Die "Geburt" des Computers – und der blinkenden Lämpchen

14. Februar 2006, 13:37
  • kolumne
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Vor sechzig Jahren wurde erstmals ein Computer der Öffentlichkeit vorgestellt: ENIAC. Seine Konstrukteure erfanden gleich auch das Computermarketing.

Vor sechzig Jahren wurde erstmals ein Computer der Öffentlichkeit vorgestellt: ENIAC. Seine Konstrukteure erfanden gleich auch das Computer -marketing.
Was macht einen Computer aus? Für lange Jahre dachte ein Durchschnitts -mensch beim Wort "Computer" an eine riesige Maschine mit vielen vielen Lämpchen, die in verwirrenden und hypnotischen Mustern vor sich hinblinken (Und sich, wenn er böse wird, wenn möglich auch noch rot verfärben). Geprägt wurde dieses Bild, das vor allem in Dutzenden von Hollywood-Filmen verewigt wurde, von ENIAC.
Andere Computer kamen früher, zum Beispiel die Maschine, mit der die Engländer im zweiten Weltkrieg die "Enigma"-Nachrichten der Deutschen entschlüsselten. Die Vorgänger wurden aber geheim gehalten und blieben im Dunkeln. ENIAC, der "Electronic Numerical Integrator and Computer", war im Februar 1946 der erste elektronische Computer, der der Öffentlichkeit präsentiert wurde, und so das Bild davon, wie ein Computer auszusehen hat, über Jahrzehnte prägen konnte.
Blinkende Lichter als Designspielerei
Dabei war aber anscheinend ein grosser Teil dieses Aussehens Spiegelfechterei. Presper Eckert und John Mauchly, die ENIAC im Auftrag der US-Armee entwickelt hatten, hatten offensichtlich auch ein Gespür für Marketing.
Sie waren sich sicher, ein Gerät konstruiert zu haben, das die Welt verändern würde. Gleichzeitig fragten sie sich aber, wie sie das Zukunftweisende der Maschine, deren äusseres doch eher unspektakulär war, dem Publikum bildlich klar machen könnten. Und so malten sie Nummern auf ein paar Glühbirnen und schraubten diese "Translucent Spheres", die eigentlich kaum eine Funktion hatten, aber eine unergründliche "Intelligenz" suggerierten, auf die Panels von ENIAC.
Und die Geburt des Supporters
Die beeindruckende Grösse allerdings war kein Designtrick, sondern lag an den Komponenten, die damals verwendet wurden. Das Hirn von ENIAC bildeten sage und schreibe 17'840 Elektronenröhren. Das ganze Gerät wog rund 28 Tonnen, hatte eine Stromaufnahme von bis zu 170'000 Watt und erreichte damit ein Tempo von bis zu 5000 Additionen pro Sekunde. (andere Operationen dauerten etwas länger).
Mit ENIAC entstand auch gleich der Berufsstand des Computersupporters, der im Schweisse seines Angesichts und oft irgendwo im Staub kniend oder liegend fehlerhafte Komponenten austauscht. Bei ENIAC waren die Röhren der kritische Punkt, auch wenn sie besonders robust gebaut und vor dem Betrieb getestet wurden. ENIAC beschäftigte so eine ganze Schar von "Supportern".
Die Lämpchen überleben
Gegenüber späteren Computern wies ENIAC noch einige Unterscheide auch in der grundlegenden Konstruktion auf. So arbeitete er nicht mit Einsen und Nullen in einem Binärsystem sondern mit Dezimalzahlen. Und zumindest in den ersten Jahren hatte er keinen Befehlsspeicher und konnte so auch nicht über Magnetbänder oder Lochkarten programmiert werden: Dazu musste man ihn jedes Mal neu verkabeln.
Von den für ENIAC verwendeten Konstruktionsprizipien wurden nur sehr wenige in späteren Computern weiterverwendet – darunter die dekorativen Lämpchen. Aber, er hat nicht nur hübsch geblinkt, sondern auch funktioniert: ENIAC wurde erst 1955, als er von einem Blitz zerstört wurde, aufgegeben. (Hans Jörg Maron)
(Bilder: Oben ENIAC, wie er der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Unten ein Techniker bei der Suche nach einer defekten Röhre. Anfangs musste dafür noch jede einzelne der fast 18'000 Röhren geprüft werden.)

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