AWS, Azure oder Google Cloud bieten soll. Es basiere auf der herstellerunabhängigen Open-Source-Technologie Openstack und werde komplett in der Schweiz betrieben und verwaltet, so Infomaniak. Ausserdem sei es deutlich günstiger als die ausländische Konkurrenz. Ein Nachteil, den das Angebot in den Augen von Kunden hat, die eine hohe Ausfallsicherheit auch im Falle von Katastrophen benötigen, ist die Georedundanz. Die Infrastruktur wird zwar in 2 Rechenzentren betrieben, aber beide befinden sich in Genf. Man habe aber das Ziel, sagte Infomaniak gegenüber inside-channels.ch, innerhalb der nächsten rund 5 Jahren einen weiteren Standort in grosser Entfernung zu Genf zu eröffnen.

RZ-Brand könnte OVH über 105 Millionen Euro kosten

Im März 2021 zerstörte ein Grossbrand das Rechenzentrum von OVHcloud in Strassburg teilweise. Dokumente geben nun erstmals Einblick in mögliche Kosten. OVHcloud hat einen Fehlbetrag von 2,9 Millionen Euro durch entgangene Einnahmen erlitten, dazu kommen 5,2 Millionen an Kompensationen. Weiter wurden 28,3 Millionen Euro an Gutscheinen für kostenlose Dienstleistungen als Werbegeschenk oder Wiedergutmachung ausgegeben. 39,2 Millionen Euro kosteten "aussergewöhnliche Belastungen", darunter fallen Kosten für Gutachten, Verfahren und mögliche Haftungsklagen. Hinzu kommen 15,8 Millionen Euro für die Verschrottung beschädigter Server und 18,4 Millionen für den Notfallaustausch von Hardware. Das Unternehmen veranschlagt weitere 10 bis 12 Millionen Euro, um die Reparaturen abzuschliessen und beim RZ in Strassburg die Sicherheit zu verstärken.

Veeam kündigt seinen Abschied von Sockel-basierten Lizenzen an

Veeam hat schon vor rund sechs Monaten angekündigt, dass man in Zukunft wohl keine auf der Anzahl CPU-Sockel in Servern basierende Software-Lizenzen mehr verkaufen werde. Nun hat Anton Gostev, Senior Vice President für das Produktmanagement, in einem neuen Blogpost erklärt, dass es fast sicher im kommenden Jahr soweit sein wird. Die erste Ankündigung des Plans des Spezialisten für Backup-Software für virtuelle Umgebungen hatte aber bei einigen bestehenden Kunden, die solche Lizenzen gegenüber mehr Volumen-basierten Lizenzen bevorzugen, für Unmut gesorgt. Diese versucht Gostev nun mit der Aussage zu beruhigen, dass ihre bestehenden Lizenzen nicht ungültig werden. Sie könnten zudem weiterhin verlängert und auch auf zukünftige Produktversionen übertragen werden. Die Alternative, die das Unternehmen pushen will, ist die auf der Zahl von Workloads, die mit Veeam gesichert werden, basierende "Veeam Universal License" (VUL).

Bedag mietet sich bei T-Systems ein

Der IT-Dienstleister Bedag hat einen Anbieter für sein Backup-Rechenzentrum gewählt. Auf eine öffentliche Ausschreibung für einen Colocation-Anbieter sind 4 Angebote eingegangen. T-Systems Schweiz hat den Zuschlag über knapp 1 Million Franken erhalten. Laut der Ausschreibung will Bedag sein aktuelles Rechenzentrum im aargauischen Wettingen sukzessive ersetzen und in den neuen Standort migrieren. Ziel sei, langfristig RZ-Fläche bei einem externen Colocation-Partner anzumieten. Der Vertrag mit T-Systems wird auf 5 Jahre abgeschlossen und anschliessend jährlich verlängert, sofern keine Kündigung vorliegt.

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