Die grossen Cloud-Anbieter schielen auf das Geschäft mit Branchenlösungen

29. Oktober 2021, 15:13
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Laut Canalys verändern die Hyperscaler unter dem Eindruck des Chipmangels ihre Strategie. Neben Branchenlösungen soll demnach auch der Channel wichtiger werden.

Die Cloudinfrastruktur ist Gegenstand vieler Untersuchungen, im boomenden Markt geht es schliesslich um viel Geld. Nun hat Canalys aber eine Tendenz aufgezeigt, die bislang wenig im Fokus stand: Demnach sollen die globalen Hyperscaler ihren Schwerpunkt zunehmend auf branchenspezifische Services und den Ausbau ihrer Vertriebskanäle verlagern.
Grund für die Entwicklung ist laut den Marktforschern der Mangel an Chips. Da dies längere Vorlaufzeiten für RZ-Komponenten zur Folge habe und die steigenden Preise an die grossen Cloud-Anbieter weitergereicht würden, verschiebe sich deren Fokus. Verstärkt werde der Trend dadurch, dass jene Cloudservices noch immer besonders nachgefragt würden, die in der Pandemie die Geschäftskontinuität sichern sollen, was unterschiedliche Anforderungen mitbringt.
"Die Gesamtnachfrage nach Rechenleistung übersteigt die Kapazitäten der Chipherstellung, der Ausbau der Infrastruktur könnte für die Anbieter von Cloud-Diensten an Grenzen stossen", sagte Canalys-Analyst Blake Murray zum Techmagazin 'ARN', das über die Canalys-Befunde berichtete. Die Cloud-Anbieter müssten deshalb nicht nur ihre Supply Chain in den Griff bekommen, sondern an ihren Vertriebskanäle und Portfolios arbeiten, um der Vielfalt an Kundenbedürfnissen Herr zu werden.
AWS, der führende der Hyperscaler, hat soeben seine Quartalszahlen veröffentlicht. Diese stützen die Analyse: Zwar ist der Cloudumsatz um 39% auf 16,1 Milliarden Dollar gestiegen, zugleich ist aber der Gewinn des Gesamtkonzerns Amazon um 50% eingebrochen. Dies liege an einer Investitionsoffensive, sagte Amazon-Chef Andy Jassy. Dieser war nicht zufällig dieses Jahr vom AWS-Chefposten zur Gesamtleitung des Konzerns aufgerückt. Amazon investiert nun nicht nur in Lager- und Liefer-Kapazitäten, sondern auch in Mitarbeiterressourcen, um die Kundenbedürfnisse abzudecken.
Die beiden grossen Konkurrenten Microsoft und Alphabet haben kürzlich ebenfalls ihre Zahlen vorgelegt: Das Geschäft der Redmonder mit Azure und der Sparte "Intelligent Cloud" legte um 36% auf 20,7 Milliarden zu, Google Cloud wuchs um 45% auf 5 Milliarden Dollar. Die Zahlen lassen sich allerdings nicht eins zu eins vergleichen, weil die Angebote über Infrastruktur, Plattform-Services und Cloud-Software unterschiedlich ausgestaltet sind.
Was aber auffällt, auch Google und Microsoft schielen auf Branchenlösungen: Microsoft hat seine Cloud für Financial Services Anfang Oktober gestartet, nachdem der Konzern bereits im Februar diverse branchespezifische Cloud-Angebote angekündigt hatte. Google-Cloud-CEO Thomas Kurian hatte bereits letztes Jahr angekündigt, bestimmte Branchen besonders ins Auge zu fassen. Der Konzern hat dieses Jahr sein Cloud-Team neu aufgestellt
Marktforscher Alastair Edwards hatte kürzlich auf der Konferenz von Canalys die Wichtigkeit des Channels unterstrichen: Zwar würden die Cloud-Marktplätze der Hyperscaler, auf denen Kunden ihre Services direkt beziehen, immer wichtiger, aber der Channel bleibe zentral, so Edwards. Viele Kunden würden immer noch über Verträge verhandeln, Rabatte erhalten und verschiedene Technologien integrieren wollen. Sie wenden sich zudem zunehmend Multi-Cloud-Umgebungen zu und wollten komplexere Technologien beziehen.

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