Die Hyperscaler wachsen weiter und damit ihr Strom­verbrauch

30. Juli 2021, 09:55
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Der Ressourcenverbrauch grosser Tech-Konzerne rückt immer mehr in den Fokus. Marktforscher haben die Klimaziele der grossen Cloud-Anbieter angeschaut.

Die weltweiten Ausgaben für Public-Cloud sind laut den jüngsten Zahlen von Canalys auf fast 50 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Top-3 Anbieter AWS, Microsoft und Google teilen sich fast zwei Drittel des Public-Cloud-Markts.
Amazon bleibt demnach mit einem Anteil von 31% klarer Marktführer. Das Unternehmen erzielte im 2. Quartal mit der Cloud-Sparte AWS einen Umsatz von 14,8 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 37% im Jahresvergleich entspricht. Microsoft mit Azure konnte im Jahresvergleich um über 50% zulegen. Laut den Marktforschern entspricht das einem globalen Marktanteil von 22%. Mit 8% Marktanteil ist Google Cloud Platform abgeschlagen die Nummer 3. Allerdings verzeichnete Google laut Canalys im Jahresvergleich mit 66% das stärkste Cloud-Wachstum.
Als Wachstumstreiber gilt die Pandemie. Sie habe in Unternehmen viele wirtschaftliche und betriebliche Schwachstellen aufgedeckt, heisst es in der Mitteilung. Anwender würden sich deshalb vermehrt dem Thema Resilienz widmen. Zusammen mit der beschleunigten Digitalisierung erhöhe sich die Cloud-Nutzung. 

Im Fokus von Regulierung und Kunden

Canalys hat sich aus aktuellem Anlass auch dem Thema erneuerbare Energien und Stromverbrauch gewidmet. Die extremen Wetterereignisse und Naturkatastrophen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hätten die Besorgnis über langfristige Störungen durch Umweltrisiken verstärkt. Dies werde die Bedeutung von Cloud-Diensten weiter erhöhen, glauben die Analysten.
Gleichzeitig erhalte der Technologiesektor und dessen Auswirkungen auf die Umwelt viel Aufmerksamkeit, da Regierungen, Unternehmen, Verbraucher und Investoren ihre Nachhaltigkeitsziele und -erwartungen erhöhen.
"Das Bewusstsein für den Energieverbrauch und die Kohlendioxidemissionen digitaler Dienste, die in den von Cloud-Anbietern betriebenen Rechenzentren erbracht werden, wächst", erklärt Blake Murray, Research Analyst bei Canalys. Es zeige sich aber, dass die Top-Cloud-Anbieter "auch an der Spitze der Bemühungen um Umweltverträglichkeit" stehen würden, fügt er an. Er geht davon aus, dass die Best Practices der grossen Anbieter auf den Rest der Branche übergreifen werden.
Laut Canalys könne Amazon seinen Strombedarf zu 40% aus erneuerbaren Quellen decken. Ziel des Unternehmens sei es, die Rechenzentren bis 2025 zu 100% mit erneuerbaren Energien zu betreiben.
Microsoft sei seit 2012 CO2-neutral. 2025 sollen alle RZs vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Zudem hat sich das Unternehmen, zum Ziel gesetzt, bis 2030 CO2-negativ zu sein. Bis zum Jahr 2050 will Microsoft ausserdem all den Kohlenstoff aus der Umwelt entfernen, den der Konzern seit seiner Gründung im Jahr 1975 entweder direkt oder durch den Stromverbrauch verursacht hat. 
Ebenfalls auf das Jahr 2030 will Google seine Rechenzentren und Standorte mit erneuerbarer Energie betreiben. Das Unternehmen gab kürzlich auch bekannt, all seine historischen Kohlenstoffemissionen durch den Kauf von Kompensationen eliminiert zu haben. 
Die Preise für erneuerbare Energiequellen seien mittlerweile wettbewerbsfähig mit denen für fossile Brennstoffe, schreibt Canalys. Der Anteil der erneuerbaren Energiequellen, die die RZs der Anbieter versorgen, werde steigen. "Die Regulierung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Pariser Abkommen, wird sich weiter verschärfen", so Matthew Ball, Chefanalyst von Canalys. Gleichzeitig werde das Thema auch für die Kunden immer relevanter. Allerdings müsse die Transparenz bei der Messung nachhaltiger Praktiken verbessert werden, fügt er an. 

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