Die Glasfaserbauer von Pfyn

13. August 2009, 14:14
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Telekom-Unternehmen wollen vermehrt ländliche Gebiete mit Glasfaserleitungen erschliessen. Nachdem Ende 2008 Translumina im kleinen Thurgauer Ort Dettighofen ein Projekt startete, nistet sich jetzt auch Swisscom dort ein.

Telekom-Unternehmen wollen vermehrt ländliche Gebiete mit Glasfaserleitungen erschliessen. Nachdem Ende 2008 Translumina im kleinen Thurgauer Ort Dettighofen ein Projekt startete, nistet sich jetzt auch Swisscom dort ein.
Die Gemeinde Pfyn und Swisscom wollen beim Bau eines Glasfasernetzes in der Gemeinde zusammen arbeiten. Man wolle damit den Infrastrukturwettbewerb fördern und gleichzeitig die Kosten der Gemeinde als auch der Swisscom für den Bau des Netzes senken, heisst es in einer Mitteilung. Für Swisscom ist es die erste Kooperation mit einer Gemeinde in eher ländlichem Gebiet in Sachen Fiber to the Home (FTTH).
2 Fasern für Swisscom
Die Kooperation zwischen Swisscom und der Gemeinde sieht den Bau des Glasfasernetzes im Ortsteil Dettighofen durch das Elektrizitätswerk Pfyn vor. Dabei werden vier Fasern pro Haushalt verlegt, wovon Swisscom zwei Fasern erhält und zwei von der Gemeinde anderen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Die beiden anderen Fasern sollen anderen potentiellen Anbietern offenstehen. Erste Angebote für Privatkunden und KMU werden voraussichtlich ab 2010 verfügbar sein.
Für die Gemeinde Pfyn zählt vor allem die Aussicht auf einen Standortvorteil. Jaqueline Müller, Gemeindeammann von Pfyn, erklärt, dass man mit der Glasfaser-Technologie einen "langjährigen Standortnachteil aufgrund schlechter Kabelanbindung sogar in einen Standortvorteil verwandeln" könne. Teleworking werde damit nämlich auch im Ortsteil Dettighofen, der bisher nur über "ungenügende Kabelverbindungen für TV oder Internet" verfüge, zu den besten Bedingungen möglich sein.
Buhlen um die Provinz
Ausgerechnet im kleinen Ort Dettighofen (keine 400 Einwohner) hat schon der Provider Translumina ein FTTH-Projekt gestartet – und zwar schon Ende 2008. Damals wurde das Hotel Linde mit FTTH ausgestattet, um die Einwohner von Dettighofen über die Vorteile von Glasfaserleitungen zu informieren. Translumina-Chef Peter Helfenstein bestätigt, dass auch in kleinen Gemeinden um den Glasfaserausbau gekämpft werde. Er hält es für möglich, dass Swisscom erst durch das Projekt von Translumina auf Dettighofen aufmerksam geworden ist. "Wir sind in den ländlichen Gegenden sehr engagiert, da diese von den grossen Anbietern vernachlässigt werden", sagt Helfenstein. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sagt aber, die Gemeinde sei auf Swisscom zugegangen und nicht umgekehrt.
Swisscom und Translumina seien eigentlich keine Konkurrenten im Glasfaserbau, da Translumina nicht alleine baue, sondern mit lokalen Elektrizitätswerken wie dem des Kantons Thurgau (EKT) zusammenarbeite, so Helfenstein. Die Gemeinde habe nun aber am vergangenen 17. Juni beschlossen, dass sie das Glasfasernetz selber erstellt – mit Hilfe von Swisscom. Eine "Schlacht der Bagger" wie sie etwa in der Stadt Zürich befürchtet wird, soll es aber nicht geben: Translumina werde in Dettighofen wohl mit der Gemeinde und damit auch mit Swisscom kooperieren, meint Helfenstein. (Maurizio Minetti / Tom Brühwiler)

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